Beifuß-PflanzeAggressive Ambrosie breitet sich aus

Vor allem im Norden Europas wird die Beifuß-Ambrosie Allergikern zu schaffen machen, sagen Forscher voraus. Auch viele Menschen in Deutschland werden betroffen sein.

Das Verbreitungsgebiet der Beifuß-Ambrosie wird sich deutlich vergrößern und in den nächsten Jahrzehnten nach Norden und Nordosten verschieben: in weite Teile Frankreichs und Deutschlands, die Benelux-Staaten, Tschechien, Polen, die baltischen Staaten, Weißrussland und große Teile Russlands. Das hat ein Forscherteam aus Frankfurt berechnet und auf einer Karte veranschaulicht. Für den Süden Europas sagen sie voraus, dass die Ambrosia artemisiifolia in einigen Jahrzehnten verschwindet.

Verbreitungsgebiet
Ambrosie Teaser

© BiK-F

Grundlage der Prognose ist eine ökologische Nischenmodellierung: Die Wissenschaftler vom Frankfurter Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und der Goethe-Universität haben zwei Datenreihen kombiniert: die gegenwärtigen Fundpunkte der Pflanze, die vom Netzwerk Global Biodiversity Information Facility (GBIF) kommen, sowie die Vorhersagen über die Klimaerwärmung, für die der Weltklimarat (IPCC) Quelle ist.

Anzeige

Grund für die Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie sei nicht allein das Klima, sagen die Forscher. Das Wachstum werde begünstigt durch die globale Erwärmung und die dadurch verlängerte Vegetationsperiode. Schuld sei aber der Mensch: Der Samen wurde und wird eingeschleppt durch kontaminiertes Saatgut und durch Vogelfutter aus Südosteuropa.

Bis zu 20 Prozent der Deutschen reagieren auf die Ambrosie

Schätzungen zufolge reagieren 12 bis 20 Prozent der Deutschen allergisch auf die Ambrosia artemisiifolia, die auch Aufrechtes Traubenkraut genannt wird. Genaue Daten gibt es nicht, weil die Betroffenen häufig auch unter anderen Allergien leiden, etwa gegen den Gemeinen Beifuß.

Die Symptome bei Allergikern sind ähnlich wie bei Heuschnupfen: Die Nase juckt und trieft, die Augen tränen. Die Ambrosie kann aber auch Asthma hervorrufen oder Hautreaktionen bei Kontakt mit der Pflanze. Gefährlich ist sie, "weil sie schon mit relativ wenigen Pollen eine starke Reaktion auslösen kann", sagte eine Sprecherin vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Schon sechs bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft gelten als mittlere Belastung, bei Gräsern bedürfe es dafür fünfmal so viel.

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund rät, kein Vogelfutter zu kaufen, das Ambrosia-Samen enthält, den Garten regelmäßig zu kontrollieren und jede dieser Pflanzen samt Wurzel auszureißen, in Tüten zu stecken und in den Hausmüll zu werfen, idealerweise vor der Blütezeit zwischen Juli und Oktober.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Ist doch gar nicht so schlecht.
    Kann man einsammeln, Artemisin extrahieren und Malaria heilen :-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Artemisinin, der Wirkstoff gegen Malaria, wird leider nicht aus der hier besprochenen Beifuß-Ambrosie gewonnen sondern aus der Artemisia Pflanze Artemisia annua. Artemisinin gibt es wohl auch in anderen Artemisia Pflanzen, aber wohl nicht in der Ambrosia artemisiifolia.

    • ASasse
    • 04. April 2013 21:29 Uhr

    Jede Pflanze die Allergien auslösen kann auszurotten scheint nicht das Mittel der Wahl zu sein.

    Aber das Beifußblättrige Traubenkraut ist eine invasive Pflanze, die unbeabsichtigt nach Europa gebracht wurde und potentiell im neuen Verbreitungsgebiet Schaden anrichtet. Daher wäre es schön, wenn sie sich nicht weiter ausbreiten würde - vor dem Hintergrund sind die Vorschläge des deutschen Allergie- und Asthmabundes (kein Vogelfutter zu kaufen, das Ambrosia-Samen enthält, den Garten regelmäßig zu kontrollieren und jede dieser Pflanzen samt Wurzel or der Blütezeit auszureißen) nachzuvollziehen.

    Allerdings wird das Beifußblättrige Traubenkraut leicht mit Gewöhnlichem Beifuß verwechselt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die ZEIT bei den offensichtlicht sich wiiederholenden Veröffentlichungen zum Beifuß Fotos beider Pflanzen mit Erläuterungen der Unterschiede mit veröffentlichen würde. Entschuldigung für das Doppelposting: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-11/beifuss-ambrosie-allergien-...

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber User,

    vielen Dank für den Hinweis. In unserem Artikel wurden die beiden Pflanzen nicht verwechselt, ein zusätzliches Foto erscheint uns daher nicht notwendig.

    Beste Grüße,
    Lydia Klöckner

  2. 3. Fehler

    Die Karte ist falsch: Ambrosia kommt bereits jetzt auch in Holstein vor*.

    Wäre auch zu einfach gewesen ... Temperatur ist nur eine unter sehr vielen Parametern, die die Verbreitung einer Art bestimmen. Am Wichtigsten ist mM die Konkurrenz anderer Arten - und die ist sehr schwer vorauszusagen.

    aj

    * könnte natürlich nach diesem Jahrhundertwinter wieder weg sein, weiss man jetzt noch nicht.

  3. Nur nach dem Titelbild ist das Kraut schlecht zu erkennen, wie schon kritisiert wurde.
    Suchte schon nach einem verstecktem Link.

    2 Leserempfehlungen
  4. kein Wunder - da Heuschnupfen und Allergie ja das gleiche ist ;)
    Hautreaktionen: ja klar, so ist das eben bei Allergien.
    Asthma: die übliche Stufe 2 nach dem Heuschnupfen.
    Der Artikel wurde definitiv nicht von einem Allergiker geschrieben...
    Ich habe seit Jahren gute Erfahrungen mit Quercetin gemacht: Allergie kommt, Quercetin eingeworfen, 20 Minuten später: Allergie gegangen. Ohne Nebenwirkungen.
    Leider werden in D immer nur nebenwirkungsreiche Chemikalien gegen die Allergie verschrieben.
    Grüße

  5. wäre es einfach diese zu meiden.

    Doch leider....

  6. 7. Aha...

    allergische Reaktionen zeigen, dass das Immunsystem des Betreffenden nicht zurecht kommt. Solche Parameter sollten bei der Partnerwahl für die Fortpflanzung einfließen!

  7. Guten Morgen
    Wissenschaftler als Wahrsager, toll bis der nächste kommt und das Gegenteil behauptet. Sicherlich werden jetzt Studiengelder beantragt (EU-Töpfe). Dann stellt man fest das in China ein 98 jähriger an einem Hustenanfall, der durch dieses Gewächst wahrscheinlich verursacht wurde, gestorben ist. Alle Naturheilmittel, die auch nur im entferntesten mit dieser Pflanze zu tun haben, werden verboten. Und und und ...
    Ich hoffe wir werden es überleben.
    Peter Washausen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In der Rubrik "Auto" geht's munter um Fahrräder und Züge, und die Rubrik "Wissen" wäre angesichts ihrer Inhalte sowieso besser "Spekulation" überschrieben.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Allergiker | Asthma | Garten | Heuschnupfen | Klima | Pflanze
Service