Die Agrarreform der Europäischen Union wird nach Angaben von Forschern den Artenschutz eher verschlechtern. Ein internationales Team unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig analysierte die Änderungen in der Gesetzgebung und verglich sie mit Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat). Das Fazit der im Fachjournal Science präsentierten Studie: Die Agrarreform sei nicht so "grün" wie von vielen EU-Politikern dargestellt. 

Im Dezember 2013 hatte die Europäische Union eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erlassen. Sie gilt für die Jahre 2014 bis 2020. Mit einem Gesamtbudget von rund 360 Milliarden Euro wirkt sich die Agrarpolitik auf etwa die Hälfte der Landfläche in der gesamten Europäischen Union aus und damit auf sehr viele Arten, die sich im Laufe der Zeit an diese Kulturlandschaften angepasst haben.

Ursprünglich sollten nach der Reform zehn Prozent der gesamten Nutzfläche so bewirtschaftet werden, dass sie für die Artenvielfalt und den Klima- und Umweltschutz erhalten bleiben. "Im Laufe der Verhandlungen wurde dieses Ziel jedoch zunehmend verwässert", sagte Mitautor Klaus Henle vom UFZ. "Das liegt vor allem an den Ausnahmeregeln." Davon gebe es schlicht zu viele.

Noch können Maßnahmen ergriffen werden

So müssen etwa Betriebe mit einer Fläche von unter zehn Hektar keine Fruchtfolgen, also verschiedene Nutzpflanzen hintereinander, anbauen. Das hat zur Folge, dass für rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe diese Pflicht entfällt. Ursprünglich habe die Grenze bei einer Größe von drei Hektar gelegen.

Nachbesserungen seien aber noch möglich, schreiben die Forscher. Die Mitgliedsstaaten hätten noch ausreichend Spielraum, um mehr zu tun, als die Reform vorgebe. Die Wissenschaftler empfehlen etwa, kleine, nachhaltig wirtschaftende Betriebe mit einem Sonderbudget zu unterstützen, das für die Förderung ländlicher Räume und für Agrarumweltmaßnahmen gedacht ist.

Es sei auch wichtig, ausreichend Flächen landwirtschaftlichen Kulturen und Anbaumethoden vorzubehalten, die die Artenvielfalt nachweislich fördern. Wertvolle Grünflächen wie Wiesen, auf denen viele Tier- und Pflanzenarten beheimatet sind, sollten bestehen bleiben. Die Forscher fordern zudem, die Landwirte besser zu schulen. Es gebe durchaus alternative Agrarverfahren, die die Artenvielfalt schützen und sich zugleich finanziell lohnen. Den Landwirten solle gezeigt werden, welche Förderungen jenseits des Standards möglich seien. Das würde letztlich auch zum Schutz der Artenvielfalt beitragen.