Pflanzenschutzmittel beeinflussen die Orientierungsfähigkeit von Honigbienen und anderen bestäubenden Insekten. Schon geringe Mengen verschiedener Pestizide wirken sich auf das Nervensystem der Tiere aus, wie ein Team um den Neurobiologen Randolf Menzel von der FU Berlin im Online-Magazin Plos One berichtet (Fischer et al., 2014). 

Auf der Suche nach der perfekten Futterquelle orientieren sich Bienen mithilfe des Sonnenkompasses und entwickeln für ihre Flugrouten rund um den Bienenstock eine innere Landkarte. Die ist ziemlich genau, leicht sind die Insekten daher nicht vom rechten Weg abzubringen. In dem Experiment testeten die Wissenschaftler um Menzel daher, ob und wenn ja wie stark drei unterschiedliche Pestizide die Orientierungsfähigkeit beeinflussen.

Speziell untersuchten sie die Wirkung der beiden derzeit verbotenen Pestizide Imidacloprid und Clothianidin sowie des Pflanzenschutzmittels Thiacloprid. So trainierten die Forscher eine Gruppe Bienen zunächst darauf, eine unbehandelte Futterstelle 400 Meter entfernt vom Bienenstock direkt anzufliegen. Dann fingen die Forscher die Bienen ein und ließen sie an versetzter Stelle frei. Das Ergebnis: Obwohl Menzel und sein Team die Bienen von ihrem direkten Heimweg abgebracht haben, fanden die Tiere rasch zu ihrem Stock zurück.

Im nächsten Schritt bekamen die Bienen an der Futterstelle geringe Mengen Pestizide verabreicht. Nach dem Genuss der Pflanzenschutzmittel-Kost fanden deutlich weniger Bienen den Weg zurück zum Stock – und das oft nur auf großen Umwegen.

"Der Befund unserer Untersuchung ist deshalb von allgemeiner Bedeutung, weil der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, den Neonicotinoiden, die das Nervensystem der Insekten beeinträchtigen und sie dadurch töten, kontrovers und heftig diskutiert wird", betonte Menzel. Die Ergebnisse verstärkten bestehende Vorbehalte gegen die Anwendung der Neonicotinoide im Pflanzenschutz. Allerdings seien die Ergebnisse bislang an einzelnen Bienen gesammelt worden und die Effekte auf ganze Bienenvölker noch nicht untersucht.