EvolutionPinguinen wurde Fliegen zu anstrengend

Erstmals belegen Forscher, warum Pinguine zu flugunfähigen Vögel wurden. Tauchen fiel den Tieren schlicht leichter. Das zeigen Vergleiche mit anderen Seevogelarten. von 

Dickschnabellumme im Flug

Dickschnabellumme im Flug  |  © Kyle H. Elliott

An Land wirken Pinguine unbeholfen: Ihre Beine scheinen zum Laufen zu kurz geraten, ihre stummeligen Flügel können den Körper nicht in die Luft heben. Während sie übers Eis watscheln, schwanken die Vögel hin und her. Um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, strecken sie ihre gefiederten Gliedmaßen seitlich vom Körper weg. Ihr Element ist das Wasser, nicht die Luft. Im Laufe der Evolution hat sich die Anatomie der Seevögel perfekt daran angepasst. Ihr stromlinienförmiger Körper erlaubt es Pinguinen, mühelos durchs Wasser zu gleiten. Ihre Flügel setzen sie dabei als Flossen ein.

Die imposanten Tauchkünste hatten ihren Preis. Die Vögel verloren wohl ihre Flugkünste. Je besser sich die Flügel der Pinguine ans Wasser anpassten, desto mehr Energie verbrauchten die Tiere beim Fliegen, schreiben der kanadische Forscher Kyle Elliot von der University of Manitoba in Kanada und seine Mitarbeiter im Magazin PNAS. Der erhöhte Energieverbrauch erkläre, warum Pinguine das Fliegen vor mehr als 50 Millionen Jahren ganz einstellten.

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Um das zu belegen, mussten sich die Forscher andere Vögel als Pinguine suchen. Denn die können ja nicht mehr fliegen. Also wählten die Forscher für ihre Untersuchungen zwei Arten, die gut tauchen, aber auch noch fliegen können: Dickschnabellummen und die zu den Kormoranen gehörenden Meerscharben.

Gute Taucher, schlechte Flieger

Beide Vogelarten verbrauchen beim Fliegen sehr viel Energie – genau genommen mehr als jedes andere bislang untersuchte Wirbeltier. Besonders schwer haben es die Dickschnabellumen: Ihr Energieaufwand in der Luft ist sogar um ein Drittel höher als biomechanische Berechnungen es anhand ihres Körperbaus erahnen lassen. Dies deute auf eine geringe Muskel- oder mechanische Effizienz hin, schreiben die Forscher. Die Flügel trügen beim Fliegen die höchste je bei einem flugfähigen Vogel gemessene Flächenbelastung.

Beim Tauchen hingegen schnitten die Dickschnabellumen besser ab. Ihr Energieverbrauch war mit ihren "Flügelflossen" deutlich geringer als bei den mit ihren Füßchen rudernden Meerscharben – wenngleich sie deutlich über denen von Pinguinen lagen. 

Dass Pinguine nicht fliegen, weil der Energieaufwand zu hoch wäre, ist nicht neu, sondern eine gängige Theorie. Die Ergebnisse der Forscher belegen jedoch, dass die Optimierung der Flügelform für Tauchbewegungen für den erhöhten Energieaufwand verantwortlich war.

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Leserkommentare
  1. Pöh! Das nennt sich Ressort Wissen.

    Das Pinguine nicht fliegen können, ist doch längst widerlegt.

    http://www.youtube.com/wa...

    8 Leserempfehlungen
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    Moin,

    das Video hatte ich auch sofort in Erinnerung. Habe sogar mal eine Kollegin damit aufs Glatteis geführt,
    bis sie den "Forscher" wiedererkannt hat :-)

    CU

    • Jouba
    • 22. Mai 2013 14:22 Uhr

    Aber cooles Video!

  2. 2. [..]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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    Gerade Kreativität zeichnet sich dadurch aus, dass sie Zusammenhänge sieht, wo viele nichts sehen als zwei unzusammenhängende Erscheinungen.

  3. "Pinguinen wurde Fliegen zu anstrengend" - sind wir wieder bei der Theorie von Lamack? Ich dachte, in Schulen wird Darwin gelehrt...

    Lamarck ging davon aus, dass die Tiere aktiv etwas taten um eine Veränderung herbeizuführen, hier: Fliegen war zu anstrengend, darum schwimmen sie nun.
    Darwin dagegen argumentiert mit dem Selektionsdruck, hier: Pinguine, die Schwimmspezialisten waren, haben eher überlebt und sich dadurch stärker fortgepflanzt.

    7 Leserempfehlungen
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    Das Problem liegt zum einen, dass naturwissenschaftliche Artikel schlecht recherchiert werden (in anderen Ressorts mag es ebenso sein, hier kann ich es mit Sicherheit sagen). Es würde mich nicht wundern, wenn der Autor den Gegensatz von Darwin und Lamarck nicht (er-)kennen würde.

