Die jüngsten Überschwemmungen in Großbritannien und Frankreich und die allsommerlichen Waldbrände in ganz Südeuropa machen die Gefahren überdeutlich. Die Folgen des Klimawandels sind vor Europas Haustür angekommen.

Die Europäer machen sich Sorgen. In den vergangenen Wochen haben verheerende Stürme und Hochwasser im westlichen Europa ihre Opfer traumatisiert und die Bedrohung durch extreme Wetterereignisse eindringlich vor Augen geführt. Und überall stellen sich die Menschen die Frage: Unsere Zukunft hängt davon ab, ob wir im Kampf gegen den Klimawandel Erfolg haben; sind unsere Politiker zum Handeln bereit?

Laut einer in diesem Monat veröffentlichten Umfrage von Eurobarometer halten neun von zehn europäischen Bürgern den Klimawandel für ein "ernstes Problem".

Wenn sich die Staatschefs Europas in dieser Woche treffen, um ein Paket neuer klimarelevanter Maßnahmen und Zielvorgaben für das Jahr 2030 zu diskutieren, haben sie die Möglichkeit, auf diese Besorgnis der Bürger einzugehen. Es handelt sich hier um den ersten einer zerbrechlichen Reihe internationaler Treffen und Gipfel in den nächsten beiden Jahren, die im Dezember 2015 mit einer großen Konferenz in Paris ihren Abschluss finden wird.

Was in dieser Woche in Brüssel geschieht, könnte heute für Millionen Menschen und in der Zukunft für weitere Milliarden über Leben und Tod entscheiden. Der Klimawandel ist eine langsame Krise, kann jedoch nur durch schnelles Handeln aufgehalten werden.

Nur ein ehrgeiziges Klimaziel ist ein Signal

Die EU hat im Kampf gegen den Klimawandel schon häufiger eine moralische, politische und wirtschaftliche Vorreiterrolle übernommen. Trotz einiger Rückschläge ist Europa ein Modell für andere Akteure auf der Weltbühne. Seine Führungsrolle hat es anderen Staaten, etwa den am wenigsten entwickelten Ländern, erst ermöglicht, sich Gehör zu verschaffen. Und in dieser Woche darf Europa nicht zögern. Die Ziele, auf die wir uns heute einigen, legen die Bedingungen für künftige Verhandlungen fest. Europa muss heute handeln und Impulse für ein starkes, universelles, faires und rechtlich verbindliches Übereinkommen im nächsten Jahr in Paris setzen.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind vielfältig und komplex, aber zwei Dinge sind klar. Wenn sich die EU in dieser Woche auf ein Paket einigt, kann es beim Gipfeltreffen, zu dem Generalsekretär Ban Ki Moon im September in New York einlädt, die Verhandlungen leiten. Und wenn Europa nicht vorangeht, wer dann? Es gibt Anzeichen, dass die anderen Großmächte noch nicht zu mehr Engagement bereit sind. Dadurch besteht die Gefahr, dass die besonders verletzlichen kleinen Inselstaaten, Entwicklungsländer und die Länder Lateinamerikas, die besonders deutlich Maßnahmen gegen den Klimawandel fordern, ohne Verbündete dastehen.

Und nur ein wirklich ehrgeiziges Ziel ist als Signal sinnvoll. Die derzeit von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Reduktion der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2030, gemessen am Stand von 1990, ist nicht genug, um die Führungsrolle Europas in den Klimaschutzverhandlungen zu rechtfertigen. Es ist nicht einmal genug, um ihr eigenes Ziel einer Senkung der CO2-Emissionen um 95 Prozent bis 2050 zu erreichen.

Mit klaren, starken politischen Signalen und Zielvorgaben verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft. Die USA und China gestalten ihre Wirtschaft in Reaktion auf den Klimawandel in rasantem Tempo um, und Europa fällt zurück. Diese beiden Staaten sind inzwischen führend bei der Nutzung von Windkraft und holen auch in der Solartechnologie gegenüber den Spitzenreitern Deutschland und Italien auf. Europäische Unternehmen brauchen günstige Wettbewerbsbedingungen, wenn sie bestehen wollen.