Aus dem All sah es so aus, als hülle ein Wattebausch die Philippinen ein. Hoch über der Erde lässt sich nur schwer begreifen, welche zerstörerische Energie dieses weißwirbelnde Monster namens Haiyan aufbrachte. Seit Menschengedenken erlebten die Philippinen keinen so katastrophalen Taifun. Wohl mehr als 10.000 Frauen, Männer und Kinder hat die Naturgewalt getötet, ganze Ortschaften vernichtet. Und während die Menschen in den zerstörten Gebieten um ihr Leben kämpfen, scheint gewiss: Haiyan dürfte nur die Vorhut sein für weitere Superstürme in der Zukunft. 

Noch gilt der Taifun, den die Menschen auf den Philippinen als Yolanda kennenlernten, als Ausnahmesturm. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu rund 315 Kilometern pro Stunde brach er über den Inselstaat herein. Auch das ein entsetzlicher Rekord. Haiyan übertrumpfte damit vermutlich Hurrikan Camille, der 1969 in den USA an Land ging und Sturmfluten das Mississippi-Delta hinaufdrückte. Die Frage ist: Wird die Ausnahme zur Regel, weil der Mensch seit mehr als einem Jahrhundert den natürlichen Treibhauseffekt des Planeten zusätzlich mit CO2 anheizt? 

Fakt ist, dass seit Beginn der Aufzeichnungen die bloße Zahl an tropischen Wirbelstürmen nicht zugenommen hat. Zwar ist 2013 eine heftigere Taifunsaison als sonst, doch einen Aufwärtstrend verzeichnen Wissenschaftler keineswegs. "Im Schnitt formieren sich jedes Jahr zwischen Juni und November 27 tropische Wirbelstürme im Westpazifik", sagt der Meteorologe Jeff Masters vom privaten Online-Wetterdienst Weather Underground. "Diesmal sind wir bei 29, es ist das aktivste Jahr seit 2004." Haiyan war Nummer 28. Ist der Supertaifun also lediglich ein beliebiges Extrem im chaotischen Wettersystem?

Durchaus möglich, denn einzelne Wetterphänomene sagen nichts über langfristige Klimaveränderungen aus. Die offenbaren sich nur im Blick zurück. Grund zum Optimismus gibt es hingegen nicht. "Weitgehend unumstritten ist eine Zunahme der stärksten Stürme", schreibt etwa der Klimatologe Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in seinem Blog KlimaLounge. Damit sind tropische Wirbelstürme der Kategorie vier oder fünf gemeint, mit Windgeschwindigkeiten ab 250 Kilometern pro Stunde. Von 1981 bis 2008 stieg ihre Zahl seit Beginn der Satellitenmessung deutlich an.

Mehr Wärme gleich mehr Energie für Zyklone

Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang mit den wärmer werdenden Ozeanen. Deren Temperatur steigt langfristig an, auch wenn man die vergangenen 40 Jahre zugrunde legt. Tropische Wirbelstürme, auch Zyklone genannt, könnten mitunter kräftiger ausfallen. Sie entstehen meist, wenn sich die Meeresoberfläche in den tropischen Teilen der Ozeane bis zu einer Tiefe von 50 Metern auf 26 Grad aufheizt. Wasser verdunstet und saugt weitere feuchte und kühlere Luft an, die in obere Luftschichten getragen wird. Es bilden sich riesige Wolkensysteme, die sich zu drehen beginnen, angetrieben von der Erdrotation. Wird es wärmer, können auch Zyklone womöglich mehr Energie ziehen.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht, schreibt Rahmstorf: Es komme weniger auf die Meerestemperatur an, als darauf, wie kalt es in oberen Luftschichten sei. "Kerry Emanuel, der Guru der Tropensturmforschung (...), führt die Zunahme der stärksten Stürme daher auf zwei Faktoren zurück: die globale Erwärmung an der Oberfläche und die Abkühlung der oberen Atmosphäre, die vor allem durch den Ozonschwund verursacht wird."

Schließlich entscheiden noch Scherwinde darüber, ob ein Taifun an Stärke zulegt oder es ihn zerreißt. Je mehr dieser unterschiedlichen Winde in verschiedenen Höhen, desto eher zerfetzt es den Zyklon. Supertaifun Haiyan konnte seine Energie ungestört aus den warmen Wassermassen unter sich saugen, das machte ihn so verheerend.

In Zukunft könnten Zyklone öfter so ungestört ihre Motoren ankurbeln. Neuere Modellrechnungen legen nahe, dass die Tiefdruckgebiete nicht nur an Stärke gewinnen. Auch formieren sie sich womöglich häufiger. Der Meteorologe Jeff Masters sagt: "Jeder Anstieg der Meerestemperatur um ein Grad Celsius erhöht die theoretisch erreichbaren Höchstgeschwindigkeiten eines Taifuns um fünf Prozent." Mit absoluter Sicherheit lässt sich das aber nicht prognostizieren.