AgrarwirtschaftEU will Bienen mit Verbot von Pestiziden schützen

Landwirte setzen Chemikalien ein, um Schädlinge von ihren Pflanzen fernzuhalten. Drei dieser Mittel gefährden laut EU aber den Bienenbestand. Sie sollen verboten werden.

Imker in Frankreich

Imker in Frankreich   |  © Jean-Pierre Clatot/AFP/Getty Images

Zum Schutz von Bienen will die EU drei Pflanzenschutzmittel großflächig verbieten. 15 EU-Länder stimmten dafür, den Einsatz der Nervengifte für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zu untersagen. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei der EU-Kommission. Sie befürwortet ein Verbot.

Tritt die Regelung in Kraft, dürfen zunächst für zwei Jahre mit den Chemikalien vorbehandelte Samen weder verkauft noch ausgesät werden. Die drei Pestizide, zu deren Herstellern auch das deutsche Unternehmen Bayer gehört, stehen im Verdacht, Bienensterben zu verursachen.

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Erlaubt bleiben soll der Gebrauch der Chemikalien für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anlocken. Nach zwei Jahren will die EU-Kommission die Maßnahmen überprüfen.

Bundesregierung stimmte für Verbot

Eine erste Abstimmung im März hatte ein Patt ergeben, Deutschland enthielt sich. Daher kam es nun zur entscheidenden Abstimmung im Berufungsausschuss. Diesmal stimmte der deutsche Vertreter für das Verbot, sagte ein EU-Diplomat. Die Bundesregierung ließ sich demnach schriftlich zusichern, dass bereits 2009 in Deutschland eingeführte strenge Bestimmungen zum Neonikotinoid-Einsatz durch die EU-Regelung nicht unterlaufen werden.

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg sagte: "Ich verspreche, alles zum Schutz unserer Bienen zu tun, die so wichtig sind für unser Ökosystem und jährlich mehr als 22 Milliarden Euro zur europäischen Landwirtschaft beitragen."

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace lobte das Abstimmungsergebnis. "Das heutige Votum zeigt glasklar, dass es eine überwältigende wissenschaftliche, politische und öffentliche Unterstützung für das Verbot gibt", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Marco Contiero.

Der Pestizid-Experte des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, Tomas Brückmann, rief die Kommission auf, eine zügige Umsetzung eines Verbots in den Mitgliedstaaten zu kontrollieren. "Außerdem sehen wir darin nur einen ersten Schritt. Der Einsatz anderer Agrarchemikalien muss ebenfalls untersagt werden", sagte Brückmann.

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Leserkommentare
  1. Endlich ein kleines, erstes Zeichen von Vernunft in der sonst so industrieverblendeten EU-Politik, sogar in der Kommission. Bin ernsthaft und positiv überrascht. Kann ich jetzt auf mehr hoffen? Glaube ja nicht, aber ich lass mich gerne nochmal überraschen! Also weiter so! Es gibt da ja noch ein paar Baustellen...

    6 Leserempfehlungen
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    Und zwar auf eine ökologischere Fischerei durch die EU-Staaten, angeschoben durch die Fischereikomissarin Damanaki und durch eine breite Mehrheit vom EU-Parlament mitgetragen. Auch für den Verbraucherschutz hat die EU schon einiges geleistet.

  2. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

  3. Und zwar auf eine ökologischere Fischerei durch die EU-Staaten, angeschoben durch die Fischereikomissarin Damanaki und durch eine breite Mehrheit vom EU-Parlament mitgetragen. Auch für den Verbraucherschutz hat die EU schon einiges geleistet.

    Eine Leserempfehlung
  4. * strenge Bestimmungen zum Neonikotinoid-Einsatz *
    zu einem Bienenparasiten?

    ich hoffe doch nicht, dass hier die Gefährlichkeit der Pflanzen*schutz* mittel relativiert werden soll...

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    Sie haben recht, man fühlt sich "gelinkt".

    • Varech
    • 29. April 2013 21:13 Uhr

    ... führt zu einem Film! Ein Film zum Einwickeln eben. Das Publikum meint, durchblicken zu können, bleibt aber gefangen.

  5. Sie haben recht, man fühlt sich "gelinkt".

    • Varech
    • 29. April 2013 21:13 Uhr

    ... führt zu einem Film! Ein Film zum Einwickeln eben. Das Publikum meint, durchblicken zu können, bleibt aber gefangen.

  6. Man muß weiterhin wachsam bleiben was die, von der Lobby gesteuerte, EU so entscheidet.
    Meine Sorge ist hier, daß man ein bißchen nachgegeben hat, um dann, solange die "Ökos" sich freuen, das unbemerkt durchsetzt was die Lobby eigentlich wollte.
    Diese Typen beherschen die Regeln der Rabulistik perfekt. Also immer schön wachsam bleiben.
    Ansonsten ist es eine gut Entscheidung für die Bienen und damit für alle.

    2 Leserempfehlungen
  7. Irgendwie hab ich da den Verdacht, dass nach der Abschaffung oder Eingrenzung der Pestizide was neues eingeschleust wird, wie zum Beispiel das gen-veränderte Saatgut von unserem großen Natobruder aus der Übersee.

    5 Leserempfehlungen

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