Klimawandel: So schnell kippt kein Regenwald um
Bald könne Wüste sein, wo heute üppige Regenwälder gedeihen, mahnen Klimaforscher. Doch der Urwald ist widerstandsfähig und hat schon andere Wärmeperioden überlebt.
- Datum: 01.04.2013 - 13:10 Uhr
© Pablo Cozzaglio/AFP/Getty Images

Ein Ecuadorbaumsteiger im Yasuni-Nationalpark. Auf Latein heißt die Frosch-Art "Ameerega bilinguis".
Erst 2005, dann 2010: Innerhalb kürzester Zeit suchten zwei "Jahrhundertdürren" den Amazonasregenwald heim. Mächtige Flüsse schrumpften zu Rinnsalen, Millionen Bäume starben ab, und das Militär musste abgelegene Dörfer in Brasilien oder Peru aus der Luft versorgen, weil die Siedlungen nicht mehr auf dem Wasserweg erreichbar waren. Nicht nur die kurze Zeitspanne zwischen beiden Ereignissen und das Ausmaß der Trockenheit überraschte Forscher wie Sassan Saatchi vom California Institute of Technology in Pasadena: Selbst vier Jahre nach der ersten schweren Dürre waren die Spuren noch sichtbar. Die Vegetation hatte sich nur teilweise erholt, als die zweite extreme Trockenphase einsetzte.
Für Saatchi und sein Team war das ein erstes Warnsignal. "Sollten Dürren sich zukünftig alle fünf bis zehn Jahre wiederholen oder sogar in noch kürzeren Abständen wiederkehren, so könnten sie die Erholungsfähigkeit der Bäume dauerhaft einschränken. Vor allem im westlichen und südlichen Amazonasbecken mehren sich die Hinweise, einer potenziell großflächigen Degeneration des Regenwalds durch den Klimawandel. Die ganze Region könnte einen Punkt erreichen, an dem das Ökosystem umkippt und sich von einem geschlossenen Regenwald zu einer offenen Savanne wandelt, wenn sich die gegenwärtige Erwärmung und Entwaldung fortsetzt", warnten die Forscher in ihrer Arbeit, die im Magazin PNAS erschienen ist.
Auch andere Wissenschaftler mahnten: Amazonien gehöre zu den neun am stärksten durch den Klimawandel gefährdeten Regionen der Erde. Tim Lenton von der University of East Anglia in Exeter und seine Kollegen etwa gingen davon aus, dass ein Umkippen des Regenwaldes schon innerhalb von 50 Jahren passieren könnte – wenn die Erde sich um durchschnittlich drei bis vier Grad Celsius aufheizt.
Und eine in Nature veröffentlichte Studie von Biologen um Brendan Choat von University of Western Sydney hatte gezeigt, dass 70 Prozent der von ihnen untersuchten Baumarten aus unterschiedlichsten Waldtypen nur in einem relativ eng begrenzten hydrologischen Umfeld gedeihen können: Sie haben sich so gut an die jeweilige durchschnittliche Wasserversorgung vor Ort angepasst, dass Veränderungen sie rasch an ihre Grenzen bringen könnten. "Schon eine geringfügig intensivere Trockenheit sorgt dafür, dass ihre Wasserversorgung durch den Stamm abreißt. Das behindert ihr Wachstum und führt im Extremfall zum Absterben des Baums" – so brachte es die Bayreuther Ökologin Bettina Engelbrecht auf den Punkt. 2012 veröffentlichte die Forscherin, ebenfalls in Nature, eine Studie über die Auswirkungen von Dürre auf verschiedene Baumarten.
Wie viel Widerstandskraft hat der Wald?
Doch ist das wirklich so? Müssen wir tatsächlich damit rechnen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts die dichten Regenwälder Amazonien oder des Kongobeckens zusammenbrechen – und mit ihnen ihre riesige Artenvielfalt verschwindet?
Nicht unbedingt. Ein weltweiter Zusammenschluss von Geoökologen um Chris Huntingford vom britischen Centre for Ecology and Hydrology in Wallingford kam vor Kurzen zu einem weniger alarmierenden Ergebnis. "Wir haben fundierte Belege, dass Regenwälder in Amerika, Afrika und Asien zumindest dem momentan erwarteten Klimawandel einigermaßen gut widerstehen können", sagte der Forscher. Zusammen mit seinen Kollegen hat er die bislang umfangreichste Untersuchung zu den Risiken eines klimabedingten Umkippens der Regenwälder durchgeführt.
