Derzeit sind es weniger die Bundesregierung und große Wirtschaftsunternehmen, die die Energiewende vorantreiben, sondern vor allem zivilgesellschaftliche Akteure. Besonders wichtig sind in den vergangenen Jahren die Energiegenossenschaften geworden, von denen es in Deutschland mittlerweile fast 900 gibt.  

Ein wichtiger Grund für die vielen Neugründungen sind die hohe Bezuschussung aus der EEG-Umlage und der Einspeisevorrang für erneuerbare Energien. Diese Entwicklung hat zwei Gesichter. Einerseits sind die Energiegenossenschaften zu tragenden Akteuren der Energiewende geworden. Andererseits gehören sie zu den größten Profiteuren der aktuellen Energiepolitik.

Eine Genossenschaft bietet einen institutionellen Rahmen, in dem neue Ideen unabhängig von ihrer Rentabilität ausprobiert werden können. Genossenschaften sind alternative Unternehmen, demokratisch und dezentral organisiert. Statt Profit und Rendite stehen die Mitbestimmung der Mitglieder und Nachhaltigkeit an oberster Stelle. Soweit die Theorie.

In der Praxis werben viele Energiegenossenschaften mit einer lukrativen Rendite und hoher Investitionssicherheit. Die EEG-Umlage kommt dabei sehr gelegen. Das zunehmende Gewinninteresse verlangt aber nach Professionalisierung und Rationalisierung des Geschäfts. Das Wachstum der Genossenschaften vollzieht sich deshalb auf Kosten der Mitbestimmung und des Nachhaltigkeitsprinzips. Kurz, das Geld verdirbt sprichwörtlich den alternativen Charakter der Genossenschaften.

Nachhaltigkeit, der Leitgedanke der Energiewende, erfordert eine Sensibilisierung von Unternehmen gegenüber ihrer ökonomischen, ökologischen und sozialen Umwelt. Für Genossenschaften ist Nachhaltigkeit eigentlich eine Selbstverständlichkeit, deshalb sind sie besonders gut geeignet, ein Umdenken voranzutreiben. Um dieser Rolle gerecht zu werden, müssen sie aber zu ihrem alternativen Charakter stehen und dürfen ihn nicht an Profitinteressen verraten.

Lioudmila Chatalova und Vladislav Valentinov sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien.