Die Zahlen lesen sich dramatisch: 11.000 Waldelefanten wurden allein in einem einzigen Nationalpark in Gabun seit 2004 abgeschlachtet, in ganz Zentralafrika verschwanden fast zwei Drittel der Dickhäuter im letzten Jahrzehnt. In Südafrika wurden letztes Jahr rund 700 Nashörner gewildert, dieses Jahr könnten es mehr als tausend werden, was ihr Nachwuchs nicht mehr ausgleicht. Und jedes Jahr hacken Fischer 100 Millionen Haien die Flossen ab, um sie als Delikatesse in Ostasien zu verkaufen – ebenfalls mehr, als die Meeresräuber durch Fortpflanzung ausgleichen können.

Es steht also schlecht um charismatische Großtiere, die manche Menschen lieber als geschnitzte Elfenbeinfigur im Schrank stehen haben oder als Pulver gegen einen alkoholbedingten Kater konsumieren. Um der ausufernden Ausbeutung der Natur einen Riegel vorzuschieben, haben sich nun wieder die Delegierten der 178 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens – englisch und kurz CITES – in Bangkok getroffen, um über Handelsbeschränkungen für bedrohte Tier- und Pflanzenspezies zu verhandeln.

Auf dem Papier zumindest haben die Artenschützer nach langen Jahren wieder große Erfolge errungen: Zwanzig Schildkrötenarten sowie Sägerochen dürfen vorerst gar nicht mehr gehandelt werden, starke Einschränkungen gibt es zukünftig für 128 verschiedene Tropenhölzer, fünf Haie, Mantarochen sowie 32 Reptilienarten, unter denen sich ebenfalls vor allem zahlreiche Schildkröten befinden. Beim Haischutz setzte sich die Mehrheit der Staaten sogar gegen China und Japan durch, die weiterhin auf Ausnahmen beim Haihandel gepocht hatten. Gegen Guinea wurden sofortige Sanktionen eingeleitet, da das Land mit bedrohten Menschenaffen gehandelt hat, die als "Spielzeug" oder Schauobjekte von Safariparks in Ostasien oder als Touristenattraktionen an Mittelmeerstränden enden.

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Und ebenfalls auf der Agenda standen Maßnahmen gegen das ausufernde Geschäft mit Nashornhörnern und Elfenbein, das im Wesentlichen zwischen Uganda. Kenia, Mosambik, China, Thailand, den Philippinen und Vietnam floriert. Hier wurde ein Aktionsplan verabschiedet, der den illegalen Handel mit Elfenbeinzähnen und daraus gewonnenen Produkten endlich austrocknen soll. Vor allem Thailand gilt als internationale Drehscheibe, da es den Kauf und Verkauf von Elfenbein aus einheimischen Beständen natürlich verstorbener Tiere erlaubt – was die Händler in der Praxis häufig unterlaufen, wie die Dezimierung der Elefanten in Afrika trefflich belegt. Unter anderem sollen eine DNA-Datenbank und Herkunftszertifikate endlich fälschungssicher bezeugen, woher ein Stoßzahn stammt und ob er gehandelt werden durfte. Vietnam und Mosambik, die wichtigsten Bezieher und "Exporteure" der Nashörner, müssen endlich aktiv gegen Wilderei und Verkauf vorgehen – ansonsten drohen ab 2014 Handelssanktionen.

Ob diese Vorgaben ausreichen, um die Dickhäuter effektiv zu schützen, darf allerdings schon vorab bezweifelt werden. Ein Kilogramm Nashornhorn wird in Vietnam für 65.000 US-Dollar gehandelt: Es ist mehr wert als Gold oder Kokain, da ihm magische Fähigkeiten zugeschrieben werden. Es soll Krebs heilen, hilft angeblich gegen Kater und gilt als Statussymbol, das reiche Geschäftsleute gerne in einem Schälchen auf dem Tisch reichen, um ihre Partner zu beeindrucken – Koksen mit Nashorn quasi. Das Geschäft mit Elfenbein wurde wieder angekurbelt, seit Gläubige daraus geschnitzte Devotionalien gerne kaufen – Buddhisten wie Katholiken. Auf den Philippinen wie in Thailand werden Kreuze und Amulette daraus gefertigt, die reißenden Absatz finden.