ZEIT ONLINE: Im Südosten Australiens kämpfen mehr als 1.000 Feuerwehrleute seit Tagen gegen immer neu anfachende Brände. Besonders stark ist die Gebirgsregion nördlich der Metropole Sydney betroffen, die Blue Mountains. Mister Gould, Sie erforschen seit Jahren Wald- und Buschbrände, sind die Feuer unter Kontrolle?

Jim Gould: Momentan haben die Einsatzkräfte große Mühe, die bis zu 80 Feuer in Schach zu halten. Das größte tobt auf etwa 60.000 Hektar. Mehr als 100.000 Hektar, vornehmlich Eukalyptuswälder, sind insgesamt schon verbrannt. Unglücklicherweise haben wir derzeit recht starken Nordwestwind. Trockene Gewitterstürme haben in den vergangenen zwei Tagen weitere Brandherde angefacht. Außerdem ist es sehr heiß, um die 30 Grad Celsius, und es gibt noch viel Brennmaterial dort draußen. Die Brandbekämpfer bräuchten feuchteres Wetter, um die Feuer endgültig löschen zu können. Das ist nicht in Sicht.

ZEIT ONLINE: Was hat die Brände ausgelöst?

Gould: Die meisten Feuer sind menschengemacht. Eine defekte Stromleitung entfachte beispielsweise eines. Andere sind absichtlich gelegt, hier ermittelt die Polizei. Blitzeinschläge haben lediglich ein oder zwei weitere Feuer in den vergangenen Tagen entfacht.

ZEIT ONLINE: Wald- und Buschbrände treten in Australien allerdings seit Jahrmillionen regelmäßig auf, seien sie nun von Menschen verursacht oder natürlichen Ursprungs. Die Medienberichte erwecken derzeit aber den Eindruck, dass die Feuersaison dieses Jahr heftiger als sonst ausfällt. Stimmt das?

Gould: Ja und nein. Richtig ist, dass es diesen Oktober besonders trocken und windig ist. Das macht die Brände verheerender. Allerdings gibt es auch immer wieder sehr starke Feuerperioden. Zuletzt hat es in den Blue Mountains etwa 2005 und 2006 stärker gebrannt. Die Feuer waren allerdings nicht so großflächig wie derzeit. Etwa alle zehn bis 15 Jahre kommt es zu größeren Bränden in der Region. Das zeigt die Erfahrung der vergangenen sechs Jahrzehnte. Weihnachten 2001 brannte es nahe Sydney derart stark, dass dicker Rauch tagelang über der Stadt lag und den Flugverkehr lahmlegte.

ZEIT ONLINE: Nimmt denn die Stärke der Feuer zu?

Gould: Eher nicht. Was zunimmt, ist die Zahl der Brände. Das liegt daran, dass Australien längere Dürreperioden erlebt und sich so mehr Brennmaterial ansammelt, trockene Büsche, Bäume und Sträucher etwa. Die häufen sich vor allem im Buschland und den Eukalyptuswäldern rings um Sydney an. Auch sind mehr und mehr Menschen von den Feuern betroffen. Nicht nur weil Australiens Bevölkerung wächst, sondern auch, weil mehr Menschen raus ins Buschland ziehen. Unsere Klimamodelle sagen trockenere und heißere Bedingungen auf dem gesamten Kontinent voraus. Der Klimawandel dürfte die Feuersaison also ausdehnen. Sie könnte langfristig schon spät im September beginnen und sich bis in den April ziehen. Ihre Hochzeit hat sie derzeit vor allem von Dezember bis Februar. 

ZEIT ONLINE: Sie kennen sich gut damit aus, wann und wo Brände auftreten und wie sie möglicherweise vorhergesagt werden können. Wie funktioniert das?

Gould: Zunächst muss man wissen, wie viel Biomasse, also Bäume, Sträucher und dergleichen, in bestimmten Regionen vorhanden ist, die sich entzünden kann. Dann stellt sich die Frage, wie trocken das Material ist, wie die Windverhältnisse sind und wie die Topografie aussieht. Feuer breitet sich in flachem, ebenem Gelände sehr rasch aus. In Gebirgsregionen wie den Blue Mountains wird eine Vorhersage schwieriger. In den vergangenen Jahren haben wir eine Software entwickelt, die all das berücksichtigt und mit aktuellen Wettervorhersagen kombiniert. Erstmals haben wir hier Forschungsergebnisse und Computermodelle zusammengebracht, um Feuer vorherzusagen, ihr Auftreten, Ausbreitung, Stärke und Flammenhöhe. Dies soll Brandbekämpfern helfen, Entscheidungen zu treffen. Auch kurzfristig, wenn sich Wetterbedingungen ändern. Nächstes Jahr soll das Programm starten.