Die Beweisführung beginnt im Eis der Antarktis. Am Südpol zeichnen Chemiker und Meteorologen das Klima der letzten Jahrtausende nach. Wann war es wie warm auf der Erde? Wie war die Atmosphäre zusammengesetzt? Dafür bohren sie in die Tiefe, wo Jahrtausende altes Eis das Klima der Erdgeschichte konserviert hat.

Mit jeder Schicht eines Eisbohrkerns graben die Forscher weiter in der Vergangenheit und finden handfeste Spuren, Überreste von Gasen, Organismen, Molekülen. Alle Auswertungen zeigen dasselbe Muster: Schon immer, wenn der CO2-Gehalt der Atmosphäre stieg, wurde es wärmer.

Damit beginnt der Film Thin Ice, der noch kurz online und künftig auf DVD zu sehen ist. Er ist eine Antwort an alle, die am Klimawandel zweifeln oder ihn mutwillig leugnen. Eine Waffe gegen alle Verschwörungstheoretiker, die die Erderwärmung als gefährliches Hirngespinst internationaler Klimaforscher abtun. Ungefiltert ohne den Umweg über Journalisten, Presseleute oder Politiker gibt Regisseur und Geologe Simon Lamb, der schon einige große Naturdokumentationen mit der BBC produziert hat, den Forschern eine Stimme.

Lamb, der selbst mehr als 20 Jahre in Oxford forschte, führt den Zuschauer an die Orte, an denen die Wissenschaftler zu ihren Ergebnissen gelangen. Vom Südpol aus geht es nach Neuseeland ans Institut für Wasser und Atmospährenforschung (NIWA), wo die Deutsche Katja Riedel frische Seeluft in ihre Analysegeräte pumpt. Diese messen, ob die CO2-Konzentration in der Atmosphäre wirklich zunimmt. Zum Gegencheck schickt Riedel Ballons mit neuseeländischer Luft ans Scripps-Institut nach Kalifornien. Das Ergebnis: Der CO2-Gehalt steigt, Jahr für Jahr.

Unumstößliche Belege für den Klimawandel

Aber wird es gleichzeitig auf der ganzen Erde wärmer? Ist die Durchschnittstemperatur seit der Industrialisierung wirklich so viel rasanter gestiegen? Schließlich kennt der Planet seit jeher natürliche Kälte- und Wärmezeiten. Um das zu erfahren, trifft der Filmemacher Meteorologen, die täglich das Wetter aufzeichnen und andere, darunter Phil Jones von der East-Anglia-Universität im englischen Norwich, die solche Messungen mit historischen Wetterdaten abgleichen.

Lamb sprach mit Jones, bevor der 2009 Opfer des inzwischen als Climategate berühmten Email-Hacks wurde. Jones habe Klimadaten frisiert und sich mit Kollegen dazu verabredet, lautete der absurde Vorwurf damals. Inzwischen ist er rehabilitiert.

Seine Daten und die hunderter anderer Forscher zeigen: Nie wurde es schneller wärmer auf der Erde, als in der vergangenen Dekade.

Die Belege, die Lambs Dokumentation anführt, sind unumstößlich. Aber der Film krankt daran, dass sein Regisseur kein neutraler Beobachter ist. Lamb selbst ist Spezialist für Vulkane und Erdbeben an der Uni Wellington. Noch weniger unabhängig ist sein Mitproduzent, der Klimaforscher Peter Barrett. Zudem unterstützte das Department of Earth Sciences der Uni Oxford den Film, was man als Gütesiegel oder Befangenheit werten kann.  

Auf vermeintliche Fallstricke der Klimawandel-Beweisführung geht der Film dennoch ein. Was, wenn die alten Wetteraufzeichnungen fehlerhaft sind? Was, wenn andere Ursachen als das Treibhausgas CO2 die Erde immer wärmer machen? Auch darauf findet Lamb Antworten.

Selbst wenn die gesamte Forscher-Gemeinde täglich und seit Jahrzehnten Unsinn messen würde; die Existenz des Treibhauseffekts widerlege das nicht. Der Zusammenhang zwischen CO2-Konzentration in der Atmosphäre und der Erwärmung sei Wissenschaftlern längst bekannt gewesen, erklären Physiker in Thin Ice, und zwar schon bevor man Messdaten und Klimamodelle hatte. Kohlendioxid absorbiert einfach mehr Sonnenenergie als andere Gase – pure Physik sei das.