Hochwasser-FolgenJetzt kommt die Mückenplage

Die Nässe und das warme Wetter begünstigen Stechmücken. Ein Mückenatlas soll erfassen, welche Arten sich ausbreiten und ob sie Krankheiten übertragen. von Ralf Nestler

Das Wasser verschwindet, nun kommen die Mücken. Entlang von Donau und Elbe wachsen dieser Tage unzählige der Insekten heran, die auf den überfluteten Äckern und Wiesen hervorragende Brutstätten finden. Natürliche Feinde wie Fische gibt es dort kaum, obendrein soll es weiterhin sommerlich warm bis heiß sein. "Das sind ideale Bedingungen für die Tiere", sagt der Mückenspezialist Heinz Mehlhorn von der Universität Düsseldorf. In zwei bis drei Wochen, schätzt er, werde die Plage da sein.

Denn so lange dauert es, bis aus den jetzt abgelegten Eiern über mehrere Entwicklungsschritte schließlich flug- und stechfähige Tiere werden. "Bei kühlem Wetter kann das etwa 40 Tage dauern", sagt Mehlhorn. Ist es warm, entsprechend kürzer.

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Das heißt, umso früher ist der Nachwuchs selbst in der Lage, sich fortzupflanzen, was über den gesamten Sommer gerechnet die Erfolgsquote der Vermehrung spürbar steigert. Um die 300 Eier kann ein Mücken-Weibchen im Laufe eines Lebens legen, sagt der Insektenforscher. "Je nach Art sind es 20 bis 60 Eier am Stück – eine gewaltige Leistung", findet er.

Um Eier zu bilden, benötigen die Weibchen Eiweiß. Das suchen und finden sie im Blut von Vögeln, Nagern, Rindern, Wildschweinen, Rehen und nicht zuletzt beim Menschen. Welche "Blutspender" herhalten müssen, hänge von der jeweiligen Mückenart ab, sagt Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) im brandenburgischen Müncheberg. Immerhin 50 Stechmückenarten seien in Deutschland bekannt.

In den Hochwassergebieten sieht die Biologin nun ein doppeltes Mückenproblem: "Das viele Wasser und die Wärme nutzen natürlich den gewöhnlichen Hausmücken Culex pipines, die ohnehin fast überall vorkommen", sagt sie.

"Überflutungsmücken" sind besonders aggressiv

Zudem würden sich jetzt aber auch "Überflutungsmücken" massenhaft vermehren. Damit meint sie jene Arten, die ihre Eier bevorzugt in kleine Vertiefungen ablegen, die beispielsweise nach der Schneeschmelze mit Wasser gefüllt werden, was wiederum die Larvenentwicklung anstößt. Das Hochwasser habe die gleiche Wirkung, sagt Werner. "Allerdings sind diese Überflutungsmücken besonders aggressiv, die stechen sofort." Sie haben einfach keine Zeit für langes Schwirren. Um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, müssen sie jede Chance zur Vermehrung nutzen. Und dafür brauchen sie Blut.

Für die Wissenschaftler sind Überflutungsmücken aber auch aus einem anderen Grund interessant. Sie fragen sich: Woher wissen die Tiere vor der Eiablage, was potenziell nasse Flächen sind und was trocken bleibt? "Sie haben eine Art Sensor für Feuchtigkeit", sagt die Mückenforscherin aus Müncheberg. Wie dieser genau funktioniere, könne bisher niemand erklären.

Erst langsam gewinne ihr Fachgebiet wieder Auftrieb, nachdem es jahrzehntelang vernachlässigt worden war. "Seit dem Verschwinden der Malaria aus Deutschland Mitte des 20. Jahrhunderts gab es einen Einbruch", sagt sie. "Das änderte sich erst, als 2006 der Erreger der Blauzungenkrankheit hierherkam." Das Virus kann vor allem Rindern und Schafen gefährlich werden – und wird von blutsaugenden Insekten, den Gnitzen, übertragen. Diese gehören definitionsgemäß zwar nicht zu den Stechmücken, doch sei durch den Krankheitsausbruch klar geworden, welche Gefahr von Insekten ausgehen könne, sagt Werner.

Leserkommentare
  1. Was kann das heißen: Jetzt kommt die Mückenplage? Dieses JETZT deutet irgendwie darauf hin dass sie schon da ist. Jetzt ist es 12 Uhr, jetzt regnet es.. Oder heißt jetzt regnet es, dass es morgen regnen wird? Jedenfalls wird diese Plage wohl kurz vor den Toren der Ostgebiete und bayerischen Landschaften stehen wie ein Herr von Soldaten, das auf günstigen Einmarsch lauert. Oder sollte man das anders lesen, wie z.B. Jetzt schlägts 13? Das kann ja alles mögliche heißen, auch z.B. das es gerade 14 schlägt. Oder ein Kind auf die 13 im Schulbuch einhämmert. Jetzt kommt die Mückenplage ist aber wahrscheinlich eher so aufzufassen, wie dass jetzt bald wieder Weihnachten kommt. Also in ferner Zukunft. Oder: Jetzt kommt das Jahrhunderthochwasser.. Nein, nicht dieses, das ist ja fast vorbei, das nächste! Naja, irgendwas kommt immer. Aber muss man das ankündigen, wenn es noch nicht da ist? Jetzt kommt der 4.te Weltkrieg! Hat eine gewisse Logik, schließlich kommt nach 3 die Zahl 4 und würde sich auch als Schlagzeile gut machen mit garantiert reißendem Absatz der Auflage. Oder ist es ein gesponserter Artikel der Mückenindustrie? Ich habe gestern eine Mücke gesehen in meinem Wohnwagen. Hinter der Gardine. Habe sie aber leben lassen. Zum Weiterflug Richtung Osten um sich mit Kollegen und Kolleginnen zusammen zu rotten wie Hitchcocks Vögel.

