Umweltschutz : Russland stoppt Meeresschutzabkommen für Südpolarmeer

Eine internationale Kommission soll riesige Meeresgebiete in der Antarktis unter Schutz stellen. Jetzt sind die Verhandlungen abgebrochen worden.
Ein Kaiserpinguin in der Antarktis © Deborah Zabarenko/Reuters

Eine Enttäuschung für Umweltschützer: Die Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) hat ihre Sondersitzung zur Einrichtung zweier Meeresschutzgebiete ohne Ergebnis abgebrochen. Grund seien von Russland überraschend aufgeworfene juristische Fragen, sagte der deutsche Delegationsleiter Walter Dübner bei dem Treffen in Bremerhaven.

Die Sondersitzung mit 24 Ländern und der EU hatte zum Ziel, im Südpolarmeer Schutzgebiete auszuweisen, die mit insgesamt rund 3,8 Millionen Quadratkilometern fast so groß sind wie die Europäische Union. Neuseeland und die USA schlugen vor, etwa 2,2 Millionen Quadratkilometer im Rossmeer unter Schutz zu stellen. Australien, Frankreich und die EU, die als ein Teilnehmer auftritt, wollten 1,6 Millionen Quadratkilometer im Osten der Antarktis schützen. In CCAMLR-Schutzgebieten ist etwa der Fischfang eingeschränkt.

Es sei völlig unverständlich, dass Russland jetzt die Frage aufwerfe, ob die Kommission berechtigt sei, Schutzgebiete auszuweisen, sagte Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn, die als Beobachterin an den zweitägigen Beratungen teilnahm. Bereits zuvor hatten auch China und die Ukraine Vorbehalte geäußert. Bereits im vergangenen Jahr war das Vorhaben an einigen Bedenkenträgern gescheitert.

Nächster Anlauf im Oktober möglich

Der deutsche Delegationsleiter Dübner sieht trotz des aktuellen Misserfolgs noch Chancen, zu einem positiven Beschuss zu kommen. Er habe die russische Delegation aufgefordert, Vorschläge zu machen. "Wir sollten anfangen, Kompromisslösungen zu suchen, für die beiden Vorschläge, die auf dem Tisch liegen." Die nächste reguläre CCALMR-Sitzung ist für Oktober geplant.

Die Kommission kann allerdings nur einstimmig entscheiden. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich verpflichtet, bis 2020 zehn Prozent der Küsten- und Meeresgewässer als Schutzgebiete auszuweisen. Bisher sind es zwei Prozent.

Russland überrascht Experten

Der Experte für Meeresökosysteme der Umweltstiftung WWF, Tim Packeiser, sprach von einem Schlag vor den Kopf und einem Affront. Die Delegierten seien von der russischen Position überrascht worden. Er appellierte an die Konferenz, die offenen Fragen zu klären. "Wir sehen keine unüberwindbaren Punkte", sagte Packeiser.

Auch der Leiter der Stabsstelle Umweltpolitik am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, Stefan Hain, äußerte sich überrascht zu den Einwendungen Russlands. "Dieses Übereinkommen hat ja 2009 schon ein marines Naturschutzgebiet angenommen." Die Organismen seien einzigartig und der Lebensraum enorm vielfältig, sagte Hain im Deutschlandfunk. Der Meeresboden sehe fast wie ein tropisches Korallenriff aus. Allerdings sei das System auch sehr empfindlich: Eine Schnecke könne in der Nordsee in wenigen Wochen Nachwuchs produzieren. "Das dauert in der Antarktis 18 bis 20 Monate."


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