Bedrohte RiffeAustralien wählt für oder gegen das Great Barrier Reef

Bergbau, Abwasser, und die Versauerung der Ozeane gefährden das Great Barrier Reef. Die nächste Wahl könnte über das Schicksal von Australiens Naturwunder entscheiden. von Michael Lenz

Am Samstag wählt Australien ein neues Parlament. Umwelt- und Klimapolitik spielen ebenso wie Wirtschaftspolitik im Wahlkampf eine wesentliche Rolle, denn beides ist Down Under eng verzahnt. Gigantische Vorräte an Kohle, Eisenerz und Uran bescheren Australien seit Jahrzehnten einen erheblichen wirtschaftlichen Erfolg. Solange die Wirtschaft Chinas als wichtigster Abnehmer für die Bodenschätze aus der roten australischen Erde wächst, werden die Einnahmen weiter sprudeln.

Seit Langem ist Westaustralien das Zentrum des Bergbaus, zusätzlich locken jetzt auch reiche Kohle- und Erdgasvorkommen an der Ostküste im Bundesland Queensland die globalen Minenbetreiber an. Für das Ökosystem des Great Barrier Reef, das ohnehin schon unter Klimaveränderungen und giftigen Abfällen aus der Landwirtschaft leidet, ist das eine massive Bedrohung. Wird das Korallenriff als Kollateralschaden der Wirtschaft geopfert?

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Die Umweltaktivistin June Norman will, dass auch noch ihre Urgroßenkel die Wunder des Riffs erleben können. Deshalb ist die 72-Jährige strikt gegen den Bergbau in Queensland. Das hat die Großmutter auf ihrem 1.200 Kilometer langen Fußmarsch von ihrer Heimatstadt Brisbane entlang der Küste des Korallenmeers von Queensland, jedem erzählt, der es hören wollte – und sicher auch vielen, die es nicht hören wollten. 80 Tage ist sie marschiert, nur um zwei Wochen vor der Wahl in der Hafenstadt Gladstone bei einer Demonstration zum Schutz des Ökosystems dabei zu sein.

Neben Kohle werden über Gladstones Hafen, Port Curtis, auch Aluminiumoxid, Aluminium, Zementprodukte, Ammoniumnitrat und Natriumzyanid exportiert. Leidtragende der Industrialisierung ist die einstmals blühende Fischereibranche, die durch kranke Fischbestände jährlich Millionenverluste zu verzeichnen hat. In Gladstone, schon jetzt der viertgrößte Kohlehafen der Welt, wird auf der Insel Wiggins ein weiteres Kohleterminal gebaut. Laut Umweltschützern, die sich unter anderem mit der Kampagne Fight For Reef des WWF Australien und der Australian Marine Conservation Society organisieren, müssen dazu 6,3 Millionen Tonnen Seeboden ausgebaggert und der Schlamm irgendwo entsorgt werden. Für die vier Raffinerien für Flüssigerdgas wurden bislang 15 Tonnen ausgehoben. Ein knappes Drittel davon wurde in einem ausgewiesenen Schutzgebiet des Riffs entsorgt.

Erschienen auf spektrum.de

Erschienen auf spektrum.de  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Hafenexpansionen sind auch in anderen Orten des "Sonnenscheinstaats" Queensland wie Townsville oder Dudgeon Point geplant. Wenn sich die Bergbaulobby durchsetzt, könnte zudem in Abbot Point mit einer Kapazität von 85 Millionen Tonnen der größte Kohlehafen der Welt entstehen – gerade einmal 50 Kilometer von den traumhaften Whitsunday Islands entfernt – im Zentrum des blühenden Rifftourismus und inmitten eines Seegebiets, das ein Sammelpunkt von Buckelwalen ist.

Leserkommentare
  1. Ganz offensichtlich gibt es dort auch vereinzelte Ökoisten, aber das Gros der Australier trägt die Rohstoffinitiativen ganz offensichtlich mit. Gut so.

    Und was die UNESCO und die diversen "Erben" anbelangt: Da haben sich wirklich Fanatiker gefunden, hohe steuerfreie Gehälter, örtliche Immunität und Freiflüge in aller Herren Länder. Damit terrorisieren sie die jeweiligen Bevölkerungen. In Dresdnen waren die Leute schlau genug, für die Brücke zu stimmen. In Rheinland-Pfalz war die SPD dumm genug, sich die Mittelrheinbrücke von den Grünen abverhandeln zu lassen. Schade, schon wieder eine Chance für wirtschaftliche Prosperität vertan.

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    Ach, wirtschaftliche Prosperität ja und dafür geht das schönste und artenreichste Korallenriff der Welt zugrunde? Der Verlust ist nicht vielleicht milliardenfach höher als irgendein Gewinn? Aber soweit können Sie ja wohl nicht denken.

    ...rein wirtschaftlich gesprochen, ist das natürlich blödsinn. Denn ein intaktes Riff hat auch einen Wert. Dieser Wert würde verloren gehen oder gemindert werden. Beispiele sind hier die Fischerei und der Tourismus.
    Dabei sind Tourismus und Fischerei, wenn beide schonend Betrieben werden, ein bleibender Wert und damit auch ein stabiles Geschäft. Rohstoffe hohlt man eben nur einmal aus der Erde.
    Auch bleibt das Geld das durch Tourismus und Fischerei erwirtschaftet wird eher im Land, als das was durch den Rohstoffhandel verdient wird.

    Das Great Barrier Reef ist auch ein wichtiger "Wellenbrecher" für das Festland und damit ein natürlicher Bestandteil des Australischen Küstenschutzes.
    Rein ökonomisch liegen sie mit ihrer Schwarz/Weiß Malerei schon Grundverkehrt.

