"Am Maria Magdalenatag und am folgenden Tag fiel ein außerordentlicher Wolkenbruch, welcher den Mainstrom so sehr anschwellte, daß der selbe allenthalben weit aus seinem Bette trat, Äcker und Weingärten zerstörte und viele Häuser samt Bewohner fortriß. Auch die Brücke in Würzburg sowie die Brücken anderer Mainstädte wurden durch die Wuth des Gewässers zertrümmert. In der Stadt Würzburg trat der Strom bis an die erste steinerne Säule an den Domgreden." (Chronik der Stadt Würzburg)

Als die Katastrophe losbricht, haben die Menschen im Jahr 1342 schon einiges hinter sich: Einen eisigen Winter mit viel Schnee und dann plötzlich Tauwetter. In Prag hat die Moldau die Judithbrücke – den Vorläufer der heutigen Karlsbrücke – schon fortgerissen, als der Frost wieder einsetzt. Im April schneit es in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz.

Es bleibt den ganzen Frühling nass und kalt. Eine kurze Hitzewelle Anfang Juli bringt nur vorübergehend Erleichterung. Und dann hört es nicht mehr auf zu regnen.

Dauerregen im Sommer 1342

Es beginnt am 19. Juli in Franken. Der Regen breitet sich nach Nordwesten aus. Am 22. Juli hat er die untere Weser erreicht, am 25. Juli die Nordseeküste. Tagelang prasselt das Nass vom Himmel: Main, Rhein, Donau, Weser und Elbe schwellen an.

Das Magdalenenhochwasser geht in diesen Tagen in die Geschichte ein, benannt nach dem Tag der Heiligen Maria Magdalena. Die tiefen Spuren der Mittelalter-Flut sind bis heute in der Natur sichtbar. 

Erschienen auf spektrum.de © Screenshot ZEIT ONLINE

"In diesem Sommer war eine so große Überschwemmung der Gewässer durch den ganzen Erdkreis unserer Zone, die nicht durch Regengüsse entstand, sondern es schien, als ob das Wasser von überall her hervorsprudelte, sogar aus den Gipfeln der Berge […], und über die Mauern der Stadt Köln fuhr man mit Kähnen […], Donau, Rhein und Main trugen Türme, sehr feste Stadtmauern, Brücken, Häuser und die Bollwerke der Städte davon, und die Schleusen des Himmels waren offen, und es fiel Regen auf die Erde wie im 600. Jahre von Noahs Leben […], ereignete es sich in Würzburg, daß dort der Main mit Gewalt die Brücke zertrümmerte und viele Menschen zwang, ihre Behausungen zu verlassen." (Curt Weikinn)

"Die Wassermassen waren enorm: Sie entsprachen dem 50- bis 100-Fachen des Hochwassers an der Oder 1997 oder der Elbe 2002 und 2013", sagt Ökosystemforscher Hans-Rudolf Bork von der Universität Kiel, der sich intensiv mit dem Jahr 1342 befasst hat.

In Nürnberg reichten die Fluten der Pegnitz bis zum Rathaus, in Frankfurt bis zur Bartholomäuskirche, in Limburg an der Lahn konnte man mit Booten die Stadt durchqueren, in Würzburg überschritt der Main die Zehn-Meter-Marke, in Kassel standen Alt- und Neustadt unter Wasser – Pegelstände, die seitdem nicht mehr erreicht wurden.

Dabei konnte sich das Wasser ungestört in der Landschaft ausbreiten. Noch waren die Flüsse unverbaut. "In den überschwemmten Auen Mitteleuropas wurden zahlreiche Gebäude fortgerissen. Menschen flohen auf höher gelegene Standorte und bauten dort Nothütten. Teile der Auen waren unbewohnbar geworden und wurden teilweise als Siedlungsorte aufgegeben", sagt Bork.

Die Wetterlage ist mit heute vergleichbar

Schuld war eine für Hochwasser typische Wetterkonstellation, die Meteorologen Vb-Strömung nennen. "Es war die gleiche Wetterlage wie 1997, 2002 oder 2013 – ein ergiebiges Paket feuchter Luft, das von der Biskaya her über den Golf von Genua über die Alpen zieht",  erklärt der Freiburger Geograf Rüdiger Glaser. Ausregnen könne sich so etwas durchaus ein paar Hundert Kilometer weiter. 1342 hatte die Vb-Wetterlage ihr Zentrum über dem Maingebiet.

Von Südosten wanderte dieses Tief nach Nordwesten. "Es gibt zirka 100 Schriftquellen, die verstreut über Deutschland beschreiben, was 1342 passierte. Viele davon erfassen tagesgenau die Ereignisse", sagt Bork.

"Die […] Kirchen waren mit Wasser bedeckt […]. St. Leonhard war angefüllt mit Wasser bis zur Spitze oder gewölbtem Dach […], die der Caemeliter und Betreuenden hatte 7 Fuss, die Kirche des St. Bartholomäus 3 Fuss Wasserhöhe." (Latomus Acta).