Der riesige See, den das Navigationsgerät im Auto anzeigt, existiert so nicht mehr. Wo Wasser sein soll soweit das Auge reicht, ist bloß staubiger Boden mit tiefen Rissen zu sehen. Schildkröten klettern aus vereinzelten Pfützen auf heiße Steine. Ein Boot liegt in Schieflage auf weißem Grund. Der einst stolze Lake Travis im US-Bundesstaat Texas ist bloß noch ein müder Rest seiner selbst.

Seit sieben Jahren herrscht Dürre in Texas. Das Seewasser verdunstet, weil es zu heiß ist, und es fällt nicht genug Regen, um den See wieder aufzufüllen. Das vergangene Jahr sei eines der schlimmsten gewesen, sagt Ryan Rowney von dem Versorgungsunternehmen LCRA, das unter anderem für das Wasser in der Region zuständig ist. Der Niederschlag war um 30 Prozent geringer als in einem durchschnittlichen Jahr. Linderung sei nicht in Sicht, sagt Rowney: "2014 wird wieder so eine Herausforderung werden."

Der Lake Travis und der Lake Buchanan weiter im Norden des Bundesstaats sind die beiden Hauptwasserquellen der Region. Mehr als eine Million Menschen in Zentral-Texas beziehen ihr Wasser aus den Reservoirs. Unternehmen, Industrie, Landwirtschaft, die Bevölkerung. Voll gefüllt führt der See ungefähr 1,5 Milliarden Kubikmeter Wasser. Doch das gab es schon seit Jahren nicht mehr.

Sometimes Island ist jetzt eine Halbinsel

Mitten im See gibt es eine Insel. Sometimes Island heißt sie, weil sie ursprünglich nur manchmal zu sehen war. Inzwischen ragt das Eiland ständig aus dem Wasser. Eine Insel ist es streng genommen auch nicht mehr, eher eine Halbinsel. Der Pegel ist so niedrig, dass Sometimes Island inzwischen mit dem Festland verbunden ist. Ein Mahnmal das zeigt: Der Natur und den Menschen geht das Wasser aus. Bauern können ihre Felder nicht mehr bewässern und es fehlt Wasser für die Kühltürme in den Ölraffinerien. Bewohner, die vor Jahren ein teures Seegrundstück gekauft haben, haben viel Geld verloren. 

Bill Connors ist einer von ihnen. Vor sieben Jahren erwarb er ein kleines Stück Paradies, nun gehört ihm ödes Land. Hinter dem Haus, in dem der Finanzbuchhalter mit seiner Frau Marina und den Drillingsmädchen wohnt, reichte das Wasser in den guten Jahren bis an die Treppenstufen, die zur Küchentür führen. Doch gute Jahre gab es lange nicht mehr. "Wir hatten seit drei Jahren keinen See mehr vor der Tür", sagt er. Nun ist hinter dem Haus ein steiler, felsiger Abhang. Ihren Garten nutzen die Connors kaum noch, zu gefährlich für die Kinder.

Connors ist einer derjenigen, die das Wasser jagen. Er macht das mit einem dicken, schwarzen Schlauch, der das Wasser vom See zu seiner Garage neben dem Haus bringt – und der im Laufe der Jahre immer länger geworden ist. Für die Menschen, die hier leben, ist der See der einzige Wasserversorger. Am Anfang war der Weg vom Wasser zur Pumpe in der Garage etwa 50 Meter weit. Jetzt liegt der See 1.500 Fuß weiter südlich. 500 Meter, die Bill Connors 5.000 Dollar gekostet haben. Für einen längeren Schlauch und für eine bessere Pumpe. Fort will der Familienvater trotzdem nicht. Lake Travis ist die Heimat der Familie.  

Ursprünglich wurde der See angelegt, um die Region vor Überschwemmungen des Colorado Rivers zu schützen. Das war in den 1940er-Jahren. Zahlreiche Dämme rund um Austin haben Teile des Flusses zu Seen anschwellen lassen, die als Wasserspeicher dienen. Wie der Lake Travis.

In seinen besten Jahren zog der See die Menschen in Scharen an. Sie kamen am Wochenende aus dem Umland und lagen mit Decken und Picknickkörben am Ufer, schwammen und suchten im Wasser die Abkühlung, die Texas die meiste Zeit des Jahres nirgendwo anders bietet. Ein Traum, sagten sie. Als der Pegel sank, wurde daraus ein Albtraum. Viele Leute fürchten sich heute vor der braunen Suppe und den spitzen Felsen, die daraus hervorragen.

Connors steht auf seiner kleinen Veranda vor der Küche und schaut auf den Bootsanleger. "Das ist unserer", sagt er und zeigt auf das, was von dem Anleger übrig ist. Schräg und verwittert liegen die Holzbalken auf den Steinen. Ein Boot gab es auch dazu, aber das hat er vor zwei Jahren verkauft. "Wo kein Wasser ist, da hat ein Boot keinen Sinn."