Passauer Bürger versuchen mit Sandsäcken die Wassermassern im historischen Stadtzentrum aufzuhalten. © Lennart Preiss/Getty Images

Wie kommen extreme Regenfälle mit anschließenden Fluten wie in Bayern, Sachsen und Thüringen überhaupt zustande?

Wie schon während des Elbhochwasser 2002 ist auch jetzt in den überfluteten Gebieten ein sogennantes Vb-Tief die Ursache. Dabei windet sich feuchtwarme Mittelmeerluft im Uhrzeigersinn über Osteuropa nach Deutschland, wo es dann an den Mittelgebirgen und Alpen zu starken Regenfällen kommt. Da es bereits seit Wochen viel geregnet hat, sind die Böden durchnässt und nehmen kein Wasser mehr auf. Anliegende Flüsse schwellen mehr und mehr an.

Wie kann man sich vor den Wassermassen schützen?

Die derzeitigen Hochwasser sind in ihrer Stärke außergewöhnlich. In Passau wurde beispielsweise der Rekordpegel von 12,22 Metern aus dem Jahr 1501 überschritten. Dennoch gibt es Möglichkeiten, wie Staat und Anwohner solchen Katastrophen begegnen können.

Deiche und Schutzmauern können die Fluten zurückhalten. Doch in den Altstädten etwa von Dresden oder Passau sind solche baulichen Eingriffe kaum umzusetzen. Das historische Stadtbild könnte zu sehr leiden. Deshalb werden weiter oberhalb am Flusslauf Rückhaltebecken errichtet. Allein in Bayern gibt es 25 solcher Speicher. Die sind geeignet, große Wassermengen aufzunehmen und so die Flußpegel zu entlasten.

Eine Alternative sind Flutpolder: Das sind Wiesen und Ackerflächen, die im Hochwasserfall gezielt unter Wasser gesetzt werden. Dazu seien allerdings verlässlichere Prognosen der Pegel notwendig und eine optimale Steuerung der Wassermassen, sagt Peter Rutschmann, Professor für Wasserbau an der TU München: "Da gibt es vielerorts noch Verbesserungsbedarf."

Auch Anwohner wappnen sich gegen Hochwasser. Der Wasserbauingenieur Jürgen Jensen von der Uni Siegen sagt, man könne Fenster und Türen inzwischen zu bezahlbaren Preisen wasserdicht abschließen: "Dass Wasser durch die Tür läuft muss heutzutage nicht mehr sein." Auch Sandsäcke seien inzwischen veraltet, besser wären mit Wasser oder Luft gefüllte Schläuche.

Stand: 4. Juni 2013, 16 Uhr © ZEIT ONLINE

Was wurde seit dem Jahrhunderthochwasser an der Elbe 2002 getan?

Im Mai 2005 verabschiedete die rot-grüne Bundesregierung ein Hochwasserschutzgesetz. Damit gab es erstmals bundesweit einheitliche Vorgaben für den Hochwasserschutz. Die Umsetzung ist jedoch zu großen Teilen Ländersache. Bayern will bis 2020 2,3 Milliarden Euro für den Hochwasserschutz ausgeben. Einige Verbesserungen greifen schon. Frühwarnsysteme wurden verbessert, sie haben in diesem Jahr besser gegriffen. Zudem wurden Deiche erhöht und ertüchtigt, sie brechen seitdem weniger schnell. Doch das Risiko eines Hochwassers sei dadurch paradoxerweise nicht gesunken, kritisiert die Umweltorganisation WWF.