Die Hochwasserlage in Bitterfeld hat sich erheblich zugespitzt. Etwa 10.000 Menschen wurden aufgefordert, vorsorglich ihre Häuser zu verlassen. Es sei nicht klar, wann und wie stark Wasser aus dem Goitzschesee in die Stadt eindringen werde, teilte der stellvertretende Landrat Bernhard Böddeker mit. Es wurden Notunterkünfte für die Bewohner eingerichtet.

Die Gefahr sei groß, weil im sächsischen Löbnitz ein Deich gebrochen sei. Es fließe sehr viel Wasser in einen See, der direkt neben dem Goitzschesee liegt. Nun soll ein Kanal zwischen den beiden Seen gebaut werden, um die Wassermassen zu kontrollieren. Unklar ist noch, ob möglicherweise dafür eine Sprengung nötig ist.

Auch die Lage an der Elbe hat sich zugespitzt. Das Hochwasser dort wird nach Einschätzung des sächsischen Innenministeriums wahrscheinlich ähnliche Ausmaße wie im Jahr 2002 annehmen. "Wir rechnen mit einem Pegelstand von neun Metern plus X", hieß es im Innenministerium.   

Hochwasser wie vor elf Jahren

Bedroht seien neben der Landeshauptstadt Dresden alle Ortschaften entlang des Stroms. Bevölkerung und Behörden müssten sich auf eine vergleichbare Situation wie beim Hochwasser vor elf Jahren einrichten. "Wir sind auf eine langanhaltende Situation vorbereitet", hieß es weiter. Entlang des Elbufers bauten Hunderte Helfer die Schutzwände auf und stapelten Sandsäcke.

Gegen 14.00 Uhr am heutigen Dienstag stand der Pegel in Dresden bei 7,61 Metern. 2002 war die historische Altstadt von Dresden überflutet worden. Damals war ein Pegelstand von 9,40 Metern erreicht worden.

Stand: 4. Juni 2013, 16 Uhr © ZEIT ONLINE

Zusätzlich zu den heftigen Niederschlägen wird die Elbe mit den großen Wassermassen der Moldau aus Tschechien gespeist. Das Zentrum der Stadt Meißen meldete bereits einen hohen Wasserstand. In Sachsen sind weit über 9.000 Helfer im Einsatz. Neben Feuerwehrleuten, Polizisten und Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks sind auch Soldaten der Bundeswehr vor Ort.

Wassermassen ziehen weiter nach Norden

Das Hochwasser in Tschechien bahnt sich nun seinen Weg in Richtung der deutschen Grenze. Die Moldau erreichte nach Angaben der Behörden in der Hauptstadt Prag ihren Scheitelpunkt, während die Wassermassen weiter nach Norden zogen und am Abend in der Elbstadt Usti-nad-Labem erwartet wurden. Die Zahl der Todesopfer in Tschechien stieg auf mindestens acht, Hunderte Menschen waren ohne Strom.

In Halle in Sachsen-Anhalt kämpfen Hunderte Einsatzkräfte mithilfe der Bundeswehr um die Deiche an der Saale. "Die Dämme sind sehr aufgeweicht", sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Mit Sandsäcken werde versucht, den Gimritzer und den Passendorfer Damm zu stützen. Zudem seien Schlamm und Morast angefahren worden.