Klimawandel: So schnell kippt kein Regenwald um
Bald könne Wüste sein, wo heute üppige Regenwälder gedeihen, mahnen Klimaforscher. Doch der Urwald ist widerstandsfähig und hat schon andere Wärmeperioden überlebt.
© Pablo Cozzaglio/AFP/Getty Images

Ein Ecuadorbaumsteiger im Yasuni-Nationalpark. Auf Latein heißt die Frosch-Art "Ameerega bilinguis".
Erst 2005, dann 2010: Innerhalb kürzester Zeit suchten zwei "Jahrhundertdürren" den Amazonasregenwald heim. Mächtige Flüsse schrumpften zu Rinnsalen, Millionen Bäume starben ab, und das Militär musste abgelegene Dörfer in Brasilien oder Peru aus der Luft versorgen, weil die Siedlungen nicht mehr auf dem Wasserweg erreichbar waren. Nicht nur die kurze Zeitspanne zwischen beiden Ereignissen und das Ausmaß der Trockenheit überraschte Forscher wie Sassan Saatchi vom California Institute of Technology in Pasadena: Selbst vier Jahre nach der ersten schweren Dürre waren die Spuren noch sichtbar. Die Vegetation hatte sich nur teilweise erholt, als die zweite extreme Trockenphase einsetzte.
Für Saatchi und sein Team war das ein erstes Warnsignal. "Sollten Dürren sich zukünftig alle fünf bis zehn Jahre wiederholen oder sogar in noch kürzeren Abständen wiederkehren, so könnten sie die Erholungsfähigkeit der Bäume dauerhaft einschränken. Vor allem im westlichen und südlichen Amazonasbecken mehren sich die Hinweise, einer potenziell großflächigen Degeneration des Regenwalds durch den Klimawandel. Die ganze Region könnte einen Punkt erreichen, an dem das Ökosystem umkippt und sich von einem geschlossenen Regenwald zu einer offenen Savanne wandelt, wenn sich die gegenwärtige Erwärmung und Entwaldung fortsetzt", warnten die Forscher in ihrer Arbeit, die im Magazin PNAS erschienen ist.
Auch andere Wissenschaftler mahnten: Amazonien gehöre zu den neun am stärksten durch den Klimawandel gefährdeten Regionen der Erde. Tim Lenton von der University of East Anglia in Exeter und seine Kollegen etwa gingen davon aus, dass ein Umkippen des Regenwaldes schon innerhalb von 50 Jahren passieren könnte – wenn die Erde sich um durchschnittlich drei bis vier Grad Celsius aufheizt.
Und eine in Nature veröffentlichte Studie von Biologen um Brendan Choat von University of Western Sydney hatte gezeigt, dass 70 Prozent der von ihnen untersuchten Baumarten aus unterschiedlichsten Waldtypen nur in einem relativ eng begrenzten hydrologischen Umfeld gedeihen können: Sie haben sich so gut an die jeweilige durchschnittliche Wasserversorgung vor Ort angepasst, dass Veränderungen sie rasch an ihre Grenzen bringen könnten. "Schon eine geringfügig intensivere Trockenheit sorgt dafür, dass ihre Wasserversorgung durch den Stamm abreißt. Das behindert ihr Wachstum und führt im Extremfall zum Absterben des Baums" – so brachte es die Bayreuther Ökologin Bettina Engelbrecht auf den Punkt. 2012 veröffentlichte die Forscherin, ebenfalls in Nature, eine Studie über die Auswirkungen von Dürre auf verschiedene Baumarten.
Wie viel Widerstandskraft hat der Wald?
Doch ist das wirklich so? Müssen wir tatsächlich damit rechnen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts die dichten Regenwälder Amazonien oder des Kongobeckens zusammenbrechen – und mit ihnen ihre riesige Artenvielfalt verschwindet?
Nicht unbedingt. Ein weltweiter Zusammenschluss von Geoökologen um Chris Huntingford vom britischen Centre for Ecology and Hydrology in Wallingford kam vor Kurzen zu einem weniger alarmierenden Ergebnis. "Wir haben fundierte Belege, dass Regenwälder in Amerika, Afrika und Asien zumindest dem momentan erwarteten Klimawandel einigermaßen gut widerstehen können", sagte der Forscher. Zusammen mit seinen Kollegen hat er die bislang umfangreichste Untersuchung zu den Risiken eines klimabedingten Umkippens der Regenwälder durchgeführt.