Die Wissenschaftler verglichen dazu die Ergebnisse von 22 verschiedenen Klimamodellen, die sie mit weiteren Modellen zu geoökologischen Prozessen kombinierten. Bis auf eine Simulation zeigten alle das gleiche Ergebnis: "Die Tropenwälder behalten ihre Kohlenstoffvorräte, selbst wenn die atmosphärischen Kohlendioxidkonzentrationen bis zum Ende des Jahrhunderts weiter steigen und sich die Erderwärmung fortsetzt", sagte Huntingford. Folglich brechen diese Ökosysteme nicht zusammen, sondern behalten ihre Struktur und Dichte – andernfalls käme es zu einer massiven Freisetzung des Kohlendioxids aus verrottender Vegetation.
Nur eine Berechnung, basierend auf einem Modell des britischen Wetterdienstes, legte einen dramatischen Schwund des Waldes in Süd- und Zentralamerika nahe. Doch gehe dieses noch von stark abnehmenden Niederschlägen über dem Amazonasbecken aus, erklärte der Klimaforscher Peter Cox von der University of Exeter gegenüber Nature, der an der Entwicklung dieses Computerprogramms beteiligt war. Neuere, verbesserte Modelle gehen allenfalls von etwas geringeren Regenmengen aus, die der Wald verkraften könnte.
Natürlich habe die Erwärmung trotzdem Folgen für das Ökosystem, schrieb Cox in einer zweiten Studie: Mit jedem Grad Celsius Erderwärmung setzen tropische Regenwälder 50 Milliarden Tonnen Kohlendioxid frei, da Pflanzenmaterial schneller verrottet. Entgegen der Erwartungen führen sie aber nicht zu einer negativen Rückkopplung, indem das zusätzliche Treibhausgas die Aufheizung verstärkt. Vielmehr treibt es zusammen mit dem ohnehin in der Atmosphäre vorhandenen CO2 das Wachstum der Vegetation an – die Verluste werden durch die gesteigerte Photosynthese mehr als wettgemacht.
Die Regenwälder bleiben damit netto eine Kohlenstoffsenke. Das bestätigt auch der Waldforscher Daniel Nepstad vom Woods Hole Research Center, der sich seit Jahren mit der Zukunft Amazoniens beschäftigt: "Ob das Ökosystem umkippt, wird seit Jahren in der Wissenschaft diskutiert. Langsam kristallisiert sich heraus, dass Regenwälder wohl doch nicht so anfällig sind, wegen des Klimawandels abzusterben."
Entscheidend ist die Wasserversorgung
Erdgeschichtlich scheinen steigende Temperaturen diesen tropischen Ökosystemen ohnehin wenig zu schaden; wichtiger für ihr Gedeihen waren stets die Niederschlagsmengen. Das deuten zumindest die Arbeiten von Forschern der Smithsonian Institution in Panama an, die fossile Pollenkörner aus verschiedenen Regionen Kolumbiens und Venezuelas – außerhalb des Amazonasbeckens – analysiert hatten. Die pflanzlichen Überreste stammten aus der Zeitenwende vom Paleozän zum Eozän vor 56,3 Millionen Jahren, als sich die Erde in der geologisch bemerkenswert kurzen Zeit von 10.000 bis 20.000 Jahren um drei bis fünf Grad Celsius aufheizte. Gleichzeitig lag die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre um das 2,5-Fache höher als heute. Doch statt zusammenzubrechen, blühte der Regenwald auf: Es entstanden zahlreiche neue Pflanzenarten und -familien als vorhandene ausstarben, wie die Pollendiagramme zeigen. Das funktionierte aber nur, weil gleichzeitig der Wasserkreislauf mitspielte: Aus Sedimentproben rekonstruierte Niederschlagsverhältnisse deuten an, dass es damals auch feuchter wurde.
Genau hierin steckt auch die Gefahr für die Regenwälder. Denn die Zeichen mehren sich, dass diese Ökosysteme wie eine Art biotische Pumpe funktionieren: Durch die Verdunstung über die Blätter geben sie einen Teil des aufgenommenen Wassers schnell wieder ab und reichern damit die Atmosphäre an. Gleichzeitig sorgen sie für tiefen Druck, zu dessen Ausgleich weitere feuchte Luftmassen aus den Ozeanen quasi angesaugt werden. Dadurch entsteht ein beständiger atmosphärischer Strom, der Regenwolken immer tiefer ins Landesinnere transportiert und auch dort dichte Wälder gedeihen lässt. "Zwischen 25 bis 56 Prozent seines Regens erzeugt das Ökosystem tatsächlich selbst, indem es vorherige Niederschläge recycelt", betont der Geowissenschaftler Luiz Aragão von der University of Exeter.
