Als er stehenden Applaus empfing, wusste Naderev "Yeb" Saño, dass er bei seinen Zuhörern in Warschau einen Nerv getroffen hatte. "Ich spreche für die zahllosen Leute, die nicht mehr für sich selbst sprechen können, nachdem sie vom Sturm mitgerissen wurden. Für die, die zu Waisen wurden. Für die, die jetzt gegen die Zeit und ums Überleben kämpfen", sagte der Delegierte der Philippinen auf der gerade eröffneten UN-Klimakonferenz und rang mit sich.

Dann wurde er energisch: "Wir können aktiv werden, um eine Zukunft zu vermeiden, in der Supertaifune einfach Teil des Lebens sind. Als eine Nation verweigern wir uns, so eine Zukunft zu akzeptieren." Unter Tränen drängte Saño gestern die Weltgemeinschaft zum Handeln.

Dann kündigte er einen Hungerstreik an. In Solidarität mit seinen Landsleuten, von denen seit dem Supertaifun Haiyan am Freitag Tausende gestorben und Hunderttausende obdachlos geworden sind, werde Saño erst wieder Nahrung zu sich nehmen, wenn beim Gipfel in Warschau akzeptable Resultate erzielt worden seien. Yeb Saño ist über Nacht zum globalen Botschafter geworden. Seit gestern ist er die Stimme aller Länder der Welt, die schon jetzt an den Folgen des Klimawandels leiden.

Immer wieder wurden die Philippinen in den vergangenen Jahren hart von Naturkatastrophen getroffen. Und es ist nicht das erste Mal, dass die Weltklimakonferenz von schweren Unwettern in dem südostasiatischen Inselstaat überschattet wird. Im vergangenen Jahr starben gegen Ende der Tagung in Doha mehr als 600 Menschen in den Südphilippinen, nachdem der Taifun Bopha auf Land getroffen war. Und im Dezember 2011 wütete der Taifun Sendong, infolgedessen 1.080 Menschen starben, einige Wochen nach dem Gipfel in Durban. Der Schaden, den Taifun Haiyan jetzt angerichtet hat, ist noch nicht vollständig zu beziffern.

"Immer wenn Mutter Erde eine Botschaft an die Welt senden will, so scheint es, macht sie es über die Philippinen", sagte Walden Bello, Globalisierungskritiker und Soziologieprofessor an der University of the Philippines in Manila, in der Onlineausgabe des Philippine Daily Inquirer. In diesem Jahr wollen die philippinischen Delegierten auf die als Warnung verstandenen Naturkatastrophen hören. "Jeden, der noch immer die Realität des Klimawandels verneint, fordere ich auf, von seinem Elfenbeinturm herunterzukommen", sagte Yeb Saño, noch kurz vor Verkündung seines Hungerstreiks. "Vielleicht wollen Sie mal die Philippinen besuchen, genau jetzt."

Noch ist wissenschaftlich nicht nachweisbar, dass Taifune – wie jetzt Haiyan – infolge des Klimawandels häufiger oder schwerer würden. Messbar ist allerdings, dass die Schäden, die solche Stürme auf den Philippinen regelmäßig anrichten, zugenommen haben. Der Grund: Immer mehr Menschen siedeln dort in von Taifunen bedrohten Gebieten. 

Die Wissenschaft tut sich schwer, Klimafolgen nachzuweisen

Der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC prognostiziert, dass Sturmfluten und Starkregen in den feuchten Tropengebieten Südostasiens infolge des erwarteten Meeresspiegelanstiegs in Zukunft heftiger werden. Auf den Philippinen ist man schon jetzt überzeugt, dass die ungewohnten Eigenschaften heutiger Tropenstürme dem Klimawandel zuzuschreiben sind. 

Entsprechend grün ist die Position der Philippinen auf dem Gipfel im Warschau. Im Grunde drängt das Land aber nur auf die Verwirklichung von Zielen, die schon bei vorigen Sitzungen formuliert wurden. Zum Beispiel fordern die Philippinen ein höheres und gesichertes Budget für den seit 2009 in Kopenhagen beschlossenen und durch die UN-Klimarahmenkonvention verwalteten Green Climate Fund. Bis 2020 sollen hierhinein jährlich 100 Milliarden US-Dollar fließen, um ärmere Länder bei ihren Bemühungen gegen ein Fortschreiten des Klimawandels und den Umgang mit den Folgen zu unterstützen. Es ist aber noch immer nicht beschlossen, woher dieses Geld kommen wird.