ArtenschutzDer Handel mit Eisbärfellen wird nicht eingeschränkt

Das kostbare Fell des Eisbären bleibt eine international legal gehandelte Trophäe. Die Durchsetzung eines Handelsverbots ist auf der Cites-Konferenz gescheitert.

A polar bear shakes his body to remove water at the St. Felicien Wildlife Zoo in St. Felicien, March 5, 2009. According to Environment Canada, Canada is home to approximately 15,000 of the estimated 20,000-25,000 polar bears worldwide. The species is also listed as a special concern by the Committee on the Status of Endangered Wildlife in Canada while last year, the U.S. listed the polar bear as threatened under the U.S. Endangered Species Act because their sea ice habitat is melting down. REUTERS/Mathieu Belanger (CANADA) - RTXCENM

A polar bear shakes his body to remove water at the St. Felicien Wildlife Zoo in St. Felicien, March 5, 2009. According to Environment Canada, Canada is home to approximately 15,000 of the estimated 20,000-25,000 polar bears worldwide. The species is also listed as a special concern by the Committee on the Status of Endangered Wildlife in Canada while last year, the U.S. listed the polar bear as threatened under the U.S. Endangered Species Act because their sea ice habitat is melting down. REUTERS/Mathieu Belanger (CANADA) - RTXCENM  |  © Mathieu Belanger/Reuters

Auf der Cites-Artenschutzkonferenz in Bangkok ist erfolglos über ein generelles Handelsverbot für Eisbär-Produkte verhandelt worden. Nur 38 Länder stimmten für das Verbot, 42 dagegen, 46 Länder enthielten sich, darunter auch die EU-Länder. Denn die hatten sich zuletzt nur auf einen Kompromiss einigen können. Nötig wäre eine Zweidrittelmehrheit gewesen. Bereits auf der letzten Artenschutzkonferenz in Doha im Jahr 2010 war die Durchsetzung des Handelsverbots gescheitert.

"Die Welt hat es nicht geschafft, sich für den Schutz der Eisbärpopulationen einzusetzen", klagte Jeff Flocken von der Tierschutzorganisation IFAW. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife machte die europäischen Länder, die an der Konferenz teilnahmen, für das Scheitern des Verbots verantwortlich. "Die EU zeigte sich hier erneut undiplomatisch, zerstritten und beschlussunfähig", sagte eine Sprecherin.

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Deutschland scheiterte auch mit dem Alternativvorschlag, mindestens die Überwachung der Eisbärpopulationen zu verbessern. Die erforderliche Mehrheit dafür kam ebenfalls nicht zustande.

Eisbären leben in Kanada, den USA, Russland, Norwegen und Grönland. Ihre Zahl wird auf etwa 25.000 geschätzt. Wobei nicht genau zu beziffern ist, wie viele Eisbären es noch gibt – die Informationen dazu sind spärlich und nur wenige Populationen genauer erforscht.

Das Eisbärgebiet rund um den Nordpol umfasst Teile der USA, Kanada, Russland, Dänemark (Grönland) und Norwegen. Als einziges Land erlaubt Kanada Jagd und Handel noch zu kommerziellen Zwecken, sprich Felle und Schädel dürfen auch ins Ausland verkauft werden und Touristen erhalten Lizenzen zur Trophäenjagd. Mehr als 600 Eisbären wurden dort im vergangen Jahr legal gejagt.

Im Schnitt sollen es jährlich 800 sein, einige davon zum Eigenbedarf der in den Regionen ansässigen Bevölkerungen, wobei die Inuit traditionell nicht vom Eisbär leben. Das Fleisch wird nicht verwertet, lediglich das Fell. 400 bis 500 Eisbären landeten auf dem internationalen Handelsmarkt. Abnehmer gibt es dafür in aller Welt.

© ZEIT ONLINE

Pro Wildlife: "Schwarzer Tag für den Artenschutz"

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisierte: "Die Hauptgefahr für den Eisbären ist der Klimawandel, aber die zusätzliche Bedrohung durch den internationalen Fellhandel hätte man heute ausschalten müssen", sagte Sprecherin Sandra Altherr. Das Ergebnis der Konferenz sei ein "schwarzer Tag für den Artenschutz".

Der Fellhandel sei zwar mit 20.000 Euro Verkaufswert pro Stück ein "einträgliches Geschäft für die Händler", aber für die Eisbären würde es eng werden, sagte Altherr.

 Wissenschaftler haben errechnet, dass die Eisbärbestände bis 2050 allein aufgrund des zurückgehenden Meereises im Zuge des Klimawandels um zwei Drittel zurückgehen könnten. Allerdings ist diese Prognose unter Experten umstritten.

Führende Eisbärforscher hatten den Antrag der USA nicht unterstützt. Viele halten die Datenlage für nicht ausreichend. Als Hauptargument nennen sie aber, dass der Klimawandel die größte Gefahr für den Eisbären sei, nicht die Jagd auf wenige hundert Tiere. Man müsse dort ansetzen. Handelsverbote wären der falsche Hebel.

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Leserkommentare
  1. wie zu Zeiten Hermann Melvilles. Wir töten die Tiere nicht nur direkt, sondern noch viel effektiver durch die Zerstörung der natürlichen Grundlagen. Aber wir sehen uns als modernen Menschen an. Mit einem Smartphone herumzulaufen ist noch nicht modern. Traurig.

