Meteorologie: Drei Gründe, warum wir im März noch Winterwetter haben
Die Nordatlantische Oszillation auf Negativkurs, ein gestörter Jetstream und russische Kaltluft: Der Meteorologe Lars Kirchhübel erklärt den Wintereinbruch im März.
© Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Eine Frau spaziert im März 2013 durchs verschneite Berlin.
Frage: Herr Kirchhübel, offiziell hat der Frühling angefangen. Trotzdem droht zum Wochenende noch ein Vorstoß sibirischer Kaltluft nach Westen. Was ist los?
Lars Kirchhübel: Das ist richtig. Wir beobachten diesen Winter ein sehr ausgeprägtes Hochdruckgebiet über Skandinavien. Dieses dreht sich im Uhrzeigersinn, zapft dadurch immer wieder das starke Kaltluftreservoir in Sibirien an und leitet diese Luftmassen über die Ostsee nach Mitteleuropa – so auch wieder bis zum Ende dieser Woche.
Frage: Gibt es Gründe, warum das Hochdruckgebiet über Nordeuropa diesen Winter so hartnäckig ist?
Kirchhübel: Es gibt Mechanismen, die zumindest die Entstehung begünstigen. Darunter fällt der Zustand der Nordatlantischen Oszillation – abgekürzt NAO –, die die Druckgegensätze zwischen Islandtief und Azorenhoch beschreibt. Sie hat verschiedene Phasen: Herrscht ein starker Luftdruckgegensatz zwischen beiden Regionen, spricht man von einem positiven Index, fällt er hingegen flach aus, von einem negativen.
Frage: Was bedeutet das für unser Wetter?

ist promovierter Meteorologe in der Vorhersage und Warnzentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Er studierte Geophysik und Meteorologie an der Universität zu Köln.
Kirchhübel: Bei einem positiven NAO-Index führt eine starke westliche Strömung über dem Atlantik bis nach Mitteleuropa sehr milde und feuchte Luftmassen heran. Das war zum Beispiel während der neunziger Jahre der Fall, einer Periode, aus der vielen Menschen noch starke Winterstürme bekannt sind. Bei einem negativen NAO-Index fallen das Azorenhoch sowie das Islandtief eher schwach aus. Entsprechend abgeschwächt ist dann auch die Westwindströmung. Dadurch kann sich entweder das Russlandhoch weit nach Westen oder das Grönlandhoch über Island hinweg nach Süden ausdehnen, und wir erhalten ein Blockade: Das Hoch bremst die Tiefs aus dem Atlantik; diese weichen nach Süden aus und ziehen oft über Spanien in den Mittelmeerraum. Dort regnet es dann stärker, während Mittel- und Osteuropa arktische oder sibirische Kaltluftmassen anzapfen: Es friert, und wir müssen mit Schnee rechnen. Das war diesen Winter sehr häufig der Fall.
Frage: Warum verharrt die NAO seit Wochen in einem negativen Zustand?
Kirchhübel: Ganz allgemein wird das Wetter auf der Nordhalbkugel durch die Rossby-Wellen bestimmt. Eine in den Jetstream eingelagerte Störung bildet den Anfangspunkt einer Wellenbildung. Wir haben im Norden eine Grundstruktur aus vier bis acht großen Wellen, die sich meistens langsam von West nach Ost verlagern. Je nachdem, wie ausgeprägt sie sind, haben wir in der Höhe einen Trog – ein Höhentief – oder einen Rücken, also ein Höhenhoch. Das ist das Grundmuster. Manchmal bleiben diese aber auch stehen; wir erhalten stationäre Rossby-Wellen, und diese bescheren uns lang andauernde Wetterbedingungen. Das war eines der Phänomene in diesem Winter.
Frage: Existieren noch andere großräumige Einflussfaktoren?
Kirchhübel: Ja, in Skandinavien und Nordosteuropa hat sich ein sehr großer Pool an kalter Luft entwickelt, der bis nach Sibirien reicht und sich sehr hartnäckig erhält. Nicht ohne Grund sprach man in Russland von einem der strengsten Winter seit Langem. Normalerweise wird dieses Kaltluftreservoir mit steigendem Sonnenstand und damit erhöhter Wärmezufuhr abgebaut, doch verläuft dies bislang noch zögerlich. Und solange dieser Speicher gut gefüllt ist, können je nach Wetterlage weiterhin Kaltluftpakete Richtung Deutschland driften.







