Eine Frau trägt in London ihre Einkäufe nach Hause. © Cate Gillon/Getty Images

Der Verbrauch von Plastiktüten soll in der Europäischen Union (EU) eingedämmt werden. Dazu hat EU-Umweltkommissar Janez Potočnik an diesem Montag in Brüssel ein Konzept vorgestellt. Allerdings muss jedes EU-Mitglied eine solche Richtlinie mit eigenen Verboten umsetzen, da die Verpackungsordnungen nur auf nationaler Ebene geändert werden können. Auch das EU-Parlament in Straßburg muss Neuregelungen zustimmen.

Potočniks Vorschlag sieht vor, dass die 28 EU-Mitgliedsstaaten Plastiktüten mit Steuern belegen oder gleich ganz verbieten. Vor allem der Gebrauch von durchsichtigen, leichten Plastiktüten, die zum Einpacken von Obst und Gemüse dienen, soll nach den Vorschlägen der Brüsseler Behörde verringert werden. Diese werden so gut wie nie mehrfach verwendet. Plastiktüten seien ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft, sagt Potočnik: "Sie bestehen aus Material, das Hunderte Jahre alt wird – aber wir nutzen sie nur für ein paar Minuten." Dabei will der Umweltkommissar seine Kritik nicht als "Kreuzzug gegen alle Arten von Plastiktüten" verstanden wissen.

"Einige Länder haben bereits großartige Fortschritte bei der Verringerung von Plastiktüten erzielt", sagte Potočnik. Als Beispiele nannte er Dänemark oder Irland, die ihren Verbrauch um mehr als 80 Prozent reduziert hätten, als sie eine entsprechende Tütensteuer eingeführt hätten. Als besonders problematisch gilt dagegen die Lage in Polen, Ungarn oder der Slowakei. Dort werden pro Kopf und Jahr mehr als 400 Plastiktüten verbraucht.  

Belastung für Umwelt und Klima  

Der Naturschutzbund (Nabu) begrüßte den Vorstoß der EU-Kommission. Auch Deutschland müsse zukünftig mehr in Sachen Müllvermeidung tun, forderte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leid Miller. "Jeder Deutsche verbraucht im Jahr 65 Tüten, jeder Ire 18 und jeder Däne nur vier." Eine Steuer könne da hilfreich sein, mache aber eine generelle Debatte über Plastikmüll nicht überflüssig, so der Umweltschützer.

Plastiktüten sind eine hohe Belastung für die Umwelt. Sie werden unter hohem Energieaufwand und dem unnötigen Verbrauch von Erdöl hergestellt. Zwar sind die Tüten nicht kompostierbar, sie zerfallen jedoch in kleine Partikel, die eine Gefahr für Land- und Meerestiere darstellen. So wurden Tüten und Plastikreste bereits in den Mägen von Walen, Seevögeln und Schildkröten gefunden. Bis zu 94 Prozent aller Vögel in der Nordsee fressen Plastik, schätzt die EU-Kommission. Das Verbrennen des Plastikmülls beschleunigt zudem den Klimawandel.