NaturwunderAfrikas Feenkreise sind das Werk von Unterirdischen

Abertausende kahle Kreise durchbrechen das afrikanische Grasland. Ein Hamburger Biologe will die Erbauer des Naturwunders aufgespürt haben – im Erdreich. von Angela Grosse

Wie mit einem Zirkel gezogen stechen die kahlen Sandkreise aus der Steppe hervor. Zehntausende roter Punkte auf einem rötlichen oder ockerfarbenen Untergrund – auf Satellitenaufnahmen sind sie gut zu sehen. Die Feenkreise finden sich vor allem im Grasland von Namibia, erstrecken sich aber auch in den Norden Südafrikas und bis in die Mitte Angolas. Immer parallel zur Küste, in einem schmalen Streifen bis zu 160 Kilometer landeinwärts. Um die markanten Landstrukturen ranken sich mindestens so viele Spekulationen und Mythen wie um die Kornkreise in Europa.

Rund um die vegetationslosen kreisrunden Stellen sprießt ein Ring aus dichtem, hohem Gras, ein Anziehungspunkt für viele Lebewesen in der Wüste. Doch woher kommen diese Kreise? Ihre Erbauer sind fünf bis sieben Millimeter lang und schwimmen im Sand. Davon ist der Biologe Norbert Jürgens vom Biozentrum Klein Flottbek an der Universität Hamburg überzeugt. Im Magazin Science schildert Jürgens nun, wer die kargen Naturwunder in die Landschaft zeichnet: Sandtermiten.

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Seit mehr als drei Jahrzehnten erforscht Jürgens die Pflanzenwelt im Südlichen Afrika. Er leitet Projekte zur nachhaltigen Landnutzung wie Biota Africa mit dem Ziel, die Artenvielfalt des Kontinents zu bewahren. Doch 1980 stieß er im Richtersveld im Norden Südafrikas das erste Mal auf Feenkreise. Die Ringe im Sand sollten den Biologen nicht mehr loslassen. Nebenher und im Alleingang machte er sich auf die Suche nach ihren Urhebern. An Feen, die beim Tanzen runde kahle Stellen hinterlassen, glaubte der Forscher nicht. Vor allem in den vergangenen sechs Jahren ging er mit Karten, Spaten und Bestimmungsbüchern den Kreisen auf den Grund. Zuvor spekulierten Forscher bereits, ob Ameisen oder aufsteigende Gase das Phänomen auslösen.

Feenkreise entstehen offenbar vor allem dort, wo jedes Jahr nur rund 100 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter fallen. Über eine Distanz von 2.000 Kilometern untersuchte Jürgens jede Landschaft mit Feenkreisen. Er vermaß sie und stellte fest, dass ihre Durchmesser zwischen einem Meter im Norden von Südafrika und bis zu 50 Metern in Angola schwanken. Akribisch dokumentierte der Biologe tagelang Tierspuren nahe den runden Strukturen, beschrieb dort wachsende Pflanzen, beobachtete die Tiere, die sich am und im Feenkreis blicken ließen. Mit einem Spaten hob er in vielen Kreisen einen eineinhalb Meter tiefen Graben aus – immer von der Mitte bis etwas über den Grasrand hinaus. Dann bestimmte er die Sandbeschaffenheit, die Feuchte und Temperatur des Bodens.

Experten im unterirdischen Wasserfallenbau

Jürgens erstellte lange Listen mit den Namen von Pflanzen und Tieren. Am Ende war er gleich mehrfach überrascht. "Es gibt bis zu hundert Mal mehr Leben in Feenkreisen als in der umgebenden Region", sagt Jürgens. Ein Lebewesen tummelte sich zudem in allen Feenkreisen, die Jürgens untersuchte. Der Biologe ist überzeugt: "Die Kreise werden von der Sandtermite Psammotermes angelegt."

Die Insekten seien die einzige Art, die schon in den frühesten Entstehungsphasen der Kreise in der Gegend vorkommen – noch ehe die Kreise von hohem Gras umgeben sind. "Die Sandtermiten sind bislang übersehen worden, weil sie keine oberirdischen Nester bauen und keine stabilen und auffälligen Gänge brauchen, um sich fortzubewegen", sagt Jürgens. Vielmehr würden die Insekten nahezu im Sand schwimmen.

Die Termiten zerstören Gräser nahe ihren Nestern, indem sie deren Wurzeln verzehren. Schließlich fehlt die Vegetation, die sonst Regenwasser aufnehmen und wieder an die Luft abgeben könnte. Das Wasser versickert im Sandboden, wo es kaum noch verdunsten kann. "In 60 bis 90 Zentimetern Tiefe ist der Boden so nass, als wäre in einem Sandkasten ein Regenschauer niedergegangen", sagt Jürgens. Das Wasser versorgt die Termiten und speist die Gräser an der Oberfläche, die die Termiten verschont haben. Sie bilden letztlich die Kreisstrukturen, die aus der Ferne betrachtet das Grasland sprenkeln.

