Die Fischbestände im Mittelmeer schrumpfen stetig. Während sich die Lage im Nordostatlantik entspannt hätte, sei die Situation in weiten Teilen des Mittelmeers alarmierend, schreiben  griechische Wissenschaftler im Fachblatt Current Biology (Vasilakopoulos et al., 2014). Problematisch sei vor allem, dass zunehmend junge Fische gefangen würden, die noch nicht geschlechtsreif sind.

Die Forscher um Paraskevas Vasilakopoulos vom Hellenic Center for Marine Research im griechischen Anavyssos, hatten Fischfang-Daten aus den Jahren 1990 bis 2010 ausgewertet. Dabei untersuchten sie 42 Bestände von neun Arten wie Seehecht, Meerbarbe, Sardellen und Sardinen. Das Ergebnis: Im Laufe der 20 Jahre ist der Fischerei-Druck kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2010 seien erstmals von allen Arten mehr Fische gefangen worden, als für die Erhaltung der Bestände notwendig gewesen wäre.

Insbesondere Seehecht und Meerbarben sind laut Vasilakopoulos und seinen Kollegen betroffen. Sie leben in der Nähe des Meeresgrundes und landen daher in großer Zahl in den Grundschleppnetzen.

Die Daten decken sich mit Angaben der EU-Kommission. Erst vor zwei Wochen hatte EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki auf die schlechte Lage der Fischbestände im Mittelmeer hingewiesen. Demnach sind mindestens 96 Prozent der bodennahen Arten überstrapaziert. Bestände in mittleren Tiefen seien zu mehr als 70 Prozent überfischt.

Zu viele kleine Fische mit unterschiedlichen Fangmethoden

Die griechischen Forscher erklären die schlechtere Lage im Mittelmeer damit, dass dort eine große Zahl kleinerer Fischerei-Schiffe mit unterschiedlichsten Fangmethoden aktiv sei. Zudem entgingen zahlreiche Fänge den Behörden, da die Schiffe viele kleine Häfen anlaufen würden, ohne die offiziellen Stellen zu passieren. Die bestehenden Vorschriften könnten so schwerer kontrolliert werden. Die problematische finanzielle Lage einiger Mittelmeerländer würde die Situation verschärfen.  

Zudem gelten im Mittelmeer mit Ausnahme des Roten Thun keine Fangobergrenzen. Laut Der Standard aus Österreich fordert die EU-Kommission daher von den Anrainer-Staaten nationale oder regionale Regeln zu Flottengröße und Fangzeiten festzulegen.

"Es ist Zeit, dass die Europäische Union und die regionalen Regierungen Fischerei-Forschung und -Management im Mittelmeer ernster nehmen", sagt Studienautor Vasilakopoulos. Größere Investitionen seien nötig, um die Fischerei-Forschung zu verbessern.