Der Ölkonzern Shell und die Regierung Nigerias haben laut Menschenrechtsgruppen bisher kaum Schritte zur Beseitigung von Ölverschmutzungen im Niger-Delta unternommen. In mindestens zehn Ortschaften der Region Ogoniland sei das Trinkwasser durch Ölförderung und Lecks verseucht, schreibt Amnesty International in einem Bericht. An dem Report waren unter anderem die Gruppen Friends of The Earth Europe und das Zentrum für Umwelt (CSE) beteiligt.

Im Jahr 2011 hatte das UN-Umweltprogramm eine detaillierte Analyse der Verschmutzung in dem betroffenen Gebiet vorgelegt. Demnach dürfte es bis zu 30 Jahre dauern, bis sämtliche Ölrückstände beseitigt seien. Unep empfahl die Einrichtung eines Sonderfonds, in den die Ölunternehmen und die nigerianische Regierung eine Milliarde Dollar (744 Millionen Euro) einzahlen sollten. Drei Jahre nach Veröffentlichung der Studie stellt Amnesty fest: In den betroffenen Gebieten ist fast nichts passiert.

Selbst empfohlene Notfallmaßnahmen seien nur rudimentär umgesetzt worden, heißt es in dem Bericht. Dazu zählt die Bereitstellung von Wasserreserven für Gemeinden, die von den Umweltverschmutzungen besonders betroffen sind. Anwohner bezeichneten das gelieferte Wasser als "widerlich"; es habe oft gestunken.

Das westafrikanische Land ist der größte Ölproduzent des Kontinents, und Shell ist dort traditionell einer der größten Ölförderer. Aus Ogoniland musste sich der niederländisch-britische Konzern 1993 angesichts von Unruhen jedoch zurückziehen.

2013 kehrten Shell-Vertreter erstmals nach Ogoniland zurück

Zwar wurde damals die Ölförderung eingestellt, doch dafür verwendete Ausrüstung wurde zum Teil laut den UN nicht vollständig außer Betrieb genommen. Die Folge: Die Geräte zersetzten und wurden falsch benutzt. "Die Menschen in Ogoniland leiden noch immer an den Folgen der schmutzigen Jahre der Ölindustrie, die ihr Land, ihre Luft und ihr Wasser verseucht hat", hieß es in dem Bericht. Zudem warfen sie Shell vor, die Schuld für die Misere Öldieben zuzuschieben statt Verantwortung zu übernehmen und die Erkenntnisse des UN-Reports umzusetzen.  

Amnesty erinnerte daran, dass die Ölförderung über Jahrzehnte hinweg Regierungsvertreter und Ölkonzerne reich gemacht habe, der Bevölkerung aber nichts als verseuchte Böden und Flüsse hinterließ. Im April 2013 waren Shell-Vertreter erstmals seit zwei Jahrzehnten nach Ogoniland zurückgekehrt, um eine Liste mit allen verrottenden Pipelines, Brunnen und anderen Förderanlagen zu erstellen, die das Trinkwasser und die Böden in der Region verseuchen. Der Konzern hatte damals von einer wichtigen Etappe zur Erfüllung der Unep-Forderungen gesprochen.