Teile des Thwaites-Eisschildes in der Antarktis zerbrechen und versinken im Wasser. © Jim Yungel/Nasa

Der mächtige Eisschild der Westantaktis schwindet. Die Eisschmelze ist wohl nicht mehr zu stoppen und schreitet schneller voran, als bislang gedacht – denn der wichtigste Gletscher hat begonnen zu zerbrechen. Zu diesem Ergebnis kommen gleich zwei voneinander unabhängige Studien von Wissenschaftlern aus den USA.

Im Fokus beider Gruppen: der 182.000 Quadratkilometer große Thwaites-Gletscher. Der Gletscher mündet in die Amundsen-See und dient als Stütze der benachbarten Eismassen. Kollabiert er, könnten weitere Gletscher rasch folgen. Mit Computermodellen haben die Forscher nun seine Zukunft modelliert, die Resultate sind erschreckend.

Laut der Untersuchung von Ian Joughin von der Universität von Washington in Seattle und seinem Team könnte der Gletscher bereits in 200 Jahren verschwunden sein, spätestens aber in rund 1.000 Jahren. Sein Modell basiert auf Radaraufnahmen und Satellitenmessungen der Region (Joughin & Smith & Medley, 2014).

In der Folge steige der globale Meeresspiegel um etwa 60 Zentimeter, schreiben die Autoren im Magazin Science. Sollte darauf tatsächlich ein komplettes Abschmelzen des westantarktischen Eisschilds folgen, würde das einen weltweiten Anstieg des Meeresspiegels um drei bis vier Meter bedeuten. 

Analysen des zweiten Teams bestätigen das Szenario. Die im Magazin Geophysical Research Letters veröffentlichte Studie von Eric Rignot von der Universität von Kalifornien in Irvine und seinen Kollegen belegt beunruhigende Veränderungen der Geschwindigkeit der Gletscher sowie deren Ausdehnung (Rignot, 2014). So zeigen alle vorgestellten Modelle bis auf eine sehr konservative Berechnung, dass die Kettenreaktion bereits angelaufen ist.