Schlachtvieh : China rätselt über Herkunft Tausender toter Schweine

Mittlerweile sind mehr als 10.000 Schweinekadaver im Fluss Huangpu gefunden worden. China sorgt sich deshalb ums Trinkwasser und das beliebteste Fleisch.

In der chinesischen Region Shanghai ist die Zahl der toten Schweine im Fluss Huangpu auf mehr als 13.000 gestiegen. Die Herkunft der Kadaver ist aber nach wie vor ungeklärt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurden in Shanghai selbst bislang 9.460 Tierkadaver aus dem Wasser geholt, in der Nachbarprovinz Zhejiang seien es etwa 3.600 gewesen.

In Proben aus den Kadavern war der Circovirus gefunden worden, ein Virus, der bei Schweinen vorkommt und für Menschen ungefährlich sein soll. Vermutet wird, dass Bauern oder Züchter aus der Region die toten Tiere im Fluss möglichst billig entsorgen wollten. Chinesischen Vorschriften zufolge müssen die Kadaver kranker Tiere verbrannt oder vergraben werden.

Stattdessen wurden die Tausenden toten Schweine in den Huangpu geworfen. Ein Fluss, aus dem die Millionenmetropole Shanghai mehr als 20 Prozent ihres Trinkwassers gewinnt. Die Wasserqualität soll nach Beteuerungen der Behörden zwar nicht beeinträchtigt sein. Allerdings ist wegen der Informationspolitik der Behörden und den Lebensmittelskandalen der Vergangenheit das Misstrauen in der Bevölkerung groß. 

Woher stammen die Kadaver?

Die Zweifel werden auch dadurch bestärkt, dass die Herkunft der Tiere noch ungeklärt ist. Shanghai hatte Landwirte aus der Stadt Jiaxing in der Provinz Zhejiang beschuldigt, die toten Schweine in den Fluss geworfen zu haben. Vertreter der Stadt hingegen erklärten, dass die Tiere nicht ausschließlich aus Jiaxing stammen könnten, es sei bisher nur einem Landwirt etwas nachzuweisen.

Ein Beamter in Jiaxing hatte aber eingeräumt, dass mindestens einige der toten Tiere in dem für seine Schweinemastbetriebe bekannten Ort in den Fluss geworfen worden waren. Mehrere an den Kadavern gefundene Ohrmarken stammten von einem dortigen Züchter.

Der Tiermediziner Wang Wei vermutet eine größere Zuchtanlage als Herkunftsort der Kadaver, weil sich dort Krankheiten schnell verbreiten können. Im vergangenen Februar seien rund ums chinesische Neujahr viele Schweine aus ungeklärter Ursache verendet, sagte Wang der Nachrichtenagentur AFP. Der Mediziner arbeitet für den Tierpharma-Produzenten Hengyuan Company.

Schwein ist beliebt in China

Mehr als 20.000 Schweine sollen in Jiaxing in den vergangenen zwei Monaten verendet sein. Chinesische Behörden beteuern allerdings, es gebe keine Epidemie größeren Ausmaßes. In Jiaxing werden pro Jahr sieben Millionen Schweine aufgezogen. Bakterien können sich leicht in den überfüllten Schweineställen verbreiten.

Auch wenn das Virus für Menschen ungefährlich sein soll, trifft der Skandal eines der beliebtesten Lebensmittel in China: In den Städten des Landes ist der jährliche Fleischkonsum mit dem wachsenden Wohlstand bereits auf mehr als 20 Kilogramm pro Person gestiegen. Mehr als 60 Prozent der chinesischen Fleischproduktion stammt von Schweinen.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ob China oder Deutschland

der Markt zwingt und erlaubt teilweise solche Aktionen. Wenn hinter dem Kilogramm Grillwürstchen eine undurchschaubare Wertschöpfungskette steht, an deren Stationen gedopt, gespritzt und getrickst wird, können wir von Glück reden, wenn wir am Ende nicht krank werden, sei es auch langfristig. Am besten nachfragen, recherchieren und testen, was einem nicht nur schmeckt an Produkten örtlicher Händler, sondern auch gut tut, natürlich nur als nicht-Vegetarier/Veganer. Erst vor kurzem habe ich dieses Buch entdeckt, was mich erst überhaupt dazu gebracht hat eher auf den lokalen Herrn Meyer zu vertrauen als auf Megakonzerne und die Lebensmittellobby.

http://www.nzz.ch/aktuell...

