HochwasserSo kämpft Deutschland gegen die Flut

Extreme Flutkatastrophen könnten sich häufen. Viel wird bereits getan, um das Wasser aufzuhalten. Was muss noch geschehen? Fragen und Antworten zum Hochwasserschutz von  und Christian Endt

Passauer Bürger versuchen mit Sandsäcken die Wassermassern im historischen Stadtzentrum aufzuhalten.

Passauer Bürger versuchen mit Sandsäcken die Wassermassern im historischen Stadtzentrum aufzuhalten.  |  © Lennart Preiss/Getty Images

Wie kommen extreme Regenfälle mit anschließenden Fluten wie in Bayern, Sachsen und Thüringen überhaupt zustande?

Wie schon während des Elbhochwasser 2002 ist auch jetzt in den überfluteten Gebieten ein sogennantes Vb-Tief die Ursache. Dabei windet sich feuchtwarme Mittelmeerluft im Uhrzeigersinn über Osteuropa nach Deutschland, wo es dann an den Mittelgebirgen und Alpen zu starken Regenfällen kommt. Da es bereits seit Wochen viel geregnet hat, sind die Böden durchnässt und nehmen kein Wasser mehr auf. Anliegende Flüsse schwellen mehr und mehr an.

Wie kann man sich vor den Wassermassen schützen?

Die derzeitigen Hochwasser sind in ihrer Stärke außergewöhnlich. In Passau wurde beispielsweise der Rekordpegel von 12,22 Metern aus dem Jahr 1501 überschritten. Dennoch gibt es Möglichkeiten, wie Staat und Anwohner solchen Katastrophen begegnen können.

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Deiche und Schutzmauern können die Fluten zurückhalten. Doch in den Altstädten etwa von Dresden oder Passau sind solche baulichen Eingriffe kaum umzusetzen. Das historische Stadtbild könnte zu sehr leiden. Deshalb werden weiter oberhalb am Flusslauf Rückhaltebecken errichtet. Allein in Bayern gibt es 25 solcher Speicher. Die sind geeignet, große Wassermengen aufzunehmen und so die Flußpegel zu entlasten.

Eine Alternative sind Flutpolder: Das sind Wiesen und Ackerflächen, die im Hochwasserfall gezielt unter Wasser gesetzt werden. Dazu seien allerdings verlässlichere Prognosen der Pegel notwendig und eine optimale Steuerung der Wassermassen, sagt Peter Rutschmann, Professor für Wasserbau an der TU München: "Da gibt es vielerorts noch Verbesserungsbedarf."

Auch Anwohner wappnen sich gegen Hochwasser. Der Wasserbauingenieur Jürgen Jensen von der Uni Siegen sagt, man könne Fenster und Türen inzwischen zu bezahlbaren Preisen wasserdicht abschließen: "Dass Wasser durch die Tür läuft muss heutzutage nicht mehr sein." Auch Sandsäcke seien inzwischen veraltet, besser wären mit Wasser oder Luft gefüllte Schläuche.

Stand: 4. Juni 2013, 16 Uhr

Stand: 4. Juni 2013, 16 Uhr  |  © ZEIT ONLINE

Was wurde seit dem Jahrhunderthochwasser an der Elbe 2002 getan?

Im Mai 2005 verabschiedete die rot-grüne Bundesregierung ein Hochwasserschutzgesetz. Damit gab es erstmals bundesweit einheitliche Vorgaben für den Hochwasserschutz. Die Umsetzung ist jedoch zu großen Teilen Ländersache. Bayern will bis 2020 2,3 Milliarden Euro für den Hochwasserschutz ausgeben. Einige Verbesserungen greifen schon. Frühwarnsysteme wurden verbessert, sie haben in diesem Jahr besser gegriffen. Zudem wurden Deiche erhöht und ertüchtigt, sie brechen seitdem weniger schnell. Doch das Risiko eines Hochwassers sei dadurch paradoxerweise nicht gesunken, kritisiert die Umweltorganisation WWF.

Leserkommentare
  1. "Georg Rast, WWF-Referent für Wasserbau und Hydrologie. "Die Elbe und ihre Nebenflüsse sind noch immer in ein gefährliches und unnatürliches Korsett gezwängt."

