Plastikmüll, Überfischung, Ölkatastrophen – der blaue Teil unseres Planeten muss eine Menge verkraften. Die Liste der Probleme ist so lang, dass manche zeitweilig in Vergessenheit geraten, etwa die Quecksilber-Belastung.

Nun haben Forscher eine Studie präsentiert, die erneut die Aufmerksamkeit darauf lenkt: Demnach hat sich der Anteil von Quecksilber in manchen Meeresregionen mindestens verdreifacht. Schuld sei der Mensch, wie das Team um Carl Lamborg vom Ozeanischen Institut im amerikanischen Woods Hole erklärt.

Für ihre Studie waren die Wissenschaftler im Atlantik, Pazifik sowie in den südlichen und arktischen Ozeanen unterwegs (Lamborg et al., 2014). Die punktuellen Proben, die aus 100 bis 4.000 Meter Tiefe stammen, wurden anschließend im Labor auf ihren Quecksilbergehalt geprüft. In einem nächsten Schritt verglich das Team die Werte mit den Quecksilber-Bedingungen der Meere des 16. Jahrhunderts, die laut Modellrechnungen damals herrschten. Das Jahrhundert gilt als Wendepunkt in der Geschichte, weil erst seit rund 500 Jahren Bergbau und die Nutzung von Kohle und Öl große Mengen des giftigen Elements in die Umwelt freisetzen.

Laut den Forschern hat der Mensch den weltweiten Quecksilber-Kreislauf vor allem in den oberen Wasserschichten durcheinandergebracht. In den Sprungschichten, die sich ungefähr zwischen 1.000 und 100 Metern Tiefe befinden, sei der Gehalt um geschätzte 150 Prozent angewachsen. Hier findet der Übergang zwischen relativ warmem Wasser an der Oberfläche und kaltem Tiefenwasser statt. Im weniger tief gelegenen Oberflächenwasser sei die Quecksilber-Menge sogar um 200 Prozent gestiegen, habe sich also verdreifacht, erklären die Wissenschaftler.

Frühere Studien kamen zu drastischeren Ergebnissen

Das ist insofern besorgniserregend, als vor allem in diesen beiden Wasserschichten Fisch gefangen wird. Allerdings bewegen sich die gemessenen Werte unterhalb früherer Schätzungen, die die Quecksilberbelastung auf rund das Vierfache der jetzt vorgestellten Ergebnisse schätzten (Streets et al, 2011).

Die Wissenschaftler erhoffen sich von den neuen Daten mehr Erkenntnisse darüber, wie anorganisches Quecksilber im Meer in giftiges Methyl-Quecksilber umgewandelt wird. In dieser Form kann Quecksilber in Fisch, Muscheln und andere Meerestiere gelangen und sich dort ansammeln. Landen diese Meeresbewohner auf dem Teller, kann das auch für den Menschen bedenklich sein. Methyl-Quecksilber reagiert im menschlichen Körper unter anderem mit lebenswichtigen Enzymen und hemmt deren Funktion.

Weil die Probleme schon länger bekannt sind, hat die EU bereits 2011 den Export von Quecksilber in andere Länder verboten. Das soll verhindern, dass das giftige Metall weiterhin verwendet wird, um in Minen Gold aus anderem Gestein zu lösen. Bislang zeigt die Maßnahme wenig Erfolg: Nach wie vor nennt das Umweltbundesamt den kleingewerblichen Goldbergbau als einen Hauptverursacher für das Quecksilberproblem. Des Weiteren wird auch bei der Produktion von Wärme und Strom aus Kohle, Öl oder Gas Quecksilber in großen Mengen freigesetzt, da es im Brennstoff enthalten ist.

Lamborg und seine Forscherkollegen sehen keine zeitnahe Besserung. Ihre Prognose fällt geradezu düster aus: Bis 2050, schreiben sie, könne die Quecksilbermenge im Meer sogar auf das Fünffache der Werte aus dem 16. Jahrhundert steigen.