Eine Delfin-Show in Madrid © Pedro Armestre/AFP/Getty Images

Ein getrennter Dusch- und Fressplatz für Nashörner, ein großer Liegeplatz für Walrosse und frischer Antilopenkot als geruchlicher Reiz für Löwen und Geparden – solche Mindestanforderungen formuliert das überarbeitete Säugetiergutachten des Bundesagrarministeriums, das gestern in Berlin vorgelegt wurde. Darin ist festgelegt, wie Säugetiere in Zoos, Zoohandlungen und Privathaushalt gehalten werden müssen. Mehr als drei Jahre lang wurde das erstmals 1996 veröffentlichte Gutachten überarbeitet, Tierschützer und Zoodirektoren haben daran mitgearbeitet.

Doch kaum ist das Gutachten öffentlich, distanzieren sich einige Beteiligte bereits davon. Das mag unentschieden wirken, ist in Wahrheit jedoch das Beste, was den Tieren passieren kann. Denn schon jetzt ist deutlich: Viele Autoren halten das Werk selbst für nicht ausreichend, aus unterschiedlichsten Gründen. Selbst wenn die Positionen in der Debatte heftig auseinander driften – tritt man einen Schritt zurück, sieht man, dass sie eigentlich ein gemeinsames Ziel haben: das Wohl der Tiere. Je heftiger darum gestritten wird, desto besser.

Im Wesentlichen haben für das Gutachten zwei Seiten miteinander gerungen: die Tierschützer, für die Zoos kommerzielle Gefängnisse für ausgebeutete Kreaturen sind. Und die Zoodirektoren, die sich sicher sind, das Beste für die Tiere zu tun und dafür auf viele Jahrzehnte Erfahrung verweisen.

Besonders bei Arten, die Besucher zu Tausenden in die Zoos locken und die es auf die Titelseite von Zeitungen schaffen, kriegen sich die beiden Seiten in die Haare – etwa angesichts von Eisbären, Elefanten oder Menschenaffen. Tierschützer lehnen die Haltung dieser Tiere komplett ab. Zoodirektoren glauben, dass es möglich ist, sie tierschutzkonform unterzubringen. In der Vergangenheit stritten sich die beiden Lager so heftig, dass unabhängige Sachverständige die Punkte bearbeiten mussten, ohne die Beteiligung der Streithähne. Insofern ist die gemeinsam mühsam errungene Neufassung des Gutachtens ein guter Anfang.    

Es schreibt etwa vor, dass Delfine in intakten Gruppen gehalten werden müssen. Die Wasserfläche, die ihnen in einem Gehege oder Delfinarium zur Verfügung steht, soll nicht kleiner als 600 Quadratmeter sein. Tierschützern reicht das nicht aus. James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund distanziert sich ganz vom Kapitel über Delfine, das außerdem Tageszeitenwechsel und eine Kontrolle der Wasserqualität vorschreibt. Die Meeressäuger in Gefangenschaft zu halten, wie in den Zoos von Duisburg und Nürnberg, sei nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar.

Theo Pagel vom Verband Deutscher Zoodirektoren geht hingegen davon aus, dass die realen Haltungsbedingungen in deutschen Zoos längst viel besser sind als das, worauf man sich jetzt in Berlin einigen konnte. "Wir orientieren uns nicht an Mindestanforderungen", sagte er auf der Pressekonferenz zum Säugetiergutachten. "Wenn einer unserer Mitglieder-Zoos dieses Gutachten bräuchte, um seine Tiere artgerecht zu halten, sollte er lieber schließen."