Mich würden mal die vermutlich nicht messbaren Auswirkungen der wetterlage der letzten monate auf die stimmung und psychen im lande interessieren. Vom Gefühl her drehen gerade alle irgendwie "am rad"...
.. .ist negativ in Mitleidenschaft gezogen. Bekannte sind nicht mehr gut drauf, kaum ansprechbar. Aggressivere Charaktere sind reizbarer. Dazu wandert auch noch eine grippale Infektionswelle durch`s Volk. Ich war eine Woche K.O., zum Glück während ich Überstunden abbaute und frei hatte. Andere die ich kenne , in kleinen Betrieben ohne aktiven Betriebsrat u.a., werden bei Krankheit massiv unter Druck gesetzt, bis hin zur Kündigung. Geht ja auch ganz leicht, entweder sind die Verträge für Jobs ohne besondere Kenntnisse so gestaltet oder der Cheffe macht es anders. Beobachte ich so das Ganze, frage ich mich, wie wäre es um die Psyche und das daraus resultierende Verhalten bestellt, wenn mal wirklich eine Katastrophe unsere Lebensbedingungen verschlechtert, auf Jahre meinetwegen.
.. .ist negativ in Mitleidenschaft gezogen. Bekannte sind nicht mehr gut drauf, kaum ansprechbar. Aggressivere Charaktere sind reizbarer. Dazu wandert auch noch eine grippale Infektionswelle durch`s Volk. Ich war eine Woche K.O., zum Glück während ich Überstunden abbaute und frei hatte. Andere die ich kenne , in kleinen Betrieben ohne aktiven Betriebsrat u.a., werden bei Krankheit massiv unter Druck gesetzt, bis hin zur Kündigung. Geht ja auch ganz leicht, entweder sind die Verträge für Jobs ohne besondere Kenntnisse so gestaltet oder der Cheffe macht es anders. Beobachte ich so das Ganze, frage ich mich, wie wäre es um die Psyche und das daraus resultierende Verhalten bestellt, wenn mal wirklich eine Katastrophe unsere Lebensbedingungen verschlechtert, auf Jahre meinetwegen.
Für ein sehr schönes Interview welches die Grundlagen des Wetters nahebringt kwt
... allerdings macht es die Lage auch nicht besser *sonnewill*
ich würde mir wünschen, dass sich Wirtschaftsprognosen in Sachen Seriösität ein Beispiel an den Meteorologen nehmen würden.
Vom Wettermann wird eine zuverlässige Prognose für die kommenden 3 Tage erwartet, die gibt er.
Gleichzeitig gibt es die längerfristige Prognose mit den Phasen "Frühling" (=zunehmende Wärme) , "Sommer" (=warm), "Herbst"(=abnehmende Wärme) und Winter (=kalt), deren Ausprägung kurzfristig je nach Lage etwas variiert werden und als genereller Handlungsrahmen akzeptiert werden, exaktere Informationen werden nicht erwartet (siehe die 3 Tage Prognose).
Die beiden Prognosemethoden und ihre Zuverlässigkeit (=statistische Signifikanz") sind allseits be- und anerkannt.
Genau das kann die Wirtschaftsprognostik auch, nur wird da eben mehr erwartet. Wer dem nachgibt und daneben liegt wird dann als Scharlatan abgeohrfeigt. Deshalb weigern sich die meisten Ökonomen das zu tun.
Wer sich wiederum weigert eine exaktere Prognosen zu geben, der wird als ahnungsloser Idiot abgetan, der nichts Zustande bringt.
Wirtschaftswissenschaftler könnten sich schon die Mühe machen ihrem Fach (wieder) einen seriösen Anstrich zu verpassen.
Wenn ein Meteorologe gebeten wird Prognosen zu geben, die er wissenschaftlich nicht fundieren kann, dann gibt er auch keine Prognose ab. Dann verweist er auf die Ungenauigkeiten (wie hier im Interview auch geschehen). Er bzw sie ist sich seiner/ihrer Verantwortlichkeit bewusst und übt sie aus.
