Es ist der stechende Blick eines Wolfes, wenn Mantou einen ansieht. Er ist halb Wolf, halb Husky, mit grau-weißem Fell und einem kräftigen von den Schultern abfallenden Körper. Schon als Welpe kam der Rüde auf den Gnadenhof Argenhof bei Amtzell in Baden-Württemberg. Hier stranden Tiere, die mit den Menschen nicht zurecht kommen – oder umgekehrt. Auch Mantou wäre für das örtliche Tierheim und unbedarfte Halter schnell zum Problem geworden. "Auf seine Umgebung und andere Hunde reagiert er scheu, fast ängstlich, zum Glück selten aggressiv", sagt Christiane Rohn, die Leiterin des Gnadenhofs.

So wie der Husky-Wolf-Mischling, den Behörden illegalen Händlern aus Osteuropa abgenommen hatten, leben in Deutschland schätzungsweise ein paar Hundert Hybride, ihre genaue Zahl kennt niemand. Angeschafft wurden sie von Menschen, die fasziniert sind von der Unzähmbarkeit eines wilden Tieres und genau deshalb, paradox genug, einen Haushund wollen, in dem möglichst viel Wolf steckt.

Vor allem in den USA gibt es eine eingeschworene Halterszene. 100.000 bis 300.000 Wolfsmischlinge sollen in US-Haushalten leben, so die Schätzung der US-Organisation Mission Wolf. US-Züchter werben unverhohlen in Zeitungen: "Holen Sie sich ein Stück Wildnis ins Haus!" Im Angebot: ein Wurf direkter Hund-Wolf-Nachkommen.

Hierzulande agiert die Szene eher in geschlossenen Foren und oft auch am Rande der Legalität. Das Problem: Für Wölfe und Hybride bis zur vierten Generation gilt das Washingtoner Artenschutzabkommen. In Deutschland muss jeder, der so ein Tier halten will, das entsprechende Fachwissen nachweisen sowie einen Beleg, dass er über ein ausreichend großes Gehege verfügt. In der Praxis erfüllen nur wenige Halter diese Voraussetzungen.

Wölfe mit falschen Papieren

Zu leicht sind die Kontrollen zu umgehen. Ab der fünften Generation gelten Wolfshybriden als normale Hunde. "Wie hoch der genetische Wolfsanteil wirklich ist, lässt sich nur schwer feststellen", sagt Genetiker Carsten Nowak von der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. Und so blüht der illegale Handel.

Wolfshybride wie Mantou werden etwa aus Osteuropa und den USA nach Deutschland gebracht, bestellt über das Internet und mit falschen Papieren als Hunde deklariert. Bis zu 4.000 Euro kostet ein Welpe im Wolfspelz, für so manchen Händler genug, um jeden Skrupel zu verlieren. "Gezüchtet wird vor allem auf Aussehen. Je ähnlicher ein Tier dem Wolf sieht, desto teurer kann es verkauft werden", sagt Michael Eichhorn, der in der Pfalz eine Hundeschule betreibt und Erfahrung im Umgang mit Wölfen und Wolfshybriden hat.

Mantou, ein Mischling aus Hund und Wolf. Der Rüde lebt auf dem Gnadenhof Argenhof. © Christiane Rohn/Argenhof

Für ein Leben in der Obhut von Menschen sind viele Mischlinge aus Wolf und Hund nicht gemacht, wie das Beispiel von Mantou zeigt. Auf dem Gnadenhof hat er zumindest relativ viel Auslauf und Ruhe. "Autos und viele Leute stressen ihn", sagt Rohn. Zu Menschen habe er wie seine wilden Verwandten kaum einen Bezug, in einem Haushalt wäre er nicht haltbar. Alles andere als der ideale Haushund.

Man holt unnötig Wildheit zurück

Vor 15.000 bis 20.000 Jahren trennten sich die Wege von Wolf und Haushund. Einzig das Erbgut, gespeichert als Strang aus Desoxyribonukleinsäure (DNA) in jeder Zelle, zeugt von den gemeinsamen Vorfahren. "Genetisch gesehen ist auch ein Pudel ein Wolf, der DNA-Unterschied beträgt kaum ein Prozent", sagt Nowak. Im Alltag liegen dazwischen Welten.

Schon das Aufwachsen von Hund und Wolf unterscheidet sich gewaltig. Ein Hund lebt zunächst eng bei der Mutter und mit Menschen zusammen. "Die meisten der fünf Millionen Hunde in Deutschland sind nicht mehr selbstständig", sagt Frank Faß, Leiter des Wolfscenters in Dörverden, das über wilde Wölfe aufklärt. Ein Hauptunterschied sei, dass Hunde den Menschen als Rudelführer akzeptieren und sich anpassen. Wölfe blieben dagegen scheu und auf Distanz. Selbst der frühe Kontakt zum Menschen führe zu keiner vollständigen Domestizierung.