"Die Sandtermiten zeigen, wie man mit äußerst knappen Ressourcen gut leben kann", sagt Jürgens. "Auch in puncto strategische Ressourcennutzung wendet die Natur sehr viele kreative Strategien an." Die Sandtermiten lassen den Grassaum über ihnen etwa solange stehen, bis sie zu verhungern drohen. So sichern sich die Experten im unterirdischen Wasserfallenbau ihr Überleben während der Trockenzeit. Mit selbst gebauten Oasen.

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Leserkommentare
    • mugu1
    • 28. März 2013 19:37 Uhr

    Ist Herr Jürgens eigentlich mal auf die Idee gekommen, die Einheimischen zu fragen? Ich meine die Einheimischen, die nicht den Feenglauben nachhängen? Möglicherweise hätte er sich einige Jährchen - um nicht zu sagen: so mehr als 2 Jahrzehnte - Studium erspart.

    5 Leserempfehlungen
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    • Varech
    • 28. März 2013 20:30 Uhr

    Durch Fragen kann man nicht Studium ersparen. Studium hilft, vernünftig zu fragen, und vielleicht hat Herr Jürgens ja auch gefragt.

    • Uxmal
    • 28. März 2013 23:24 Uhr

    Norbert Jürgens hat gefragt und zwar konnte man das in einer sehr empfehlenswerten Doku sehen, die Herbst 2012 auf Arte lief. Und die Doku endete bereits mit seiner aktuellen Schlussfolgerung (Termiten). Ich wundere mich nur, dass es erst jetzt in den Zeitungen steht....

  1. Um in der Trockenheit überleben zu können, könnte das Gras auch schlicht ein kreisförmiges Wachstumsmuster entwickelt haben, um sich z.B. vor Erosion zu schützen. Ein Kreis ist dazu die effizienteste Form - egal aus welcher Richtung der Wind kommt, die Pflanze schützt sich aus jedem Winkel selbst. Nebenbei entsteht insbesondere im abgeschirmten Inneren des Kreises eine kleine Oase für andere Lebewesen...

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    • Varech
    • 28. März 2013 20:43 Uhr

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    • Varech
    • 29. März 2013 12:06 Uhr

    Ihre Vermutungen sind wissenschaftlich natürlich völlig unhaltbar. Ich neige immer noch dazu, sie für eine Parodie zu halten, verkneife es mir jetzt aber in ebensolcher Weise zu antworten. Die Ratschlüsse der Redaktion sind unergründlich.

    • Varech
    • 28. März 2013 20:30 Uhr

    Durch Fragen kann man nicht Studium ersparen. Studium hilft, vernünftig zu fragen, und vielleicht hat Herr Jürgens ja auch gefragt.

    Antwort auf "Eine Frage"
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    • mugu1
    • 29. März 2013 11:11 Uhr

    ...meine Schwägerin (sie stammt aus einer der genannten Regionen) gleich sagte, dass es "termites" seien, die dafür verantwortlich sind. (Und sie hat garantiert nicht den Artikel gelesen, da sie kein Deutsch kann).

    • Varech
    • 28. März 2013 20:32 Uhr

    In der 4. Zeile von unten, sollte es da nicht Grassaum statt Grasraum heissen?

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    Redaktion

    Danke für den Hinweis. Sie haben Recht. Wir haben aus Grasraum nun richtigerweise Grassaum gemacht.

    • Varech
    • 28. März 2013 20:43 Uhr
    5. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Antwort auf "Erosionsschutz"
    • ghhs
    • 28. März 2013 21:02 Uhr

    Gelegentlich lese ich einen fachfremden, populärwissenschaftlichen Artikel, der mich wirklich überrascht, und das ist einer davon.

    Die Feenkreise allein und ihre offensichtliche Vielfalt sind ein faszinierendes Phänomen. Dass die Erklärung darin liegt, dass sich Termiten den Lebensraum auf so denkbar einfache Weise anpassen und damit ihr Überleben sichern, übertrifft dies aber noch. Mein Respekt für Norbert Jürgens Arbeit!

    Eine Leserempfehlung
  2. Und ich dachte bisher immer, es seien Ameisen gewesen, die tanzten.

    Geflügelte Termiten sehen allerdings Feen nicht unähnlich, haben allerdings zwei Zauberstäbe.

    Am interessantesten ist allerdings ist immer och die Art, die Pilze zur Ernährung züchtet und ihre Bauten klimatisiert.

  3. Jeder zirkelt anders.

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ameise | Artenvielfalt | Pflanze | Südafrika | Universität Hamburg | Angola
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