Die Wissenschaftler verglichen dazu die Ergebnisse von 22 verschiedenen Klimamodellen, die sie mit weiteren Modellen zu geoökologischen Prozessen kombinierten. Bis auf eine Simulation zeigten alle das gleiche Ergebnis: "Die Tropenwälder behalten ihre Kohlenstoffvorräte, selbst wenn die atmosphärischen Kohlendioxidkonzentrationen bis zum Ende des Jahrhunderts weiter steigen und sich die Erderwärmung fortsetzt", sagte Huntingford. Folglich brechen diese Ökosysteme nicht zusammen, sondern behalten ihre Struktur und Dichte – andernfalls käme es zu einer massiven Freisetzung des Kohlendioxids aus verrottender Vegetation.
Nur eine Berechnung, basierend auf einem Modell des britischen Wetterdienstes, legte einen dramatischen Schwund des Waldes in Süd- und Zentralamerika nahe. Doch gehe dieses noch von stark abnehmenden Niederschlägen über dem Amazonasbecken aus, erklärte der Klimaforscher Peter Cox von der University of Exeter gegenüber Nature, der an der Entwicklung dieses Computerprogramms beteiligt war. Neuere, verbesserte Modelle gehen allenfalls von etwas geringeren Regenmengen aus, die der Wald verkraften könnte.
Natürlich habe die Erwärmung trotzdem Folgen für das Ökosystem, schrieb Cox in einer zweiten Studie: Mit jedem Grad Celsius Erderwärmung setzen tropische Regenwälder 50 Milliarden Tonnen Kohlendioxid frei, da Pflanzenmaterial schneller verrottet. Entgegen der Erwartungen führen sie aber nicht zu einer negativen Rückkopplung, indem das zusätzliche Treibhausgas die Aufheizung verstärkt. Vielmehr treibt es zusammen mit dem ohnehin in der Atmosphäre vorhandenen CO2 das Wachstum der Vegetation an – die Verluste werden durch die gesteigerte Photosynthese mehr als wettgemacht.







Das Problem ist nicht "UMWELTSCHUTZ" etc., die Erde wird sich von allem erholen was wir auch nur anrichten könnten. Sie hat sich von Supervulkanen und riesigen Meteoriten erholt, selbst von einem wohlbegründet vermuteten Zusammenstoß mit einem kleineren Planeten, aus dieser Kolision soll der Mond entstanden sein. Wir halten uns selbst für stark oder auch bedrohlich, im Angesicht der Natur ist aber glücklicherweise alles was wir tun können unbedeutend und gäbe es die Menschheit nicht mehr, nach einer geologisch recht kurzen Zeit gäbe es keine einzige Spur mehr. Selbst langlebigste Hinterlassenschaften wären dann irgendwann unter neuen Gebirgen begraben und im Erdmantel aufgeschmolzen.
ABER: wer leiden wird ist der Mensch, es gibt keinen größeren Leidtragenden unter dem Klimawandel als unsere Spezies. Wir sind körperlich ziemlich schwach und verwundbar und auf bestimmte Umweltbedingungen angewiesen. Auch ein Großteil der Menschen lebt direkt an den Küsten, die Folgen eines steigenden Meeresspiegels sind nicht nur für Städte wie New York City kaum absehbar.
Es geht beim Klimawandel um puren Egoismus. Und der setzt bei Menschen stets ungeahnte Potentiale frei. Das muss man den Leuten klarmachen. Wir sind dabei die Erde so umzuformen dass natürlich auch dann eine große Vielfalt des Lebens diesen Planeten bevölkern wird. Aber keine 7 Milliarden Mensch mehr, Tendenz steigend, auf diesem Planeten überleben können wird.
...den Kommentar von "Lefty" nicht mehr lesen können.
Ich erinnere aber daran, dass eine sachliche Diskussion auch die Meinung der Klima"skeptiker" mit einschließt.
So zu tun, als seien das alles unwiedersprochene Fakten, wie z.B. die Kugelgestalt der Erde, wird der Komplexität des Themas und der Tatsache, dass fast alle Argumentationsstränge auf Rekonstruktionen (Vergangenheit) und Modellen (Zukunft) beruhen, nicht gerecht.
"...Ich erinnere aber daran, dass eine sachliche Diskussion auch die Meinung der Klima"skeptiker" mit einschließt."
Dann haben Sie noch keine solche Diskussion mit den Leuten versucht. Eine Diskussion im Sinn des Worts sollte prinzipiell dazu führen können, dass die Parteien ihre Meinung auch ändern können.
Auf Seiten der Wissenschaft passiert das: Man nimmt Kritik an den Daten ernst, man prüft die Ideen des Herrn Svensmark im CERN nach etc. pp.