    2 Leserempfehlungen
  2. Dass sich die Zahl der Eisbären verfünffacht hat, ist ein häufig erzähltes Märchen.
    Unabhängig davon spielt die Jagd für die Population keine Rolle. Wenn jährlich ca. 3% der erfassten Bestände erlegt werden, ist das für den Bestand unerheblich. Dass "Pro Wildlife" sich damit überhaupt befasst, hat rein ideologische Gründe.

    Andere Faktoren (Überfischung, Klimawandel, Ölförderung etc.) sind eine andere Geschichte...

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    • sneug
    • 07. März 2013 12:04 Uhr

    das fabelhafte daran ist, dass wahrscheinlich die wenigsten eisbären aus wirklich gutem grund (z.b. fell als kleidung für inuit) in nachhaltiger weise gejagt werden, sondern die meisten davon als trophäen irgendeines großwildjägers enden ...keine worte mehr!

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    Ja, sehe ich auch so. Großwildjäger sehen das erlegte Tier als Trophäe an. Ohne dass sie je Gefahr laufen, selbst als Trophäe zu enden. Aufgrund der Flinte eben ein höchst ungleiches Spiel.

    Aber wer hätte denn schon den Mumm, solcherart bewaffnet mit einem Eisbären zu kämpfen, dass die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs, wer denn als Trophäe endet, bei 50:50 läge?

    ich bezweifle, das die meisten Eisbären als solche Trophäe enden. Die meisten werden wohl als Selbstschutz und Gefahrenabwehr getötet.

    Wenn man sich in Spitzbergen *auf Tour* begibt, bekommt man Gewehr und 5 Patronen.
    Allein als Schutz vor Eisbären, so es denn doch zu unverhoffter Begegnung kommt.

    Rumballern ist allerdings nicht. Da wird nachgehakt... Wo, wieso, warum, Zeugen...

    ... schwankt der Turm des ökologistischen Geschwafels!

    Die bis dahin übliche Jagd auf Eisbären wurde 1973 durch eine internationale Konvention verboten. Danach stiegen die Bestände stark an, und zwar so stark, daß die durch ihre Zahl inzwischen um relativ knappere Nahrung konkurrierenden Bären immer häufiger in der Nähe menschlicher Ansiedlungen auftauchen und die Bewohner gefährden. DAS ist der Grund, weshalb man in bestimmten Gebieten die Bejagung eingeschränkt wieder aufgenommen hat.

  3. daran erkennt man mal wie verschoben das Machtverhältnis auf dieser Welt ist. Da sind definitiv die falschen Leute in der Position solche weitreichenden Entscheidungen zu treffen. Warum gibt es überhaupt ein Recht Tiere zu jagen?

    Vorallem Tiere zu jagen um damit Profit zu machen...
    Warum steht einem Menschen das Recht zu, zu sagen, dieses gejagte frei lebende Tier gehört mir?

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    • tobmat
    • 07. März 2013 15:18 Uhr

    "Warum steht einem Menschen das Recht zu, zu sagen, dieses gejagte frei lebende Tier gehört mir?"

    Weil er ein Mensch.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

  4. Ja, sehe ich auch so. Großwildjäger sehen das erlegte Tier als Trophäe an. Ohne dass sie je Gefahr laufen, selbst als Trophäe zu enden. Aufgrund der Flinte eben ein höchst ungleiches Spiel.

    Aber wer hätte denn schon den Mumm, solcherart bewaffnet mit einem Eisbären zu kämpfen, dass die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs, wer denn als Trophäe endet, bei 50:50 läge?

    2 Leserempfehlungen
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    • tobmat
    • 07. März 2013 15:20 Uhr

    "Aber wer hätte denn schon den Mumm, solcherart bewaffnet mit einem Eisbären zu kämpfen, dass die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs, wer denn als Trophäe endet, bei 50:50 läge?"

    Davon haben sich Jäger noch nie abhalten lassen. Schon in der Steinzeit hat man Bären, auch eisbären, gejagt.

  5. wir reden hier von 3%.

    Ich will gar nicht wissen, wieviel % einen unnatürlichen Tod erleiden und wer oder was daran Schuld ist.

    Aber der Vorschlag Jäger gegen Bär mit Messer oder ähnlichem hört sich gut an.

  6. ..ich kotzen möchte!
    Wenn du es nicht essen mußt dann töte es nicht! Das ist Egow...... und sonst nichts! Wir sind so was von erbärmlich.
    Nimm einen selbergemachten Speer und dann zu Fuß dem Eisbär hinterher, wer es dann packt das Tier zu töten gut wer nicht besser..

    Egal wieviel Eisbären es gibt, aus dem Hinterhalt ein solches Tier zu töten mit einer Hightech Waffe ist feige!

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    • tobmat
    • 07. März 2013 15:22 Uhr

    "aus dem Hinterhalt ein solches Tier zu töten mit einer Hightech Waffe ist feige!"

    Und? wo steht geschrieben das Mut eine Vorraussetzung ist?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Europäische Union | Artenschutz | Fleisch | Inuit | Jagd | Kanada
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