    Es wird schrecklich - jetzt!

    3 Leserempfehlungen
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    • Kelhim
    • 18. Juni 2013 18:57 Uhr

    Schließlich steht dort nicht "Jetzt kommt die Mückenplage an".

    Immer diese Korinthenkacker.

  2. Kommen Sie mal an den Oberrhein, hier ist die Plage schon seit einer Woche da und das wird noch sehr viel schlimmer werden.

    Derartige Heerscharen an Mücken habe ich noch nie gesehen. Wir sind hier von Kopf bis Fuß zerstochen und verquollen. Antimückensprays sind natürlich überall dauerhaft ausverkauft und sich im Inneren verschanzen zu wollen, bringt auch nichts.

    In meiner Not reibe ich mich schon immer wieder mit einem nicht gerade wohlriechenden Desinfektionsmittel ein, das mir die Viecher einigermaßen vom Leib hält.

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    "Die ersten 100 Stiche sind unangenehm,
    die nächsten... na ja,
    dann merk man es nicht mehr!:-)"
    Alte karelische Volksweisheit.
    .
    Die "Jahrundertmückenplage" ist doch sehr relativ.
    .
    Für jemand, der in intakten Gebieten wohnt, mit "Altwässern", Überflutungsflächen....... usw. gehören insekten auch mit dazu.
    .
    Ich liebe die Natur, bis auf Wespen auf dem Pflaumenkuchen, Mücken vor der Haustür und Fliegen im Wohnzimmer........
    .
    Wir sind schon eine komische, schwerverständliche Spezies.
    .
    Meint
    Sikasuu
    .
    Ps. Das man in Suomi seinen Hut auf einem Mückenschwarm ablegen kann ist ein Gerücht. Richtig ist, dass man den Hut auf Armlänge nicht mehr sieht und es deswegen glaubt :-)

    ...werden auf badischer Seite jedes Jahr Hubschraubereinsätze im Kampf gegen die Mückenlarven geflogen. Auf pfälzischer Seite, wo das anscheinend nicht geschieht, fressen einen die Stechmücken dagegen fast auf. Und über den Rhein kommen die Viecher anscheinend nicht. Vielleicht sollten auch andere betroffene Regionen einmal über eine intensivere Bekämpfung dieser Plagegeister nachdenken.

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

  4. "Die ersten 100 Stiche sind unangenehm,
    die nächsten... na ja,
    dann merk man es nicht mehr!:-)"
    Alte karelische Volksweisheit.
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    Die "Jahrundertmückenplage" ist doch sehr relativ.
    .
    Für jemand, der in intakten Gebieten wohnt, mit "Altwässern", Überflutungsflächen....... usw. gehören insekten auch mit dazu.
    .
    Ich liebe die Natur, bis auf Wespen auf dem Pflaumenkuchen, Mücken vor der Haustür und Fliegen im Wohnzimmer........
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    Wir sind schon eine komische, schwerverständliche Spezies.
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    Meint
    Sikasuu
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    Ps. Das man in Suomi seinen Hut auf einem Mückenschwarm ablegen kann ist ein Gerücht. Richtig ist, dass man den Hut auf Armlänge nicht mehr sieht und es deswegen glaubt :-)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Zwei-drei Wochen?"
  5. ...werden auf badischer Seite jedes Jahr Hubschraubereinsätze im Kampf gegen die Mückenlarven geflogen. Auf pfälzischer Seite, wo das anscheinend nicht geschieht, fressen einen die Stechmücken dagegen fast auf. Und über den Rhein kommen die Viecher anscheinend nicht. Vielleicht sollten auch andere betroffene Regionen einmal über eine intensivere Bekämpfung dieser Plagegeister nachdenken.

    Antwort auf "Zwei-drei Wochen?"
  6. es wäre doch gelacht, wenn diese Tiere sich nicht an die veränderte Umwelt anpassen könnten und sich mit heimischen Rassen vermischten. - Wie wäre es, Vögel, Frösche, Fische, Fledermäuse zu unterstützen? Zum einen sollte endlich mit der Vogelfütterung durch Maisenknödel und Futterhäuschen (sehe ich immer noch im Rund) aufgehört werden; dann hätten die Eltern-Vögel schon einmal einen erhöhten Bedarf an Mücken für die Fütterung - zum anderen wären mehr Auwälder gut oder Bäche und Flüsse, die für Fische wieder genießbar und beschwimmbar wären; dazu Fledermausschutz. - Wenn man Mückenlarven über Hubschraubereinsätze bekämpft (ich nehme einmal an, durch das Versprühen von Giften aus den Hubschraubern heraus), dann werden Mücken in Nullkommanichts dagegen resistent und wesentlich aggressiver. Will man das? -

    2 Leserempfehlungen
    • Kelhim
    • 18. Juni 2013 18:57 Uhr

    Schließlich steht dort nicht "Jetzt kommt die Mückenplage an".

    Immer diese Korinthenkacker.

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