Zugegebenermaßen ist sie politisch selten sehr bedeutsam. Beim Thema Klimaveränderung (~erwärmung) ist das für mich schon undurchsichtiger.
Wie auch immer: Die Experten sind diejenigen, die eine falsche Auffassung gerade rücken können. Nicht diejenigen, die nachfragen.
Und trotzdem werden Jahresprognosen über den Wirtschaftswachstum abgegeben. Auch unter politischem Druck sollten Wissenschaftler der Wissenschaft treu bleiben können.
Die Wirtschaftswissenschafter hinterlassen in der Öffentlichkeit dabei leider kein so gutes Bild. In Vorlesungssälen ist das allerdings anders. Um so schlimmer, dass diese Professoren nicht die Verantwortung annehmen und an die Öffentlichkeit treten, sondern Scharlatanen das Feld überlassen.
Vom Wettermann wird eine zuverlässige Prognose für die kommenden 3 Tage erwartet, die gibt er.
Gleichzeitig gibt es die längerfristige Prognose mit den Phasen "Frühling" (=zunehmende Wärme) , "Sommer" (=warm), "Herbst"(=abnehmende Wärme) und Winter (=kalt), deren Ausprägung kurzfristig je nach Lage etwas variiert werden und als genereller Handlungsrahmen akzeptiert werden, exaktere Informationen werden nicht erwartet (siehe die 3 Tage Prognose).
Die beiden Prognosemethoden und ihre Zuverlässigkeit (=statistische Signifikanz") sind allseits be- und anerkannt.
Genau das kann die Wirtschaftsprognostik auch, nur wird da eben mehr erwartet. Wer dem nachgibt und daneben liegt wird dann als Scharlatan abgeohrfeigt. Deshalb weigern sich die meisten Ökonomen das zu tun.
Wer sich wiederum weigert eine exaktere Prognosen zu geben, der wird als ahnungsloser Idiot abgetan, der nichts Zustande bringt.
Wirtschaftswissenschaftler könnten sich schon die Mühe machen ihrem Fach (wieder) einen seriösen Anstrich zu verpassen.
Wenn ein Meteorologe gebeten wird Prognosen zu geben, die er wissenschaftlich nicht fundieren kann, dann gibt er auch keine Prognose ab. Dann verweist er auf die Ungenauigkeiten (wie hier im Interview auch geschehen). Er bzw sie ist sich seiner/ihrer Verantwortlichkeit bewusst und übt sie aus.
Zugegebenermaßen ist sie politisch selten sehr bedeutsam. Beim Thema Klimaveränderung (~erwärmung) ist das für mich schon undurchsichtiger.
Wie auch immer: Die Experten sind diejenigen, die eine falsche Auffassung gerade rücken können. Nicht diejenigen, die nachfragen.
Und trotzdem werden Jahresprognosen über den Wirtschaftswachstum abgegeben. Auch unter politischem Druck sollten Wissenschaftler der Wissenschaft treu bleiben können.
Die Wirtschaftswissenschafter hinterlassen in der Öffentlichkeit dabei leider kein so gutes Bild. In Vorlesungssälen ist das allerdings anders. Um so schlimmer, dass diese Professoren nicht die Verantwortung annehmen und an die Öffentlichkeit treten, sondern Scharlatanen das Feld überlassen.
März war doch immer schon der Monat, in dem es "noch schneien" kann, auch wenn man sich natürlich allmählich den Frühling wünscht. Aber es gab immer schon auch eisige, gar verschneite Ostern (vermutlich genauso oft wie Weiße Weihnacht). Mich beunruhigten eher die heißen Frühlingstemperaturen, die wir vor drei, vier Jahren auch schon mal hatten, Anfang April dreißig Grad u.ä.
