Die roten Flächen zeigen den Waldverlust in Sumatras Provinz Riau, Indonesien, von 2000 bis 2012. © Hansen, Potapov, Moore, Hancher et al., 2013

Die Wälder unseres Planeten sind überfordert. Sie schützen als Kohlenstoffspeicher das Klima, sichern die Vielfalt des Tier- und Pflanzenreichs und müssen die Menschheit zugleich mit einem der wichtigsten Rohstoffe versorgen: Unmengen von Holz.

Sparsam geht die mit dem wertvollen Gut schon lange nicht mehr um. Je nach Bedarf werden weltweit stetig Bäume abgeholzt, verbrannt, neu angepflanzt und wachsen gelassen, nur um sie meist rasch wieder abzuholzen. Eine nachhaltige Nutzung des Waldes? Weit gefehlt. Global gesehen verliert die Erde jedes Jahr Waldflächen. Und die Verluste sind hoch.

Im Laufe dieses Jahrhunderts wurde der Planet um rund 1,5 Millionen Quadratkilometer Wald ärmer. Das schreibt ein internationales Forscherteam um den Geografen Matthew Hansen von der University of Maryland nun im Magazin Science. So genau wie die Wissenschaftler hat das bislang noch niemand gezählt.

"Der Verlust oder Zuwachs von Wald hat Einfluss auf das Ökosystem", erklärt Hansen. In vielerlei Hinsicht: Die Wurzeln, Moose und Büsche etwa filtern Schadstoffe aus dem Wasser und geben es gereinigt wieder in den Boden. Auch speichern die Pflanzen Kohlendioxid, sind somit wichtig für die Stabilität des Klimas. Und sie sind wichtig, um den Artenreichtum der Natur zu sichern. Die Wälder unseres Planeten zu schützen, habe daher oberste Priorität. Dafür braucht es jedoch detaillierte Informationen – etwa solche in Form einer interaktiven Weltkarte, wie Hansen und Kollegen sie nun vorgestellt haben.

Die größten Verluste verzeichneten die Tropen

"Es ist die erste Karte der Waldveränderung, die sowohl weltweit als auch lokal relevant ist", sagt Hansen. Ein paar Mausklicks und schon zeigt sich auf dem Bildschirm, wie die Wälder Brasiliens oder Indonesiens im vergangenen Jahrzehnt aufgrund von Abholzung, Feuer, Baumkrankheiten oder Stürmen geschrumpft sind. Aber man sieht auch, wo die Aufforstung erste Wurzeln geschlagen hat. Möglich ist dies dank der Kombination hochaufgelöster Bilder des Satelliten Landsat und der Rechenleistung der Google Earth Engine. Was das Team so in wenigen Tagen zusammenstellte, hätte ein einzelner Computer erst in 15 Jahren geschafft.

Während die Waldflächen in allen vier Weltzonen während der beobachteten zwölf Jahre mal schrumpften, mal wuchsen, gab es allein in den Tropen einen nachweislichen Trend – einen negativen. Durchschnittlich verschwanden hier pro Jahr 2.101 Quadratkilometer Wald. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. An der Spitze der Waldzerstörer steht Indonesien. Das Verlangen nach Land und Holz ist nirgendwo so stark gestiegen wie in dem südostasiatischen Inselstaat.

Vor allem, weil Platz für lukrative Palmölplantagen geschaffen werden soll, wird dort noch immer Regenwald abgeholzt. Das Moratorium von 2011, laut dem das Abholzen von Wäldern auf 64 Millionen Hektar Indonesiens sowie 24,5 Millionen Hektar Torfmoor eigentlich verboten ist, hat daran kaum etwas geändert. Korruption, illegaler Holzhandel und jedes Jahr wiederkehrende, durch die Austrocknung der als Kohlenstoffspeicher besonders bedeutsamen Torfmoore begünstigte Waldbrände, verhindern dort wirksamen Waldschutz.

Die gute Nachricht: Die Karte zeigt auch, dass sich die Wälder unter den richtigen Umständen wieder aufforsten lassen. So haben Brasiliens Bemühungen, den massiven Rodungen des Regenwaldes entgegenzuwirken, laut Hansens Analyse erste Erfolge gezeigt. Nirgendwo war es gelungen, den Waldverlust so stark zu reduzieren wie hier. Statt wie vor zehn Jahren durchschnittlich 40.000 Quadratkilometer würden heute nur noch 20.000 Quadratkilometer abgeholzt.