Ein Wolf im Wildpark © Patrick Pleul/dpa

Es war im vergangenen April, als wir mit einem vollbeladenen Mietwagen unser neues Haus in Butzen im Spreewald erreichten. Menschen waren hier keine auf den Straßen, in den Häusern keine Lichter. Nur noch polnische Lastwagen vollbeladen mit Baumstämmen hatten uns auf den letzten 20 Kilometern unserer Reise vom Prenzlauer Berg in den Spreewald begleitet.

Als ich aus dem Auto steige, steht vor mir ein Wolf. Ich erstarre. Der Wolf blickt mich an, dann läuft er davon. Ich hole Shmuel, unseren kleinen Hund, von der Rückbank und gehe direkt ins Haus. Im Internet suche ich nach "Spreewald" und "Wolf". Gleich werden mir die Details des lokalen Wolfsexperten geliefert.

Der kleine beruhigende Hoffnungsschimmer, dass es vielleicht doch nur ein magerer Hund war, erlischt. Aber ich bin auch neugierig und schreibe dem Wolfsexperten von meiner Beobachtung. Sofort kommt die automatische Antwort: "Bei Nutztierrissen mit vermutetem Wolfshintergrund wählen Sie bitte die folgende Nummer …"

Ich bin verblüfft. Die sind ja tatsächlich vorbereitet, denke ich, und bleibe für den Rest des Tages sicherheitshalber im Haus.

Als ich am folgenden Tag im Nachbardorf eine Briefmarke kaufe, erzähle ich der Postfrau von meinem Erlebnis. Sie berichtet von ihrem Rotwildbestand. Sie will gleich ihren Mann anrufen, damit er schaut, ob alles in Ordnung mit den Tieren ist. So eine große Welle hatte ich natürlich nicht lostreten wollen.

Als ich wieder zu Hause bin, wartet dort die Antwort des lokalen Wolfsexperten auf mich: "Butzen liegt im Einzugsbereich der Lieberoser Wölfe und es kann durchaus sein, dass Sie in der Nähe Ihres neuen Wohnsitzes auch Wölfe in der Landschaft beobachten. Sorgen Sie für eine sichere Unterbringung Ihres Hundes. Er ist fremd im Revier und kann schnell in Konflikt mit dem von Ihnen beschriebenen großen Kaniden kommen."

Es fällt mir immer noch schwer zu glauben, dass wir in so eine abenteuerliche Gegend gezogen sind. Der Wolf, den wir mittlerweile Avner genannt haben, lässt sich allerdings vorerst nicht mehr blicken. Am folgenden Wochenende unternehmen wir eine geführte Vogelstimmentour. Als wir um sechs Uhr morgens zum Treffpunkt kommen, warten dort schon über 20 andere Teilnehmer. Sie stehen zusammen, diskutieren angeregt, und begrüßen uns mit den Worten: "Habt Ihr schon gehört? In Butzen ist ein Wolf!"