    Naja, für die Nebenflüsse trifft das teilweise zu. Für die Elbe selbst weniger. Es gibt kaum einen Fluss, der weniger verbaut ist, als die Elbe -zumindest in seinem Oberlauf und auf deutscher Seite, wohlgemerkt.

    Als *Referent für Wasserbau und Hydrologie* hätte er durchaus *bessere Beispiele* nennen können.

    Gleichwohl wurde in den vergangenen Jahren auch dort oft *zu nah am Wasser gebaut*. Die eigentlichen Ursachen allerdings dürften stromauf der Nebenflüsse liegen. Böden können durch durch Verdichtung 90% ihres Wasserhaltevermögens verlieren usw.

    Und am Wetter liegt es auch ein bisschen.

  2. Ich fürchte mit Korrekturen ist da nicht viel zu machen. Ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, dass sich daran orientiert immer den höchsten Profit zu erwirtschaften, denkt nach dem Hochwasser wie bei allen anderen Umweltproblemen nur sehr begrenzt an das nächste.

    Die Versiegelung zu stoppen ist ein alter Hut, nichts hat sich in den vergangenen Jahren in diese Richtung getan: Der Dorfbürgermeister darf sich immer noch damit schmücken, wenn Fa. XY ein weiteres eingeschossiges Betonlagerhaus auf einem Magerrasen errichtet. Die Augen der Förster leuchten wie die kleiner Buben, wenn sie das Wort 30-Tonnen-Harvester hören (Stichwort Bodenverdichtung), die Maisflächen nehmen rapide zu, weil für das energetische "Glück" der Deutschen ja bekanntlich "regenerative" Energien ein absolutes MUSS darstellen und das Klima mag sich ändern, aber wen juckt das alles schon? Die Passauer? Ich komme doch nicht aus Passau!

    3 Leserempfehlungen
  3. ... sind Artikel wie dieser, wenn sie Hochwassergefährdeten falsche Hoffnungen unterjubeln. Es gibt nur einen sicheren Tipp, wie man sich vor Hochwasser (Flußhochwasser) schützen kann: Nicht in ein Risikogebiet ziehen! Nie!
    Aber wer hört das schon gern, wo "Wasserlagen" (z.B. umgebaute Häfen) DER Renner sind und die Leute jeden Preis zahlen. Außerdem wetteifern die Bauämter aller Kommunen im Ausweisen neuer Baugebiete in Risikozonen - gleichzeitig werden die Gewässer "ausgesperrt" und rächen sich durch höhere Pegel (das ist einfache Physik). Heißt also im Klartext: Einen sicheren Schutz gibt es am Bach und am Fluß nicht. Für jeden Deich gibt es eine passende höhere Flut. Natürlich könnte mensch "hochwasserangepaßt" bauen und wohnen. Ist aber sehr unbeliebt, weil dann die Rendite sinkt (Untergeschoß anders oder gar nicht nutzen, keine teure Brennwertheizung oder BHKW im Keller usw. - da hört schnell der Spaß auf). Und richtig gefährlich ist der undifferenzierte Ratschlag: "Machen Sie doch einfach Türen und Fenster dicht". Das hat schon manchem das Häuschen zerstört, weil es eben statisch nicht als Schwimmkörper ausgelegt und eben mal die Bodenplatte aufgebrochen ist.
    Die immer gern geforderten Retentionspolder (gesteuert) können bisweilen helfen, das Problem bleibt.
    Ernüchterndes Fazit: Raum für den Fluß - und zwar ohne faule Tricks. Will aber keiner, also wird es steigende Schäden und ansteigendes Gejammer geben...
    BI Hochwasser Köln-Rodenkirchen - Website: hochwasser.de

    2 Leserempfehlungen
    • Aluni
    • 07. Juni 2013 1:22 Uhr

    Kunstdüngerwirtschaft, Pestizide, Grünlandumbrüche in Flussauen, Vernachlässigung der Fruchtfolge, jahrzehntelang Mais auf Mais, das alles zusammen vermindert dramatisch die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden und führt zu oberflächlichem schnellem Abfluss des Regenwassers. Daran können und sollten wir was ändern, das würde mehr bringen als einzelne Polder!

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  • Schlagworte Fluss | Flut | Hochwasser | Bayern | Passau | Dresden
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