Genetische Untersuchungen legen nahe, dass in den Ozeanen nur eine einzige Art der Riesenkalmare lebt. Vermutlich treiben die Jungtiere mit den Meeresströmungen um den ganzen Globus.

Ihre Arbeit über das Tintenfisch-Erbgut hat das internationale Forscherteam im Magazin Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht.

Riesenkalmare – oftmals fälschlicherweise als Riesenkraken bezeichnet – haben sich ihrer Erforschung bisher weitgehend entzogen. Erstmals wurde ein Exemplar im Jahre 1857 vom dänischen Biologen Japetus Steenstrup beschrieben. Doch in ihrer natürlichen Umgebung wurden die tief in den Ozeanen lebenden und schwer zu fassenden Tiere erst vor neun Jahren zum ersten Mal beobachtet. Meistens bekommen Wissenschaftler nur tote Exemplare in die Hände, die zum Beispiel an Strände gespült oder in den Mägen von Pottwalen gefunden werden.

Man weiß, dass die Tiere weltweit verbreitet sind. Die Weibchen können bis zu 18 Meter lang werden, die Männchen sind etwas kleiner. Sie fressen Fische und kleinere Kopffüßer und werden als ausgewachsene Tiere selbst von Walen, vor allem von Pottwalen, gejagt. Oft zeugen kreisrunde Narben auf der Walhaut, die von Saugnäpfen der Kalmare stammen, noch von den Kämpfen der beiden gigantischen Tiere.

Vieles über die Biologie und Verbreitung der Riesenkalmare ist jedoch noch unbekannt. Um das zu ändern, untersuchten die Forscher um Inger Winkelmann von der Universität Kopenhagen Proben von 43 Riesenkalmaren, die aus unterschiedlichen Meeren stammten. Das untersuchte Material wurde vor den Küsten Australiens, Spaniens, Floridas, Neuseelands und Japans geborgen. Die Forscher analysierten Erbgut aus den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen.

Ergebnis: Das Erbgut unterschied sich von Tier zu Tier kaum. Eine vollständig befriedigende Erklärung haben die Forscher dafür nicht. Möglicherweise habe sich eine kleinere Ausgangspopulation von Riesenkalmaren vor einigen Zehn- bis Hunderttausend Jahren stark vermehrt. Die geringe Variabilität bestätige die Hypothese, dass es weltweit nur eine einzige Art von Riesenkalmaren gebe: Architeuthis dux.

Erwachsene Kalmare bevölkern die Tiefsee

Die Forscher vermuten, dass die Jungtiere in den oberen Schichten der Ozeane mit Hilfe der Meeresströmungen verbreitet werden. Sie fressen demnach währenddessen Zooplankton und kleinere Tiere. Wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, gelangen die Riesenkalmare in die Tiefe der Meere, wo sie dann ihre Geschlechtsreife erreichen.

Auch nach der Entschlüsselung des Erbguts seien noch zahlreiche Fragen offen, schreibt das Team. Unbekannt ist etwa die Lebenserwartung der Kraken und die Art und Weise, wie sie ihre Beute fangen – Fische, aber auch kleinere Kraken und selbst Artgenossen. Manche Biologen vermuten, dass die Tintenfische träge Tiere sind, die aus dem Hinterhalt angreifen. Andere vermuten dagegen, dass es sich um sehr aktive und starke Jäger handelt. Die Wissenschaftler versprechen sich weitere Klärung von einer Analyse des Erbguts in den Zellkernen.