Auf "Skeptiker"seite wird noch nicht mal im Lichte klarer Gegenbeweise und manifester Widersprüche in deren eigener Argumentation von der vorgefassten Meinung abgerückt (...wenn Sie wissen wollen, wie das abläuft, dann geben Sie sich einfach mal die Kommentare in folgendem Spiegel-Artikel: http://www.spiegel.de/wis... -- ich hoffe, die Redaktion lässt das drin).
Kurz: Auf diese "Diskussion" kann man gerne verzichten. Man lernt inhaltlich nichts dazu - höchstens etwas über die Psychologie mancher Menschen...
"...Ich erinnere aber daran, dass eine sachliche Diskussion auch die Meinung der Klima"skeptiker" mit einschließt."
Dann haben Sie noch keine solche Diskussion mit den Leuten versucht. Eine Diskussion im Sinn des Worts sollte prinzipiell dazu führen können, dass die Parteien ihre Meinung auch ändern können.
Auf Seiten der Wissenschaft passiert das: Man nimmt Kritik an den Daten ernst, man prüft die Ideen des Herrn Svensmark im CERN nach etc. pp.
Auf "Skeptiker"seite wird noch nicht mal im Lichte klarer Gegenbeweise und manifester Widersprüche in deren eigener Argumentation von der vorgefassten Meinung abgerückt (...wenn Sie wissen wollen, wie das abläuft, dann geben Sie sich einfach mal die Kommentare in folgendem Spiegel-Artikel: http://www.spiegel.de/wis... -- ich hoffe, die Redaktion lässt das drin).
Kurz: Auf diese "Diskussion" kann man gerne verzichten. Man lernt inhaltlich nichts dazu - höchstens etwas über die Psychologie mancher Menschen...
Natürlich kann und würde sich der Regenwald wieder erholen, wenn er der natürlichen Entwicklung überlassen bliebe. Die Verbreitung dieses Bioms war schon immer abhängig davon, wie die Klimazonen auf der Erde verteilt waren.
Selbst wenn alle Regenwaldgebiete aufgrund klimatischer Bedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt verschwinden würden, würden ähnlich diverse Pflanzen- und Tiergemeinschaften wieder auftauchen, wenn sich die Bedingungen weiter verschieben. Daher gab es -angefangen bei den Steinkohlenwäldern des Karbons- auch sehr viele verschieden Regenwälder im Laufe der Erdgeschichte.
Aus der Perspektive des Menschen kann der Regenwald aber sehr wohl vernichtet werden, wenn zu der Klimaveränderung eben auch die Nutzung der geeigneten Regionen durch Landwirtschaft usw. tritt. Es ist eben sehr viel von der 70-80jährigen Perspektive eines Menschenlebens abhängig. Auch die Städte der Mayas waren von gerodeten Feldern umgeben und liegen 1000 Jahre später unter dichtestem Regenwald.
Dia anthropozentrische Sicht sieht man auch schön, wenn es um die Ausbreitung der Sahara geht - vor einigen Zehntausend Jahren war die Wüste ausgedehnter nach Süden als heute, was mit ganz natürlichen Verschiebungen der Klimagürteln zusammenhing (fossile Dünen im Sahel).
Widerstandsfähig wre der Urwald schon, doch leider wird er von Menschen und nicht von der Klimaerwärmung zerstört. Es ist eine Augenwischerei, wenn man uns klarmachen will. der Urwald werde sich schon wieder regenerieren.
Gegen die geballte maschinelle Abholzung durch profitgierige Menschen hat kein Regenwald eine Chance und auch nicht die Ureinwohner, das ist die irre Tragik der Gegenwart.
"...Ich erinnere aber daran, dass eine sachliche Diskussion auch die Meinung der Klima"skeptiker" mit einschließt."
Dann haben Sie noch keine solche Diskussion mit den Leuten versucht. Eine Diskussion im Sinn des Worts sollte prinzipiell dazu führen können, dass die Parteien ihre Meinung auch ändern können.
Auf Seiten der Wissenschaft passiert das: Man nimmt Kritik an den Daten ernst, man prüft die Ideen des Herrn Svensmark im CERN nach etc. pp.
Auf "Skeptiker"seite wird noch nicht mal im Lichte klarer Gegenbeweise und manifester Widersprüche in deren eigener Argumentation von der vorgefassten Meinung abgerückt (...wenn Sie wissen wollen, wie das abläuft, dann geben Sie sich einfach mal die Kommentare in folgendem Spiegel-Artikel: http://www.spiegel.de/wis... -- ich hoffe, die Redaktion lässt das drin).