.. .ist negativ in Mitleidenschaft gezogen. Bekannte sind nicht mehr gut drauf, kaum ansprechbar. Aggressivere Charaktere sind reizbarer. Dazu wandert auch noch eine grippale Infektionswelle durch`s Volk. Ich war eine Woche K.O., zum Glück während ich Überstunden abbaute und frei hatte. Andere die ich kenne , in kleinen Betrieben ohne aktiven Betriebsrat u.a., werden bei Krankheit massiv unter Druck gesetzt, bis hin zur Kündigung. Geht ja auch ganz leicht, entweder sind die Verträge für Jobs ohne besondere Kenntnisse so gestaltet oder der Cheffe macht es anders. Beobachte ich so das Ganze, frage ich mich, wie wäre es um die Psyche und das daraus resultierende Verhalten bestellt, wenn mal wirklich eine Katastrophe unsere Lebensbedingungen verschlechtert, auf Jahre meinetwegen.
zumindest nach einer Gewöhnungszeit. In den letzten Jahren waren die Winter jedoch meistens Mitte Februar vorbei. Ich kann mich aus meiner Jugend in den 1980ern zudem nicht erinnern, dass man auf der Alpennordseite Anfang März jemals überhaupt noch Skifahren konnte. Damals wurden viele Liftanlagen geschlossen und etliche Betreiber gaben auf.
Falls es jetzt zu einer Art neuen, kleinen Eiszeit kommen sollte, werden die Menschen damit umgehen lernen. Möglicherweise wie in Nordeuropa schon immer: mit exzessivem Alkoholkonsum und erhöhtem Psychologenbedarf. Wobei das wohl eher mit dem dort allgemein niedrigeren Sonnenstand (Lichtmangel, Vitamin D) zu tun hat, als mit Kälte und Schnee.
Ansonsten danke für das Interview, sehr abwechslungsreich mit klugen Nachfragen. Seriöse Artikel mit Erkenntnisgewinn ist man ja kaum noch gewöhnt in der modernen Presselandschaft.
zumindest nach einer Gewöhnungszeit. In den letzten Jahren waren die Winter jedoch meistens Mitte Februar vorbei. Ich kann mich aus meiner Jugend in den 1980ern zudem nicht erinnern, dass man auf der Alpennordseite Anfang März jemals überhaupt noch Skifahren konnte. Damals wurden viele Liftanlagen geschlossen und etliche Betreiber gaben auf.
Falls es jetzt zu einer Art neuen, kleinen Eiszeit kommen sollte, werden die Menschen damit umgehen lernen. Möglicherweise wie in Nordeuropa schon immer: mit exzessivem Alkoholkonsum und erhöhtem Psychologenbedarf. Wobei das wohl eher mit dem dort allgemein niedrigeren Sonnenstand (Lichtmangel, Vitamin D) zu tun hat, als mit Kälte und Schnee.
Ansonsten danke für das Interview, sehr abwechslungsreich mit klugen Nachfragen. Seriöse Artikel mit Erkenntnisgewinn ist man ja kaum noch gewöhnt in der modernen Presselandschaft.
Ähm, weil der März seit Jahrhunderten ein Wintermonat ist?
Deshalb heißt es ja auch: "Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt. Er setz seine Felder und Wiesen instand. Er pflüget den Boden er egget und sät. und rührt seine Hände ..." Das geht bekanntermaßen ja bei gefrorenem Boden und geschlossener Schneedecke besonders gut. ;-)
Deshalb heißt es ja auch: "Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt. Er setz seine Felder und Wiesen instand. Er pflüget den Boden er egget und sät. und rührt seine Hände ..." Das geht bekanntermaßen ja bei gefrorenem Boden und geschlossener Schneedecke besonders gut. ;-)
zumindest nach einer Gewöhnungszeit. In den letzten Jahren waren die Winter jedoch meistens Mitte Februar vorbei. Ich kann mich aus meiner Jugend in den 1980ern zudem nicht erinnern, dass man auf der Alpennordseite Anfang März jemals überhaupt noch Skifahren konnte. Damals wurden viele Liftanlagen geschlossen und etliche Betreiber gaben auf.
Falls es jetzt zu einer Art neuen, kleinen Eiszeit kommen sollte, werden die Menschen damit umgehen lernen. Möglicherweise wie in Nordeuropa schon immer: mit exzessivem Alkoholkonsum und erhöhtem Psychologenbedarf. Wobei das wohl eher mit dem dort allgemein niedrigeren Sonnenstand (Lichtmangel, Vitamin D) zu tun hat, als mit Kälte und Schnee.
Ansonsten danke für das Interview, sehr abwechslungsreich mit klugen Nachfragen. Seriöse Artikel mit Erkenntnisgewinn ist man ja kaum noch gewöhnt in der modernen Presselandschaft.
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