Dieser Motor droht ins Stottern zu geraten, wenn Felder und Weiden die Vegetationsdecke zunehmend durchlöchern oder völlig ersetzen. Im Osten des brasilianischen Amazonasbeckens ist das bereits der Fall, was Dürren wie 2005 und 2010 verschärfen kann. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die abgeholzte Fläche in Amazonien verdoppeln, schätzen viele Waldforscher.
Sollte dies zutreffen, könnten sich nach ihren Berechnungen die Niederschläge im südlichen Amazonien während der saisonalen Regenzeit um mehr als ein Zehntel, während der Trockenzeit um ein Fünftel verringern. Huntingfords Kollege Davin Galbraith von der University of Leeds mahnt deshalb: "Auch wenn den Regenwäldern der Klimawandel an sich relativ wenig auszumachen scheint – Brandrodung und Feuer bedrohen die Integrität des Ökosystems." Der Zusammenbruch ist also noch nicht vom Tisch.












"So schnell kippt kein Regenwald um" Das impliziert ja: "puh, noch mal Glück gehabt, alles gar nicht so schlimm". Aber was ist die Quintessenz des Artikels?
Zuerst werden Jahrhundertdürren genannt, Studien und Wissenschaftler zitiert, die der Meinung sind, der Klimawandel zerstöre den Regenwald.
Dann zeigt der Autor mit einer Suggestivfrage, dass er es besser weiß. Belegt ebenfalls durch historische Beispiele, Studien und Aussagen von Wissenschaftler. Patt.
Dass der Regenwald vor 56Mio Jahren bei einer 3-5°C höheren Durchschnittstemperatur erblühte mag sein, hat aber in diesem Zusammenhang nicht die geringste Aussagekraft, da sich dieser Anstieg in der (tatsächlich) kurzen Zeitspanne von 10.000 bis 20.000 Jahren vollzog. Bei unserem heutigen Klimawandel sprechen wir aber von rund 200 Jahren (Faktor 50 bis 100 niedriger). Schweifen wir also lieber nicht in historische Beispiele ab, deren Umstände nicht klar gemacht werden.
Wenn man nun daran denkt, welche Konzerne wie viel Geld in gefällige Studien stecken, kann man sich die "wissenschaftliche Gegenüberstellung" der Argumente im Artikel auch schenken.
Bleibt über: die Gefahr, dass der Regenwald durch Abholzung irreparabel geschädigt wird und im Ergebnis umkippt. Und dass die Abholzung immer weiter steigt ist wohl die sicherste aller Aussagen, die man über den Regenwald treffen kann. Ach sieh mal an, doch kein Glück gehabt?
Wissenschaftlich nicht falsch, aber journalistisch (vielleicht ja ungewollt) hart am Limit.
Agrarkonzerne, die zuliefern, schädigen den Regenwald . Das alles nur, weil Politiker die ganz normale Erwärmung nach einer kleinen Eiszeit als "Klima-Katastrophe" benutzen um Macht und Einfluss zu erhöhen. Dafür werden Forschungsgelder an willfährige Wissenschaftler verteilt und die veröffentlichte Meinung manipuliert. Die Falsifizierung der CO2-These durch die Natur selbst wird mit Hartnäckigkeit ignoriert . Der kälteste März seit 130 Jahren bei der höchsten CO2-Konzentration in 130 Jahren zeigt den verschwindend kleinen Einfluss von CO2 und damit auch die Sinnlosigkeit der Gegenmassnahmen. Die Profiteure der unter falschen Annahmen gebauten Gelddruckmaschine werden natürlich alles einsetzen, damit sie noch lange weiterläuft. Bürger wehrt Euch!
da sind wir schon zwei,die die alternativlose Mehrheitsmeinung enttarnt haben.
[...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au
da sind wir schon zwei,die die alternativlose Mehrheitsmeinung enttarnt haben.
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Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au
Entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir nicht auf Seiten solchen Inhalts verlinken möchten. Die Redaktion/mak
es ist auch nicht verboten, sich die Erde als Scheibe vorzustellen, um die die Sonne kreist ...
Die Frage ist müßig und in diesem Zusammenhang unwichtiger als sie denken.
Allen rationalen Argumenten zum Trotz angenommen, die klimatische Entwicklung wäre naturgegeben: der Regenwald würde es trotzdem nicht überleben.
Im Grunde ist es egal für welche Ideologie sich die Leute ein Bein ausreißen, ob sie die Wissenschaft mit fraglichen Mitteln verteidigen oder die unliebsame Realität durch "Realoverleumdung" und Verlächerlichung verdrängen zu versuchen. Beide Gruppen ändern nichts. Weder am Klimawandel, noch an der öffentlichen Meinung und schon gar nicht an den Problemen vor Ort, der Abholzung, Verschmutzung etc.
