Die Luftverschmutzung vor allem in der chinesischen Hauptstadt Peking ist auf gefährlich hohe Ausmaße gestiegen. Insbesondere die Konzentration des giftigen Feinstaubs lag zeitweise mehr als das 20-fache über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es ist das erste Mal in diesem Winter, dass die Luftwerte in Peking derart stark mit Staubteilchen belastet sind.

Die Behörden meldeten am Donnerstagvormittag Messwerte zwischen 350 und 500 Mikrogramm der sogenannten PM2,5-Partikel pro Kubikmeter Luft. Dies sind Teilchen kleiner als 2,5 Mikrometer. Sie können auch in kleinere Verästelungen der menschlichen Lunge vordringen und sich dort ablagern. Der Höchstwert stammt von einer Station an der US-Botschaft vom frühen Morgen mit 671 Mikrogramm. Die WHO empfiehlt für Feinstaub dieser Größe einen Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ansonsten steigt das Risiko für gesundheitliche Schäden.

Die Werte sind seit Mittwochnachmittag plötzlich in die Höhe geschnellt. Die Behörden riefen zwar bislang nur die zweithöchste Alarmstufe aus, warnten aber dennoch vor Aktivitäten im Freien und empfahlen den rund 20 Millionen Pekingern, Atemschutzmasken zu tragen, wenn sie vor die Tür müssten.

Beißender Kohle- und Schwefelgeruch lag in der Luft. Die Sonne kam kaum durch den Smog. Die Sichtweite reduzierte sich auf wenige Dutzend Meter, sodass vorsichtshalber mehrere Autobahnen wie etwa von Peking nach Shanghai, Harbin oder Pinggu gesperrt wurden. Auch die Wolkenkratzer im zentralen Geschäftsviertel der Hauptstadt verschwanden im Smog, der nach amtlichen Angaben mindestens bis Freitag anhalten soll.

"Aber was soll ich tun?"

"Der Smog ist in den vergangenen zwei, drei Jahren schlimmer geworden", erzählt ein Verkehrslotse an einer viel befahrenen Straße im Stadtzentrum. Die Belastung mit Schadstoffen wird dabei durch mehrere Faktoren potenziert. Experten nennen den starken Verbrauch von Kohlebrennstoff in vielen Haushalten im Winter, den Ausstoß der Heiz- und Kraftwerke sowie den wachsendem Autoverkehr gepaart mit windstiller und ungünstiger Wetterlage. "Ich habe oft Husten, meine Nase ist ständig gereizt", so der Verkehrslotse. "Aber was soll ich tun? Ich trinke mehr Wasser, damit mein Körper die Gifte leichter ausscheiden kann."

Die Gefahren für die Gesundheit der Menschen sind enorm – und wissenschaftlich belegt. Wie eine Studie internationaler und chinesischer Forscher festgestellt hatte, lässt die hohe Luftverschmutzung durch Kohleverbrennung rund 500 Millionen Menschen im Norden Chinas im Schnitt 5,5 Jahre früher sterben. Die Lebenserwartung verringert sich demnach mit einer zusätzlichen Belastung von 100 Mikrogramm Schwebstaub kleiner als zehn Mikrometer (PM10) pro Kubikmeter um drei Jahre – fünfmal mehr als frühere Berechnungen ergeben hatten.

Neue Notfallpläne in Shanghai

Die aktuellen hohen Luftbelastungen folgen fast genau ein Jahr auf den Mega-Smog im Januar 2013, als sogar Rekordwerte von mehr als 800 gemessen worden waren. Und die derzeitige ist die zweite Smogwelle seit Dezember, als Shanghai und weite Teile Zentral- und Ostchinas unter ungewöhnlich schwerer Luftverschmutzung litten. Chinas Wirtschaftsmetropole hat deshalb nun neue Notfallpläne erlassen. Sollte die Smog-Belastung zu hoch werden, können künftig Schulen geschlossen und das Autofahren verboten werden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die bisherigen Bemühungen der Regierung, die Luftqualität zu verbessern, waren wenig erfolgreich, obwohl zum Teil drastische Konsequenzen bis hin zur Verhängung der Todesstrafe drohen können. Vor allem auf lokaler Ebene werden die Vorschriften nur lückenhaft durchgesetzt, da die Behörden auf Steuern angewiesen sind, die sie von umweltschädlichen Industrieunternehmen erhalten. Zuletzt setzte die Regierung wegen ausbleibender Erfolge strengere Zielvorgaben.