Jeden Tag häuft Menschheit 3,5 Millionen Tonnen Abfall an und es wird stetig mehr. Wenn sich daran nichts ändert, wird sich die tägliche Menge bis zum Jahr 2025 verdoppelt haben. 2100 werden es pro Tag mehr als elf Millionen Tonnen feste Abfälle sein, schätzen Forscher um Daniel Hoornweg. Der Professor an der kanadischen Universität von Ontario hat bereits 2012 einen Weltbank-Bericht zum Thema Müll mitverfasst. Nun warnt er zusammen mit seinen Kollegen Perinaz Bhada-Tata und Chris Kennedy im Magazin Nature vor den Folgen des wachsenden Abfallbergs.

Schon heute seien die Auswirkungen auf den Planeten offensichtlich. Dies zeigten allein die gewaltigen Müllstrudel in den Ozeanen. Abfälle verstopften zahlreiche Gewässer und verursachten mitunter Überschwemmungen in Städten von Entwicklungsländern. Zudem verursache Abfall-Management in Kommunen mit die größten Kosten. Die Müllmenge wachse stärker als andere Umweltschadstoffe wie etwa die Treibhausgasemissionen. "Und wir sind auf dem Weg, die Mengen mehr als zu verdreifachen", schreiben die Wissenschaftler.  

Den meisten Müll produzieren derzeit die Industrieländer in Europa und Nordamerika. Dort erwarten die Experten den Höchststand der täglichen Müllmenge um das Jahr 2050. Aufgrund von geringem Bevölkerungswachstum und der technologischen Entwicklung werde sich die Menge anschließend langsam verringern. 

Besonders hohes Müllaufkommen in Ostasien erwartet

Auf einigen Müllhalden etwa in China, Korea, Brasilien und Mexiko landen derzeit täglich mehr als 10.000 Tonnen Abfälle. Besonders stark wachse das Müllaufkommen in Ländern, in denen das Wirtschaftswachstum hoch sei – derzeit vor allem in Ostasien, angeführt von China.

Um das Jahr 2025 wird Prognosen zufolge besonders die indische Wirtschaft stärker wachsen. Und damit auch der Müllberg. Für die afrikanischen Staaten südlich der Sahara werde das für 2050 erwartet. Letztlich sei damit die Entwicklung in Afrika entscheidend dafür, wie hoch der Gipfel der weltweiten Müllerzeugung ausfallen und wann er erreicht werde, schreiben die Wissenschaftler. 

Müll ist ein Problem urbaner Regionen

Generell sei Müll vor allem ein Problem urbaner Regionen. Ein Städter verursache doppelt bis viermal so viel Müll wie ein Landbewohner – und die Verstädterung nehme weltweit zu, schreibt das Team um Hoornweg. Einige Städte versuchen, das Problem aktiv anzugehen: So habe sich die Stadt San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien das Ziel gesetzt, bis 2020 den Abfall auf Null zu reduzieren. Dies soll gelingen, indem der anfallende Abfall weiter reduziert und noch mehr recycelt wird als bislang. Derzeit kann die Stadt 55 Prozent ihres Mülls wiederverwerten.

Ein Positivbeispiel sei auch die japanische Stadt Kawasaki, in der industrielle Prozesse so verbessert worden seien, dass 565.000 Tonnen Müll pro Jahr vermieden werden. Überhaupt könne Japan ein Vorbild beim Umgang mit Müll sein, schreiben die Autoren. Der durchschnittliche Japaner verursacht demnach ein Drittel weniger Müll als der durchschnittliche Amerikaner – bei ähnlich hohem Bruttoinlandsprodukt. Hoornweg und Kollegen führen das auf kulturelle Normen, aber auch eine dichtere Bevölkerung in den Städten und die hohen Preise für Importgüter zurück.