Serbiens Pannen-Minister darf weiterwursteln. Agrarminister Goran Knežević trage für die Affäre um die mit Schimmelpilzgiften belastete Milch "keine subjektive Verantwortung", erteilte Alexander Vučić, der Chef der regierenden Partei SNS, zu Wochenbeginn dem umstrittenen Würdenträger die vorläufige Absolution: Es wäre "nicht fair", ihn nun auszuwechseln.

Andere hatten weniger Glück: Gleich vier Direktoren und Abteilungsleiter haben als Sündenböcke für den Aflatoxin-Skandal in dem Balkanstaat ihre Posten zu räumen. Der Grund: In Mais aus Serbien war das als krebserregend geltende Gift Aflatoxin aufgetaucht. Fressen Nutztiere damit kontaminiertes Futter, geraten diese Schadstoffe auch in die Milch. Genau das passierte in Serbien, wodurch am Ende belastete Milch in unzähligen Supermärkten in mehreren Staaten Ex-Jugoslawiens auftauchte.

Krisennot macht auch in Belgrad erfinderisch. Per Federstrich hatte Knežević vergangene Woche den überhöhten Aflatoxin-Gehalt in der Milch aus der Welt zu schaffen gesucht. Mit der Anhebung des in der EU gültigen Grenzwertes von 0,05 auf 0,5 Mikrogramm pro Liter erklärte der 55-jährige die Milchkrise kurzerhand für "gelöst". Von seinem Parteichef wurde der frühere Basketballprofi nun wieder zurückgepfiffen. Der Grenzwert werde wieder auf die EU-Norm von 0,05 Mikrogramm abgesenkt, sagte Vučić: "Alle Milch, die die Bürger in den Läden kaufen können, ist absolut gesund."

Die widersprüchlichen Verlautbarungen ihrer Landesväter finden bei den Verbrauchern immer weniger Gehör. Absatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent vermelden Serbiens Molkereien: Laut Schätzungen drohen ihnen Verluste von monatlich 50 Millionen Euro.

Noch größeren Schaden müssen Serbiens Getreidebauern fürchten. Mais ist für den EU-Anwärter ein wichtiger Devisenbringer. Jährlich führt Serbien 1,5 Millionen Tonnen davon aus: Mit einem Jahresexporterlös von 387 Millionen Dollar ist Mais das ertragreichste Agrarprodukt des Landes. Doch der Handel mit serbischem Mais ist praktisch zum Erliegen gekommen. "Der Markt ist tot", berichtet ein Getreidebauer auf dem Fachportal Stips.

45.000 Tonnen von mit Aflatoxinen belastetem Mais serbischen Ursprungs sind in niedersächsische Futtermittelwerke gelangt. Zwar führt Serbien mehr als die Hälfte seiner Agrarexporte in die EU aus. Nach Deutschland sei aber in den vergangenen 14 Monaten überhaupt kein Mais ausgeführt worden, behauptet Belgrad: Der verseuchte Mais, der in Niedersachsen für Wirbel sorgte, stamme aus Rumänien. Der Umweg übers Nachbarland ist indes durchaus üblich: Der Großteil der serbischen Getreide-Exporte wird über die Donau in die Getreidesilos des rumänischen Schwarzmeerhafens Constanta verschifft.

Fatales Krisenmanagement

Vertuschen und Verharmlosen ist in Serbien in Sachen Aflatoxine schon seit Monaten angesagt. Seit im Oktober nach Italien exportierter Futtermais wegen zu hoher Schimmelpilzgift-Belastung zurückgewiesen wurde, übt sich Belgrad in einem Krisenmanagement des Schönredens, absurder Behauptungen und Halbwahrheiten.

Während im benachbarten Kroatien belastete Milch im Februar relativ zügig aus dem Verkehr gezogen wurde, machte sich Serbiens Agrarminister erst einmal auf die Suche nach dem vermeintlich Schuldigen. Seinen Vorgängern kreidete er übertriebenen "Euro-Fanatismus" an: Diese hätten EU-Grenzwerte übernommen, ohne für ein effektives System zu deren Einhaltung zu sorgen.