Schwindet die Zahl der Haie an Riffen, kann das den Korallen schaden. Zu diesem Ergebnis kam ein australisch-kanadisches Forscherteam, als es zwei unbewohnte Riffgebiete vor der Nordwestküste Australiens untersuchte. Werden viele Haie an einem Riff gefangen, nehme dort die Zahl der pflanzenfressenden Fische ab, fanden die Wissenschaftler heraus. 

Auf den ersten Blick mute dieser Zusammenhang merkwürdig an. Doch mit weniger Haien am Riff steige die Zahl kleinerer Raubfische, schrieben die Forscher im Fachmagazin PLOS ONE. In der Folge schwänden die Bestände wichtiger pflanzenfressender Riffbewohner wie der Papageifische, erläuterten die Forscher. Viele Papageifischarten ernähren sich von Algen und schützen so vor allem junge Korallen davor, überwuchert zu werden.

Sie hatten Daten zu zwei atollähnlichen, 300 Kilometer vor der Küste liegenden Riffgebieten ausgewertet, in denen seit 1994 die Population einzelner Fischarten erfasst wird. 112 Arten wurden von ihnen berücksichtigt. Eine der Regionen, die Rowley Shoals, sind ein Schutzgebiet, in der zweiten, den Scott Reefs, jagen hingegen indonesische Fischer auf traditionelle Art Riffhaie.

Die Korallen vor Überwuchs zu schützen, sei vor allem dann wichtig, wenn ein Riff sich von schädlichen Umwelteinflüssen oder Stürmen erhole, schreiben die Forscher. "Der Haifang scheint deutliche Auswirkungen auf Korallen-Ökosysteme zu haben", wird Studienautor Jonathan Ruppert von der Universität Toronto in einer Mitteilung seiner Hochschule zitiert.

Die Markierung von Grauen Riffhaien (Carcharhinus amblyrhynchos) habe gezeigt, dass diese meist in der Nähe ihrer Korallenriffe bleiben, schreiben die Forscher. Schon sehr klein gefasste Schutzgebiete um die Riffe könnten die Räuber – und in der Folge auch die Korallen – schützen.