MausmakisNeu entdeckte Primaten landen sofort auf roter Liste

Kaum beschrieben, gehören zwei neue Lemurenarten schon zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Säugetieren der Welt. Ihre Heimat haben sie einzig auf Madagaskar. von 

"Microcebus marohita", eine bislang unbekannte Lemurenart, sitzt  in einem Wald auf Madagaskar.

"Microcebus marohita", eine bislang unbekannte Lemurenart, sitzt in einem Wald auf Madagaskar.  |  © Deutsches Primatenzentrum

Kennen Sie König Julien XIII. von Madagaskar? Der exzentrische Herrscher mit der Blätterkrone führt ein recht chaotisches Regiment auf der Insel. Am liebsten schikaniert er Mort. Der knopfäugige Untertan hat keine besondere Begabung, ist aber süß und nah am Wasser gebaut. Julien und Mort sind Lemuren und die heimlichen Stars der Animationsfilmreihe Madagascar, die Millionen Kinobesucher schon zum Lachen brachten.

Wäre Mort real, würde er zur den Mausmakis zählen, die einzig und allein auf Madagaskar vorkommen. Dort, auf dem zweitgrößten Inselstaat der Welt haben Forscher nun zwei neue Mausmaki-Arten erstmals beschrieben. Microcebus tanosi und Microcebus marohita wurden die neuen Arten getauft, von Forschern des Deutschen Primatenzentrums, des Duke Lemur Centers, der US-Uni von Kentucky und der madagassischen Université d'Antananarivo. Die kleinen Primaten waren Wissenschaftlern bereits 2003 und 2007 während ihrer Feldforschungen begegnet. Insgesamt gibt es auf Madagaskar nun 20 Mausmaki-Arten, berichten die Wissenschaftler im International Journal of Primatology. Auch der kleinste Primat der Welt ist ein Mausmaki.

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Die beiden Tiere sind größer als andere bekannte Mausmakis, deren Körperlänge im Durchschnitt rund 15 Zentimeter misst – ohne Schwanz. Microcebus tanosi, dessen Name sich aus der Region Anosy im Südosten der Insel ableitet, hat einen auffällig roten Kopf. Auf dem Rücken trägt sein Fell eine dunkelbraune Musterung, die von einem dunklen Streifen in der Mitte durchzogen ist. Sein Fell am Bauch ist beige und grau gefärbt.

Microcebus marohita ist tatsächlich der größte aller bekannten Mausmakis. Der Lemur hat einen langen buschigen Schwanz und bewegt sich auf großen Hinterfüßen fort. Sein braunes Fell sticht weniger hervor als seine besonders kleinen Ohren. Sein Name stammt übrigens vom Wald, in dem ihn die Forscher aufspürten. "Marohita" ist madagassisch und bedeutet in etwa "viele Blicke".

DNA-Analysen weisen auf weitere unbekannte Arten hin

Spätestens seit 2010 ist Forschern klar, dass es mehr Mausmaki-Arten geben muss, als in den Lehrbüchern beschrieben. In Gewebeproben der Tiere untersuchten Biologen die Erbgutspuren der mütterlichen DNA und die von Zellkernen. Anhand der Analyse entdeckten die Forscher Hinweise auf weitere Arten. Ein Vergleich von DNA-Proben zeigte nun, dass mit Microcebus tanosi und M. marohita zwei dieser ehemaligen Phantomarten tatsächlich existieren.

Noch ehe sie beschrieben worden waren, empfahl Peter Kappeler vom Deutschen Primatenzentrum, dass beide Mausmaki-Arten auf die Liste der bedrohten Tierarten gesetzt werden. Ihr Lebensraum, der Marohita-Wald, ist in großen Teilen bereits zerstört. Viel seiner Fläche wurde gerodet. Microcebus tanosi und M. marohita gehören wohl zu den 100 am stärksten gefährdeten Tierarten der Welt. Die rote Liste bedrohter Tierarten wird von der Weltnaturschutzunion IUCN erstellt.

Die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist schon seit Jahrzehnten durch den Menschen bedroht. Edles Tropenholz wird hier illegal abgetragen, verkauft und verschifft. Zahlreiche Pflanzen landen in Hausapotheken. Und Lemuren mitunter im Kochtopf. Die ohnehin seltenen Tiere gelten als Delikatesse. Ein Teller mit ihrem Fleisch ist oft für wenige Euro zu bekommen.

Generell gelten Madagaskars Lemuren als die am stärksten vom Aussterben bedrohten Säugetiere. Da hilft auch ihr berühmter Trickfilm-König Julien XIII. wenig. Außer vielleicht, um etwas Aufmerksamkeit auf die gefährdeten Primaten zu lenken.

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Leserkommentare
  1. Ich würde es eher so sehen:

    Wären die Tierchen nicht von der Wissenschaft entdeckt worden, wären sie binnen Kurzem von der Erde verschwunden, ohne das man je von ihnen gehört hätte. Den Platz auf der Roten Liste haben sie theoretisch, seitdem ihr Lebensraum von Menschen zerstört wird, nicht erst, seitdem sie wissenschaftlich beschrieben wurden.

    Aber erst was man kennt, kann man (versuchen zu) schützen.

    Daher mehr Feldforschung! Mehr Umweltschutz!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte DNA | DNA-Analyse | Säugetier | Kentucky
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