Kurz: Auf diese "Diskussion" kann man gerne verzichten. Man lernt inhaltlich nichts dazu - höchstens etwas über die Psychologie mancher Menschen...
Diskussionen mit sogenannten "Klimaskeptikern" sind ebenso sinnvoll wie solche mit Kreationisten, Homöopathieanhängern, Religioten, Waffenfreaks usw.
... ist die Church of Man-Made Global Warming allerdings bislang noch schuldig geblieben, halten zu Gnaden.
Ihr Link war keine uninteressante Lektüre auch wenn ich ähnliches schon öfter gelesen habe.
Das Problem ist nur, dass in den meisten solcher Diskussionen der Pfad der Sachlichkeit extrem schnell verlassen wird und die Hysteriker sich bahnbrechen, auf beiden Seiten. Leute, die versuchen, die Fakten von den Vermutungen und von den Fiktionen zu trennen, verlassen dann meist schnell angeekelt oder resignierend die Arena und überlassen das Feld den Extremisten.
Im Falle des Klimawandels kommt noch hinzu, dass gesellschaftliche und politische Entscheidungen von enormer Tragweite daran hängen, wie die Fakten interpretiert werden und das, jeder, der sich dazu äußert -vor allem als Fachmann- damit rechnen muss, dass ihm seine Aussagen entrissen werden und ein "Eigenleben" entwickeln, vollkommen egal, wie neutral, vorsichtig oder relativierend er sie vorgetragen hat.
Als Naturwissenschaftler mit ca. 15 Jahren Forschungsserfahrung stehe ich auf dem Standpunkt, dass Letztenendes alles, was nicht auf direkter Beobachtbarkeit basiert, nicht die Bezeichnung "Tatsache" verdient. Es sind Theorien, manche von ihnen extrem wahrscheinlich (z. B. die Evolution), aber eine Tatsache setzt 100%ige Wahrscheinlichkeit voraus. Auch die Kugelgestalt der Erde wurde erst zur Tatsache, nachdem man Bilder aus dem Weltraum hatte (obwohl tatsächlich eine fast 100%ige Wahrscheinlichkeit schon Jahrtausende vorher konstatiert werden konnte).
Diskussionen mit sogenannten "Klimaskeptikern" sind ebenso sinnvoll wie solche mit Kreationisten, Homöopathieanhängern, Religioten, Waffenfreaks usw.
... ist die Church of Man-Made Global Warming allerdings bislang noch schuldig geblieben, halten zu Gnaden.
Ihr Link war keine uninteressante Lektüre auch wenn ich ähnliches schon öfter gelesen habe.
Das Problem ist nur, dass in den meisten solcher Diskussionen der Pfad der Sachlichkeit extrem schnell verlassen wird und die Hysteriker sich bahnbrechen, auf beiden Seiten. Leute, die versuchen, die Fakten von den Vermutungen und von den Fiktionen zu trennen, verlassen dann meist schnell angeekelt oder resignierend die Arena und überlassen das Feld den Extremisten.
Im Falle des Klimawandels kommt noch hinzu, dass gesellschaftliche und politische Entscheidungen von enormer Tragweite daran hängen, wie die Fakten interpretiert werden und das, jeder, der sich dazu äußert -vor allem als Fachmann- damit rechnen muss, dass ihm seine Aussagen entrissen werden und ein "Eigenleben" entwickeln, vollkommen egal, wie neutral, vorsichtig oder relativierend er sie vorgetragen hat.
Als Naturwissenschaftler mit ca. 15 Jahren Forschungsserfahrung stehe ich auf dem Standpunkt, dass Letztenendes alles, was nicht auf direkter Beobachtbarkeit basiert, nicht die Bezeichnung "Tatsache" verdient. Es sind Theorien, manche von ihnen extrem wahrscheinlich (z. B. die Evolution), aber eine Tatsache setzt 100%ige Wahrscheinlichkeit voraus. Auch die Kugelgestalt der Erde wurde erst zur Tatsache, nachdem man Bilder aus dem Weltraum hatte (obwohl tatsächlich eine fast 100%ige Wahrscheinlichkeit schon Jahrtausende vorher konstatiert werden konnte).
Diskussionen mit sogenannten "Klimaskeptikern" sind ebenso sinnvoll wie solche mit Kreationisten, Homöopathieanhängern, Religioten, Waffenfreaks usw.
... ist die Church of Man-Made Global Warming allerdings bislang noch schuldig geblieben, halten zu Gnaden.
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