ZEIT ONLINE: Der Agrarkonzern Monsanto darf bald den mehrfach gentechnisch manipulierten Mais SmartStax in die EU importieren. Er gilt als Super-Genmais. Was heißt das?

Christoph Tebbe: Schon der Ausdruck Genmais ist unglücklich gewählt, denn Mais enthält, wie jedes andere Lebewesen, natürlich Gene. Mit "Super" soll wohl zum Ausdruck gebracht werden, dass dieser Mais besonders viel kann. Tatsächlich sind bei den bisher zur kommerziellen Nutzung zugelassenen Sorten eher eine oder zwei Eigenschaften durch Gentechnik hinzugefügt worden, während die "SmartStax" genannte Sorte durch Kreuzung verschiedener gentechnisch veränderter Maissorten mehrere künstlich geschaffene Eigenschaften hat.

ZEIT ONLINE: SmartStax bildet sein eigenes Insektengift und ist widerstandsfähig gegen Unkrautvernichter. Wie macht eine Pflanze so etwas?

Tebbe: Das Insektengift ist ein Eiweiß (Protein). Es stammt aus Bacillus thuringiensis, einem Bakterium, das von Natur aus Insektizide absondert. Das dafür verantwortliche Gen aus dem Bakterium hat man in das Erbgut der Maispflanze eingebaut. Insekten, die an ihr fressen, nehmen es auf und sterben.

ZEIT ONLINE: Wie wird gewährleistet, dass das Gift nur die Mais-Schädlinge und nicht andere Insekten tötet?

Tebbe: Im Gegensatz zu vielen, vor allem früher gebräuchlichen Chemikalien, wirken diese Proteine sehr gezielt. Über den Darm greifen sie die Insekten an – aber das funktioniert nur, wenn in der Darmwand des Opfers auch die passenden Rezeptoren vorhanden sind. Der SmartStax-Mais bildet giftige Proteine gegen den Maiszünsler – einen Schmetterling, dessen Raupen den Mais fressen – sowie gegen Larven eines Käfers. Bienen, die keine Rezeptoren für diese Proteine besitzen, werden nicht direkt beeinträchtigt. 

ZEIT ONLINE: Können Maispflanzen so etwas eigentlich schon von Natur aus?

Tebbe: Pflanzen haben natürliche Strategien, sich gegen Insektenfraß zu wehren. Sie können ja nicht weglaufen. Beim Mais als Kulturpflanze reichen die natürlichen Abwehrmechanismen unter den gegebenen Anbaubedingungen aber selten aus, weshalb fast immer Insektizide gesprüht werden. Der Einsatz von gentechnisch verändertem Mais ist als Alternative zu chemischen Insektiziden gedacht.

ZEIT ONLINE: Wäre es denkbar, dass so ein Genmais sich in der Natur unkontrolliert mit anderen Sorten kreuzt, seine Fähigkeiten weitergibt und nachhaltig das Ökosystem verändert? Könnte das nicht zum Aussterben ganzer Insektenarten führen, Vogelarten die Nahrungsgrundlage rauben und weitere schwere Umweltfolgen haben?

Tebbe: Dieses Szenario muss unbedingt verhindert werden. Beim Mais ist diese Gefahr für den europäischen Raum aber sehr niedrig, weil er keine natürlichen Auskreuzungspartner hat. Auch verwildert der Mais bei uns in Deutschland nicht, das heißt, er bleibt auf der Fläche, auf der er angebaut wurde. Ebenso wenig kann er dort überwintern.