© Helga R. Heilmann/Biozentrum Uni Würzburg

Die wenigsten von Ihnen wussten vermutlich, dass Bienen überhaupt schlafen. Dass sie das darüber hinaus nach Kasten getrennt tun, zeigt eine Studie, die Bienenforscher im Onlinewissenschaftsmagazin Plos One veröffentlicht haben (Klein & Stiegler & Klein & Tautz, 2014).

Honigbienen sind soziale Insekten, die in einem Staat leben, in denen es verschiedene Aufgaben gibt. Wer was macht, ist unter ihnen klar geregelt. Junge Arbeiterinnen sind zum Beispiel im "Innendienst" – sie reinigen als ganz junge Bienen meist Waben, später füttern sie die Brut oder versorgen die Königin. Ältere Bienen sind zum Sammeln von Nektar und Pollen zuständig, verlassen dazu das Nest und gehen auf die Suche nach Blüten.

Jetzt ist klar: Die unterschiedlichen Lebens- und Aufgabenphasen bestimmen auch, wo, wann und wie eine Biene schläft. Mit einer speziellen Mapping-Methode untersuchten Barrett Anthony Klein von der Uni Wisconsin und der Würzburger Bienenforscher Jürgen Tautz das Schlafverhalten ihrer Versuchsinsekten. 

Schlaflabor aus Waben

Unter Laborbedingungen legten sie dazu Bienenstöcke verschiedener Unterarten der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) an, die sie mit Mikrophonen, Kameras, Wärmebildkameras, Thermometern und anderen Messgeräten ausstatteten. Sie markierten Bienen verschiedener Kasten und zeichneten so ihre Aktivitäten im Bienenstock auf – Tag und Nacht. Auf diese Weise entstand ein stattlicher Datensatz über das Bienenverhalten, dessen Auswertung unter anderem ergab, wann und wie welche Bienen-Kasten im Stock schlafen.

Eine schlafende Biene lässt ihren Körper meist in Richtung Schwerkraft hängen, im Tiefschlaf bewegen sich ihre Fühler nicht mehr, sie fächert sich nur ab und zu mit den Flügeln kühlende Luft zu und erreicht so eine geringere Körpertemperatur als die Bienen in ihrer Umgebung. An diesen Anzeichen erkannten die Wissenschaftler den Bienenschlaf. Die Daten-Mapping-Methode ergab außerdem, dass junge Arbeiterinnen sich zum Schlummern eher ins Zentrum des Bienenstocks begeben, während die Sammlerinnen sich Plätze am kühleren Rand suchen, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Erste Anzeichen dafür, dass Insekten überhaupt eine biologische Ruhephase haben, die mit der von Wirbeltieren vergleichbar sein könnte, fanden Wissenschaftler erstmals in den 1950er Jahren. Erst dreißig Jahre später erhärteten Studien diesen Verdacht. Welche Funktion Schlaf generell erfüllt, ist bis heute selbst am Beispiel des Menschen nicht endgültig geklärt. Über den Sinn des Bienenschlafs ist erst recht nichts bekannt. Allerdings sehen Forscher Parallelen zwischen schlummernden Bienen und Menschen.

Ratzen wie ein Mensch

"Im Lauf der Zeit sind immer mehr Ähnlichkeiten zwischen dem Schlaf der Bienen und dem der Menschen ans Licht gekommen", sagt Studienautor Tautz. Wurde der Bienenschlaf zunächst nur an Phasen der Bewegungslosigkeit festgemacht, stellte man später auch unterschiedlich tiefe Schlafphasen fest. Eine weitere Ähnlichkeit: Leiden Bienen an Schlafentzug, verringert sich ihre Lern- und Kommunikationsfähigkeit.

Ein noch weitgehend unbearbeitetes Forschungsfeld ist der Schlaf der Männer im Bienenstock. "Ich habe schon Drohnen beobachtet, deren Ruheverhalten so aussah, als würden sie ähnlich wie weibliche Bienen schlafen", sagt Studienleiter Klein. Wie lange, wie tief, wo im Nest und zu welchen Zeiten Drohnen schlafen, habe sein Team aber bisher noch nicht untersucht. Sicher ist, dass die Königin im Bau ähnlich lange pennt wie ganz junge Arbeiterinnen. Anders als ihre Untertanen schlummern die Chefinnen von Bienenvölkern anscheinend ungern in einer Wabe. Denkbar, dass sie ihr Volk auch im Schlaf noch repräsentieren und deshalb sichtbar sein müssen.