Die Energie könnten sie sich auch sparen (ich mir eigentlich auch).
es ist auch nicht verboten, sich die Erde als Scheibe vorzustellen, um die die Sonne kreist ...
Die Frage ist müßig und in diesem Zusammenhang unwichtiger als sie denken.
Allen rationalen Argumenten zum Trotz angenommen, die klimatische Entwicklung wäre naturgegeben: der Regenwald würde es trotzdem nicht überleben.
Im Grunde ist es egal für welche Ideologie sich die Leute ein Bein ausreißen, ob sie die Wissenschaft mit fraglichen Mitteln verteidigen oder die unliebsame Realität durch "Realoverleumdung" und Verlächerlichung verdrängen zu versuchen. Beide Gruppen ändern nichts. Weder am Klimawandel, noch an der öffentlichen Meinung und schon gar nicht an den Problemen vor Ort, der Abholzung, Verschmutzung etc.
Die Energie könnten sie sich auch sparen (ich mir eigentlich auch).
Regenwälder können mit dem Klimawandel verdorren?
Nein, sie sind robuster als gedacht...
Eventuell doch nicht so robust, wenn abgeholzt...
Vielleicht brechen sie doch zusammen, wenn's ganz schlecht läuft...
Typisch Spektrum. Na, was denn nun ;-) Fortsetzung folgt.
Lassen wir es doch auf ein Experiment mit dem Regenwald ankommen, wir erschliessen und holzen weiter ab und verbrennen den mickrigen Rest, blasen eifrig weiter die versunkenen Regenwälder der vergangenen Jahrmillionen in die Luft, um "aus der Krise zu wachsen", und protokollieren detailliert und streiten um Gelder, schreiben fleissig Artikel und diskutieren uns die Köpfe heiss.
Wenn es schlecht ausgeht für den Regenwald am Äquator, überlegen wir uns etwas ganz Neues, Casinos für die arbeitslosen Pygmäen zum Beispiel oder Grünland in die EU.
da sind wir schon zwei,die die alternativlose Mehrheitsmeinung enttarnt haben.
[...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au
es ist auch nicht verboten, sich die Erde als Scheibe vorzustellen, um die die Sonne kreist ...
Die Frage ist müßig und in diesem Zusammenhang unwichtiger als sie denken.
Allen rationalen Argumenten zum Trotz angenommen, die klimatische Entwicklung wäre naturgegeben: der Regenwald würde es trotzdem nicht überleben.
Im Grunde ist es egal für welche Ideologie sich die Leute ein Bein ausreißen, ob sie die Wissenschaft mit fraglichen Mitteln verteidigen oder die unliebsame Realität durch "Realoverleumdung" und Verlächerlichung verdrängen zu versuchen. Beide Gruppen ändern nichts. Weder am Klimawandel, noch an der öffentlichen Meinung und schon gar nicht an den Problemen vor Ort, der Abholzung, Verschmutzung etc.
Die Energie könnten sie sich auch sparen (ich mir eigentlich auch).
Ich verstehe nicht, wie die Moderation die ewige Provokation der Klima"skeptiker" dulden kann.
Eine sachliche Debatte über den Klimawandel wird vermutlich ohnehin nie möglich sein. Aber dennoch ist das kein Grund, jedesmal die selbe alte beleidigende Unterstellung auspacken zu dürfen.
[...]
Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile gekürzt. Danke, die Redaktion/au
...den Kommentar von "Lefty" nicht mehr lesen können.
Ich erinnere aber daran, dass eine sachliche Diskussion auch die Meinung der Klima"skeptiker" mit einschließt.
So zu tun, als seien das alles unwiedersprochene Fakten, wie z.B. die Kugelgestalt der Erde, wird der Komplexität des Themas und der Tatsache, dass fast alle Argumentationsstränge auf Rekonstruktionen (Vergangenheit) und Modellen (Zukunft) beruhen, nicht gerecht.
...den Kommentar von "Lefty" nicht mehr lesen können.
Ich erinnere aber daran, dass eine sachliche Diskussion auch die Meinung der Klima"skeptiker" mit einschließt.
So zu tun, als seien das alles unwiedersprochene Fakten, wie z.B. die Kugelgestalt der Erde, wird der Komplexität des Themas und der Tatsache, dass fast alle Argumentationsstränge auf Rekonstruktionen (Vergangenheit) und Modellen (Zukunft) beruhen, nicht gerecht.
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