Die größte Müllkippe der Welt ist das Meer. Plastiktüten, Flaschen, Verpackungen, all das wabert in den Ozeanen, und täglich kommt neuer Abfall dazu. Nur langsam zersetzt er sich und setzt dabei giftige Chemikalien frei. 142 Millionen Tonnen Plastikmüll verschmutzen schon jetzt die Weltmeere, schätzen Fachleute des Umweltbundesamtes. Doch wie verhindert man, dass noch mehr Müll in die Meere gelangt? Und was soll mit dem bereits im Meer treibenden Abfall geschehen? Wissenschaftler, Umweltaktivisten und einzelne Erfinder haben zumindest Ideen, wie der Mensch die Meere säubern könnte.

Der Dreck aus der Tiefsee wird meist als Beifang in Fischernetzen sichtbar. Anstatt die Zufallsfunde jedoch sachgerecht zu entsorgen, schmeißen viele Fischer den Müll zurück ins Wasser. In den Häfen müssten sie sonst zahlen, um den Dreck wieder loszuwerden. Um das zu ändern, verteilt die 2003 von der Umweltorganisation Kimo gestartete Initiative Fishing for Litter Industrie-Müllsäcke an Fischer. Zudem stehen in einigen Häfen der Niederlande, Belgiens und Schottlands Container für die kostenlose Entsorgung.

Seit zwei Jahren beteiligt sich auch Deutschland unter Federführung des Nabu daran. "Helme, Kabel, Overalls, Kanister, Folien – all das landet in den Containern", sagt Kim Detloff, der das Projekt für den Nabu leitet. "Das sind alles Sachen, die aus der Hochseeschifffahrt stammen, nicht von Standtouristen." Umweltschützer analysieren den Abfall, um herauszufinden, wer ihn verklappt hat. Anschließend soll möglichst viel recycelt werden. 

Doch die Fischer auf Müllfang können kaum etwas ausrichten. "Die Müllmengen, die solche Projekte an Land bringen, sind verschwindend gering im Vergleich zur Gesamtmenge, wenn man sich die Dimension des Ozeans bewusst macht", sagt Lars Gutow, Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung. "Das Wasser befindet sich in einem ständigen Austausch. Wenn man etwa bei Sammelaktionen am Strand an einem Ende ankommt, kann man eigentlich gleich wieder von vorn anfangen." Dennoch seien solche Aktionen wichtig, weil sie ein Problembewusstsein schaffen.

Ähnlich sehen es die Fachleute vom Umweltbundesamt: Sie halten es für viel zu teuer und aufwändig, die großen Müllstrudel zu heben. 70 Prozent des Meeresmülls befänden sich ohnehin auf dem Grund. Schleppnetze sind keine Option, da sie den Lebewesen auf dem Meeresboden zu sehr schaden. Ohne die Hilfe von Tauchern sei der Müll also nicht zu bergen. Das Umweltbundesamt setzt derzeit darauf, weiteren Abfall von den Ozeanen fern zu halten.

Mikroben als Müllfresser

Soll der Mensch den bisherigen Dreck im Meer einfach hinnehmen? Nicht, wenn es gelänge, den Abfall noch im Wasser zu zersetzen. Mithilfe von Mikroben zum Beispiel. Im Jahr 2011 entdeckte der US-amerikanische Meeresbiologe Tracy Mincer auf kleinen Plastikstücken Proteobakterien, die sich in den Kunststoff fraßen. Die Müllbeißer waren bis dahin nur von Abfallhalden an Land, nicht jedoch aus dem Meer bekannt.

Seither erforscht Mincer mit seinen Kollegen am Woods-Hole-Institut für Ozeanographie, einer privaten und von der Industrie mitfinanzierten Forschungseinrichtung in Massachusetts, die Stoffwechselwege dieser Mikroben. "Wir arbeiten derzeit daran, wie sich die Bakterien auf dem Plastik festsetzen und welche Nebenprodukte bei dem Zersetzungsvorgang entstehen." Ob sie der Umwelt einen Gefallen tun, lässt sich also noch nicht sagen. Denkbar wäre nämlich auch, dass sie die Giftstoffe aus dem Plastik durch die Verdauung des Mülls überhaupt erst freisetzen.

"Auch wenn sich die Bakterien natürlicherweise im Ozean von Plastik ernähren, werden sie unser großes Müllproblem nicht lösen", sagt hingegen der Meeresbiologe Gutow. Unmengen solcher Bakterien zusätzlich im Ozean auszusetzen, sei sicherlich nicht der richtige Weg. Plastik, das sich bereits in kleine Schwebeteilchen aufgelöst hat, mit feinen Filtern aus dem Meer zu holen, berge wiederum das Problem, dass nützliche Bakterien und für das Ökosystem wichtiges Plankton gleich mit entsorgt werden würden.