    Zum anderen ist es relativ schwierig, über die Evolutionstheorie zu Menschen, die sie noch nicht verstanden haben zu sprechen, denn es schleifen sich schnell Lamarck´sche Sprachmuster (die Evolution entwickelt das Chlorophyll; weil das Fliegen zu Aufwendig ist, entwickeln Pinguine das Tauchen) ein. Oder es entstehen korrekte, aber schwerer verständliche Konstruktionen (Die Piguine, die sich weniger in der Luft und mehr im Wasser bewegten, hatten bessere Überlebenschancen und damit im Mittel mehr Nachkommen, als diejenigen, die mehr flogen, so dass sich im Laufe der Generationen die Fortbewegung im Wasser durchgesetzt hat).

    Wer die Evolutionstheorie verstanden hat, wird auch den ersten, formal falschen, Satz richtig im Sinne der natürlichen Selektion deuten, wer sie nicht verstanden hat, wird bei der korrekten Variante etwas nachdenken müssen.
    Eignet sich also nicht für das Publikum!?

    Eine journalistische Leistung wäre es, hier eine verständliche Sprache, die trotzdem richtig ist, zu finden.

    Redaktion

    Lieber Derdriu,

    vielen Dank für den Hinweis. Die Formulierung "Pinguinen wurde Fliegen zu anstrengend" mag an Lamarcks Evolutionstheorie erinnern.
    Das war keine Absicht. Die Flügel der Pinguine haben sich im im Laufe der Evolution an die Fortbewegung im Meer angepasst, weil ihnen das vermutlich einen Selektionsvorteil verschafft hat (etwa ein besseres Nahrungsangebot). Von den "Tauchern" mit den flossenartigen Flügeln haben also offenbar mehr überlebt als von den "Fliegern". Sie gaben ihr Erbgut an die Folgegenerationen weiter. Die "Flieger" starben wahrscheinlich irgendwann aus.
    Die Tauchern hätten wegen ihrer Flügelform enorm viel Energie aufbringen müssen, um zu fliegen. Ihnen war es also zu anstrengend. Der Titel des Artikels ist demnach nicht falsch.

    Beste Grüße,
    Lydia Klöckner

  4. Das Problem liegt zum einen, dass naturwissenschaftliche Artikel schlecht recherchiert werden (in anderen Ressorts mag es ebenso sein, hier kann ich es mit Sicherheit sagen). Es würde mich nicht wundern, wenn der Autor den Gegensatz von Darwin und Lamarck nicht (er-)kennen würde.

    Zum anderen ist es relativ schwierig, über die Evolutionstheorie zu Menschen, die sie noch nicht verstanden haben zu sprechen, denn es schleifen sich schnell Lamarck´sche Sprachmuster (die Evolution entwickelt das Chlorophyll; weil das Fliegen zu Aufwendig ist, entwickeln Pinguine das Tauchen) ein. Oder es entstehen korrekte, aber schwerer verständliche Konstruktionen (Die Piguine, die sich weniger in der Luft und mehr im Wasser bewegten, hatten bessere Überlebenschancen und damit im Mittel mehr Nachkommen, als diejenigen, die mehr flogen, so dass sich im Laufe der Generationen die Fortbewegung im Wasser durchgesetzt hat).

    Wer die Evolutionstheorie verstanden hat, wird auch den ersten, formal falschen, Satz richtig im Sinne der natürlichen Selektion deuten, wer sie nicht verstanden hat, wird bei der korrekten Variante etwas nachdenken müssen.
    Eignet sich also nicht für das Publikum!?

    Eine journalistische Leistung wäre es, hier eine verständliche Sprache, die trotzdem richtig ist, zu finden.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Lamarck?"
  5. Moin,

    das Video hatte ich auch sofort in Erinnerung. Habe sogar mal eine Kollegin damit aufs Glatteis geführt,
    bis sie den "Forscher" wiedererkannt hat :-)

    CU

    Antwort auf "Pinguine fliegen! "
    • inecht
    • 22. Mai 2013 7:19 Uhr

    Gott wollte nicht, daß sie fliegen.
    Da weltweit die Evolutionstheorie weniger Zustimmung findet als der Glaube an eine Schöpfung, sollte das nicht unerwähnt bleiben...

    Eine Leserempfehlung
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    ER hat es sich anders überlegt.

    Über den Kreationismus mag man denken, wie man möchte.
    Allerdings ist es keine Meinung zu sagen, dass er keine wissenschaftliche Theorie ist. Das ist ein Faktum.

    Eine wissenschaftliche Theorie muss Kriterien erfüllen, sie muss falsifizierbar sein. Da der Kreationismus das nicht ist, kann er nicht mit wissenschaftlichen Theorien verglichen werden, das ist keine Meinung.

    Was die Mehrheit der Leute glaubt, spielt in der Wissenschaft eigentlich keine Rolle. Die meisten Menschen, die mal was von Atomen gehört haben, stellen sie sich als Minisonnensysteme vor. Das ist falsch, reicht aber für den Alltag meist aus.
    Viele Leute, die mal etwas von der Evolotionstheorie gehört haben, stellen sich vor, "vom Affen abzustammen". Das ist einfach nur falsch und hat nicht mal didaktischen Nutzen.

  6. ER hat es sich anders überlegt.

  7. Sagt der eine Pinguin zum anderen: "Boah, das dauert mir hier zu lange, ich habe heute schon echt kein Bock mehr zum Fliegen, lass ma lieber tauchen gehen."
    Evolution - True Story

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Energieverbrauch | Anatomie | Evolution | Tier
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