@Tiroler: Wie Sie Dinge bezeichnen ist doch erstmal nachrangig bei der Bewältigung dieses Problems. Chinesische Experten werden sich wohl kaum erstmal zwei Tage in einen Raum verschließen um eine Headline zu formulieren, bevor sie herausfinden warum und wieso nun soviele Schweine gestorben sind.

Danke

Vielen Dank dafür. Freut mich, dass solche Kommentare gelesen werden. Darum möchte ich mich dazu noch einmal äußern: Ich war sicher schon 10x davor, einen solchen Kommentar zu schreiben - wenn nicht noch öfter. Ich finde es toll, wenn ich wieder ein riesiges Interview über 6 Seiten lese, dass es 6 Seiten gibt. Oftmals haben Sie allerdings Artikel, die auf der zweiten Seite wirklich wenig Mehrwert bringen und in meinen Augen nur den zweiten Klick bringen sollen.

Bitte ...

Liebe Zeit-redaktion: wenn schon die Chinesen jeglichen Respekt vor der Mit-"Kreatur" vermissen lassen, dann wäre es doch angenehm zumindest sprachlich nicht auch noch ins selbe Hörnchen zu blasen.
Der Begriff "Kadaver" muss nun wirklich nicht sein. Ebenswowenig wie ähnlich gestrickte Formulierungen wie "verenden", "trächtig", "saufen/fressen", "werfen" und ähnliches. Rassismus, Frauenfeindlichkeit u.ä. fangen alle bei der Sprache an. Dort wird schon die Linie gezogen, die "uns" und "die" trennt. Oder trennen soll. Diese Tiere sind Opfer einer Gesellschaft, die die Unmenschlichkeit zur Tugend erhoben hat. Hier wie dort. Tun wir ihnen denn nicht schon genug Übles an, ohne sie nicht auch noch mit Worten ins unverdiente ethisch-moralisch Abseits zu stellen?

Respekt auch vor der Sprache

Hier geht es nicht um Respekt vor der Mit-Kreatur, sondern vor der deutschen Sprache, und die sieht nun einmal vor, dass ein totes Tier als Kadaver, ein toter Mensch als Leiche bezeichnet wird, genauso wie ein Tier frisst und säuft, der Mensch isst und trinkt (sofern er nicht ebenfalls säuft). Ein Säugetier kann trächtig sein, aber niemals schwanger, usw. Respekt vor Tieren zeigt man nicht, indem man sie vermenschlicht, sondern indem man sie tierisch artgerecht behandelt. Die Massenhaltung von Schweinen in China dürfte dieser artgerechten Haltung kaum entsprechen, aber wen interessiert das schon, wenn er einen "original Südtiroler Speck" aus chinesischem Schweinefleisch günstig bekommt?

Soso China ist also eine "Gesellschaft

China ist also eine "Gesellschaft, die die Unmenschlichkeit zur Tugend erhoben hat"

Zumindest behaupten sie dies mal in einem Kommentar, in welchem sie folgendes fordern:

"Rassismus, Frauenfeindlichkeit u.ä. fangen alle bei der Sprache an. Dort wird schon die Linie gezogen, die "uns" und "die" trennt."

Gut das sie beim Rassismus schon einen Schritt weiter sind als nur die Sprache - ich kann nur hoffen sie meinten das so ironisch wie es sich liest...

Aufklaerungskampagne zum Thema 'Schwein'

Lieber Tiroler,

es ist ein Problem, die 1,2 Milliarden Chinesen mit Fleisch zu versorgen.Sie koennen sich vorstellen, dass die Massentierhaltung dabei unumgaenglich ist, mit grausamsten Lebensbedingungen fuer die betroffenen Tiere. Eine Video-Uebertragung von Zucht und Schlachtung der mit uns eng verwandten Saeuger im Schlachterladen wuerde wohl dagegen den gleichen Effekt haben, wie die PETA-Kampagne auf den Pelzhandel hatte: Wir wuerden Millionen neuer Vegetarier gewinnen, und die verbliebenen Schweine koennten dann organisch und unter artgerechten Bedingungen grossgezogen werden.

Schweine sind liebe, kluge Tiere, die sich prinzipiell eher als Haustier anboeten als zum Verzehr.

Bei mir jedenfalls kommt kein Fleisch aus Massentierhaltung mehr auf den Tisch. Lieber esse ich Gemuese.