Die Eisschmelze in der Antarktis ist ein Grund für den Anstieg des Meeresspiegels. © Hans-Christian Wöste/dpa

In Folge der globalen Erwärmung wird der Meeresspiegel ansteigen. Darin sind sich Wissenschaftler weltweit einig. Zuletzt war sogar zu lesen, dass er schneller steige als gedacht. Doch um wie viele Meter genau?

Eine neue Prognose, die jetzt im Magazin Proceedings of the National Academy of Science (PNAS)erschienen ist, kommt auf einen Meeresspiegelanstieg von durchschnittlich 2,3 Metern für jedes Grad Celsius, um das sich die Erde im Mittel erwärmt. Das Besondere: Die Forscher um Anders Levermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung wagen dabei eine Vorhersage für die kommenden 2.000 Jahre.

Der Weltklimarat (IPCC) geht bislang von einem Meeresspiegelanstieg von 59 Zentimetern innerhalb der kommenden knapp 90 Jahre aus – ein Zeitraum, auf den üblicherweise auch Deiche und andere Küstenschutzmaßnahmen ausgerichtet sind. "Aber bei 59 Zentimetern hört der Meeresspiegel nicht auf zu steigen, sondern er steigt auch nach 2100 unaufhaltsam weiter – es sei denn, die Temperatur fällt", sagt Levermann, der am kommenden IPCC-Bericht mitarbeitet.   

Wie sicher sind die Daten?

"Das ist ein plausibles Ergebnis. Meiner Einschätzung nach kann man den Wert allerdings nicht so genau bestimmen", sagt der australische Ozeanograf John Church, der das Meeresspiegelkapitel des IPCC leitet und an der in PNAS veröffentlichten Studie nicht beteiligt war.

Die Computersimulation zeigt, um wie viele Meter der Meeresspiegel in 2.000 Jahren ansteigen wird – in Abhängigkeit von der Temperatur, um die sich die Globale Mitteltemperatur erhöht.

Für die neue Berechnung haben Levermann und seine Kollegen erstmals physikalische Modelle für alle vier Hauptursachen des Meeresspiegelanstiegs – also die Gletscherschmelze, das sich ausdehnende Ozeanwasser, das Abrutschen der Eismassen der Antarktis und die Eisschmelze in Grönland – kombiniert. Diese verglichen sie mit historischen Meeresspiegeldaten aus früheren Warmzeiten der Erde. Wie sich der Meeresspiegel im Laufe der Erdgeschichte verändert hat, weiß man unter anderem aus Sedimentproben vom Meeresgrund und vergangener Uferlinien.

Eisverlust der Antarktis wird ein Hauptfaktor werden

Das neue Klimamodell ergab außerdem, dass sich das Verhältnis, in dem verschiedene Ursachen zum Meeresspiegelanstieg beitragen, verändern wird. "Während die Wärmeausdehnung des Meeres und das Abschmelzen von Gebirgsgletschern heute die wichtigsten Ursachen für einen Anstieg der Meere sind, werden die grönländischen und antarktischen Eisschilde in den nächsten 2.000 Jahren zu den dominierenden Faktoren", schreiben die Forscher in einer Pressemitteilung zur Studie. Die Hälfte dieses Anstiegs werde künftig vermutlich durch Eisverluste in der Antarktis verursacht. Gegenwärtig tragen sie zu weniger als zehn Prozent zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.

Auch wenn die neue Studie bisherigen IPCC-Berechnungen nicht widerspricht, zeigt sie eine langfristige Entwicklung auf, die heute im Küstenschutz noch nicht berücksichtigt wird. Gehen die Treibhausgas-Emissionen so weiter wie bisher, könnte der Meeresspiegel demnach in den kommenden 2.000 Jahren um knapp acht Meter im Durchschnitt ansteigen.