    Da sie offensichtlich kein intresse an einer einigermaßen intakten Umwelt haben und dem streben nach Profit ökologische und moralische Aspekte unterordnen, erspare ich ihnen ansonsten eine Moralpredigt.

    MfG

  2. Ach, wirtschaftliche Prosperität ja und dafür geht das schönste und artenreichste Korallenriff der Welt zugrunde? Der Verlust ist nicht vielleicht milliardenfach höher als irgendein Gewinn? Aber soweit können Sie ja wohl nicht denken.

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    Das wird nur plakativ genutzt, weil die Aussies das, was in den diversen Minen im Landesinnern abgeht, nur insofern interessiert, dass sie dort gut bezahlte Jobs vorfinden.

    Ausserdem: das Riff (alleine) ernährt nicht allzu viele Leute. Was soll der Rest machen? Auf Öko-Schafwolle umstellen?

  3. Das wird nur plakativ genutzt, weil die Aussies das, was in den diversen Minen im Landesinnern abgeht, nur insofern interessiert, dass sie dort gut bezahlte Jobs vorfinden.

    Ausserdem: das Riff (alleine) ernährt nicht allzu viele Leute. Was soll der Rest machen? Auf Öko-Schafwolle umstellen?

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    Antwort auf "Das ist die Höhe!"
  4. könnte doch beides möglich sein.
    1. Die ausgebaggerten Sedimente für neue Seehäfen werden an Land deponiert, und nicht in irgendwelche Riffe gekippt. Die Häfen werden ja lt. Artikel nicht im Riff selbst errichtet.
    2. Es gilt eine stringente (See-) Lotsenpflicht, sodass die (Kohle-) Frachter erst bei verlassen der Riffringe wieder "frei" fahren dürfen.
    3. Ein funktionierender Plan um die Einträge von schädlichen Stoffen durch die Landwirtschaft zu minimieren.

    Dass (ggf. belastetes) Sediment ausgespült wird, lässt sich wahrscheinlich nicht so einfach verhindern, aber 3. sollte die Folgen mindern.

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    Das habe ich mich auch gefragt, die Lösung liegt doch irgendwie auf der Hand? Gibt es da technische Unmöglichkeiten oder ist es einfach nur teuerer?

    Wenns letzteres ist, dann sollte doch ein Kompromiss sehr gut möglich sein?

    Auf dem Land ein paar Hügel mehr fallen kaum auf.

    Außerdem ist das eine sehr kurzsichtige Planung, denn Kohle ist ein Rohstoff, der seine große Zeit hinter sich hatte. Auch in China wird langsam über Alternativen nachgedacht, sicher, in den nächsten Jahren ist damit noch eine Menge Geld zu holen, aber auf lange Sicht ist das nicht sehr klug.

  5. Das habe ich mich auch gefragt, die Lösung liegt doch irgendwie auf der Hand? Gibt es da technische Unmöglichkeiten oder ist es einfach nur teuerer?

    Wenns letzteres ist, dann sollte doch ein Kompromiss sehr gut möglich sein?

    Auf dem Land ein paar Hügel mehr fallen kaum auf.

    Außerdem ist das eine sehr kurzsichtige Planung, denn Kohle ist ein Rohstoff, der seine große Zeit hinter sich hatte. Auch in China wird langsam über Alternativen nachgedacht, sicher, in den nächsten Jahren ist damit noch eine Menge Geld zu holen, aber auf lange Sicht ist das nicht sehr klug.

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    der Spülfelder auch in Australien möglich seien sollte.
    Dieses Verfahren wird z.B. an der dt. Nordseeküste angewandt. Ich denke, dass Ihre Vermutung richtig ist, dass es ggf. vor Ort als "zu teuer" erachtet wird.
    Und die Kohle: Immer schwierig, deren Ende vorher zu sagen. Sicherlich, in der Verstromung nicht sehr effektiv, aber bei der Roheisen- und Stahlverhüttung wohl unverzichtbar. Gut, man kann Hochöfen auch mit Strom betreiben, aber der muss eben auch erst erzeugt werden.

  6. @ Eadweard Se Leldra

    Wie es scheint, sitzen nicht nur in Australien Rohstofffanatiker, denen Umweltschutz völlig an der Kappe vorbeigeht. Jaja, Menschen brauchen Arbeitsplätze und Rohstoffe, aber Umweltschutz ist nicht nur ein Hobby von Ökoisten und UNO-Fanatikern, sondern bei Milliarden von Menschen einfach eine Notwendigkeit. Wir leben in einer Zeit eines Massenaussterbens, direkt und indirekt vom Menschen verursacht. Wir sollten aufpassen, dass wir die Meschheit nicht auch auf die Liste bedrohter Arten kommt.

    http://en.wikipedia.org/w...

    Lesen Sie mal Jarod Diamond, "Kollaps".

    2 Leserempfehlungen
  7. wir kriegen diesen planeten schon klein und dann hocken wir ALLE auf einem haufen kohle und leben von den zinsen. na dann mahlzeit !

    3 Leserempfehlungen
  8. der Spülfelder auch in Australien möglich seien sollte.
    Dieses Verfahren wird z.B. an der dt. Nordseeküste angewandt. Ich denke, dass Ihre Vermutung richtig ist, dass es ggf. vor Ort als "zu teuer" erachtet wird.
    Und die Kohle: Immer schwierig, deren Ende vorher zu sagen. Sicherlich, in der Verstromung nicht sehr effektiv, aber bei der Roheisen- und Stahlverhüttung wohl unverzichtbar. Gut, man kann Hochöfen auch mit Strom betreiben, aber der muss eben auch erst erzeugt werden.

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