Hamburger Hafen : Brennender Frachter hatte radioaktives Material geladen

Uranhexafluorid war an Bord des Frachtschiffs, das vor zwei Wochen im Hamburger Hafen gebrannt hat. Das hat der Senat bestätigt. Die Opposition spricht von Vertuschung.

Zwei Wochen nach dem Brand eines Frachters im Hamburger Hafen ist bekannt geworden, dass das Schiff gefährliche Ladung an Bord hatte. Die Atlantic Cartier, auf der am 1. Mai ein Feuer ausgebrochen war, hatte nach Angaben des Senats der Hansestadt unter anderem 8,9 Tonnen Uranhexaflourid, Munition, Raketenbrennstoff und weitere brennbare Chemikalien geladen. Laut EU-Gefahrenstoffkennzeichnung ist Uranhexafluorid stark giftig und umweltschädlich. Zudem ist es radioaktiv.

Die zuständigen Behörden hatten nach dem Feuer lediglich bekannt gegeben, dass das 292 Meter lange Container- und Fahrzeugtransportschiff der Reederei ACL auch Gefahrgut geladen hatte. Die Einsatzkräfte brachten demnach während der stundenlangen Löscharbeiten mehrere Container in Sicherheit.

Wie der Senat auf eine Anfrage der Grünen im Stadtparlament mitteilte, hievten die Einsatzkräfte 33 Gefahrgut-Container mit Kränen aus dem "unmittelbar gefährdeten Bereich" an Land. Gefahrenstoffe seien bei dem Brand nicht ausgetreten, betonte der Senat.

Auf einem Deck des Schiffs waren aus bislang ungeklärter Ursache Autos in Brand geraten. Das zog einen Großeinsatz mit 300 Feuerwehrleuten und mehreren Löschbooten nach sich.

Der Brand war ausgebrochen, nachdem in der nahe gelegenen Hafencity tausende Besucher die Eröffnung des Kirchentags gefeiert hatten. Vertreter der Hamburg Innen- und Umweltbehörde sagten dem Hamburger Abendblatt, dass keine Gefahr für die Besucher bestanden hätte. Dies war zuvor von Politikern der oppositionellen Hamburger CDU und der Grünen  in Zweifel gezogen worden.

Grüne empört

Der Grünen-Hafenexperte Anjes Tjarks bezeichnet es als "Ungeheuerlichkeit", dass der Senat die Öffentlichkeit nicht von sich aus über die Ladung informiert habe. "Hier muss man schon fast von einem Vertuschungsversuch sprechen." Es sei "nicht auszudenken", was bei dem Unglück nahe der Innenstadt hätte passieren können.

Unterdessen berichtet der NDR, dass Frachter der Atlantic Container Line in den vergangenen drei Monaten 21 Mal mit radioaktivem Material in den Hafen eingefahren seien. Mindestens fünf Mal hätten diese Schiffe Uranhexafluorid geladen gehabt.

Aus Uranhexafluorid lassen sich Brennelemente für Kernkraftwerke herstellen. Der kristalline Stoff ist nicht brennbar. Er ist extrem leicht flüchtig und reagiert stark mit Wasser. Dabei wird unter anderem ein äußerst ätzendes und hochgiftiges Fluor-Gas frei. Für diese Reaktion reicht bereits Luftfeuchtigkeit aus. Das enthaltene Uran ist ebenfalls giftig und zudem radioaktiv.

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Kommentare

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Brennelemente für Kernkraftwerke

Uranhexaflourid eignet sich, wie es im Artikel steht,zur Herstellung von Brennelementen für Kernkraftwerke und die Munition könnte m.E. für das Sicherheitspersonal das die Anlagen schützt bestimmt sein. Es wird sich um ein Kernkraftwerk von gigantischem Ausmaß handeln, denn im Artikel wird erwähnt, dass dass Frachter in den vergangenen drei Monaten 21 Mal mit radioaktivem Material in den Hafen eingefahren sei. Daraus lassen sich viele Brennelemente herstellen.