Welche Umweltfolgen haben zum Beispiel Anbau, Transport und Lagerung von Gemüse? Die EU will dies mit einem neuen Ökosiegel sichtbar machen.

Kennen Sie PEF? Vermutlich nicht. Die drei Buchstaben stehen für Product Environmental Footprint, den "Umweltfußabdruck" eines Produkts. Es geht um ein europäisches Supersiegel, beschlossen im vergangenen Jahr von der EU-Kommission. PEF soll umfassender als alle bisherigen Siegel die Ökobilanz erfassen. Gerade ist die dreijährige Testphase für Lebensmittel gestartet. Doch was soll das eigentlich bringen und worum geht es genau?

Die Idee – Mit dem PEF werden die Umweltauswirkungen während des gesamten Produktlebens berücksichtigt, von der Ernte und Herstellung bis zum Verbrauch und zur Entsorgung. Material- und Energieverbrauch werden bewertet. Wie viel Schadstoffe werden ausgestoßen, welche Ressourcen genutzt? Am Ende dieser Kalkulation steht eine Schätzung der Umweltschäden.

Der Nutzen – Solche Bilanzen machen sichtbar, was ein Produkt in seiner Herstellung die Natur kostet, die als Gemeingut allzu oft kostenlos genutzt wird. Das verrät, welche Branchen für welche Belastung verantwortlich sind. Knapp ein Fünftel der klimaschädlichen Emissionen in Deutschland geht auf den Bereich Ernährung zurück. Die globale Fleischproduktion verursacht mehr Treibhausgase als der Verkehr.

Die Neuheit – Es gebe einen "Wildwuchs an unterschiedlichen Methoden", mit denen derzeit Ökobilanzen erstellt werden, kritisiert die EU-Kommission. Sie seien kaum miteinander vergleichbar. Brüssel will eine einheitliche Berechnungsgrundlage – und provoziert damit selbst Kritik: Statt auf etablierte internationale Standards zurückzugreifen, schaffe Europa einen weiteren.

Der Ansatz – Bislang sind Ökobilanzen vor allem CO2-Bilanzen. Beim PEF soll eine Auswahl von 14 möglichen Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Dazu gehören Wasserverschmutzung, Feinstaubbelastung und Landnutzung (etwa wenn Regenwald für Sojaanbau gerodet wird). Je nach Produkt werden aber nur die drei bis vier relevantesten Kriterien gewertet.

Die Schwierigkeit – Um den gesamten Lebensweg eines Produkts zu analysieren, muss jeder Verarbeitungsschritt berücksichtigt werden. Selbst bei scheinbar simplen Dingen wie Kartoffeln ist das mühsam: Noch bevor sie wachsen, wird das Feld gedüngt, was den Boden mit Stickstoff belasten kann. Schon die Düngerherstellung verursacht Umweltbelastungen. Je nach Witterung wird mal mehr, mal weniger bewässert, und meist kommen Pestizide zum Einsatz. Für Ernte, Verpackung, Lagerung, Kühlung und den Transport in einen Supermarkt wird weitere Energie benötigt. Solche Rechnungen sind beliebig kompliziert. Und bei unklarer Datenlage muss man im PEF-Modell auf Wahrscheinlichkeiten zurückgreifen.