Es sind regelrechte Massaker, die Wilderer in Afrika an Elefanten verüben. Manchmal sterben Hunderte Tiere binnen weniger Tage, gejagt werden sie wegen ihrer kostbaren Stoßzähne. Obwohl der Handel mit Elfenbein seit 1989 weltweit verboten ist, nimmt die Wilderei immer größere Dimensionen an. Einer Studie zufolge sind die Bestände über den Kontinent hinweg seit 2010 um durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr zurückgegangen.

Forscher um den US-Biologen George Wittemyer von der Colorado State University in Fort Collins haben Daten zu Demografie und Todesursachen von Elefanten aus ganz Afrika analysiert, um die Gefahr zu beziffern. Es sei die erste Einschätzung zum Ausmaß der Wilderei auf regionaler und kontinentaler Ebene, schreiben sie im Magazin PNAS (Wittemyer et al., 2014). Möglichst genaue Angaben über das Ausmaß der illegalen Jagd seien wichtig, um den Schutz der bedrohten Tiere zu verbessern.

Die Autoren kombinierten lokale mit überregionalen Daten und begutachteten unter anderem Elefantenkadaver in Kenias Samburu-Nationalpark, um illegale und natürliche Todesursachen zu beziffern. Die Daten übertrugen sie dann auf die gesamtafrikanische Elefantenpopulation.

Während zwischen 1998 und 2008 noch durchschnittlich 0,6 Prozent der Afrikanischen Elefanten illegal getötet wurden, stieg die Zahl danach deutlich an. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2011 erlegten Wilderer den Berechnungen der Forscher zufolge etwa acht Prozent der Elefanten, was rund 40.000 Tieren entspreche. In jenem Jahr schrumpfte die Population demnach um etwa drei Prozent. Im Samburu-Nationalpark wurden in den vier Jahren von 2009 bis 2012 fast 21 Prozent der Elefanten getötet, berichtet das Team. Demnach sind besonders die Bestände im zentralen und östlichen Teil des Kontinents betroffen. 

Die illegale Elefantenjagd setze den Populationen dermaßen zu, dass ihr Überleben gefährdet sei, warnt Wittemyer. Mit den steigenden Schwarzmarktpreisen für Elfenbein verschlimmere sich die Lage stetig. Um die Wilderei einzudämmen, müsse man vor allem die Nachfrage drosseln, insbesondere in Ostasien, heißt es weiter.  

Hohe Dunkelziffern für gewilderte Tiere

Auch die Naturschutzorganisation WWF warnte kürzlich, die Jagd auf Elefanten habe in Afrika drastisch zugenommen. Laut der Datenbank für Elefantenhandel ETIS seien 2011 mit 38,5 Tonnen Elfenbein geschmuggelt worden – soviel wie noch nie. Diese Entwicklung habe sich auch 2012 und 2013 fortgesetzt. Im vergangenen Jahr seien mehr als 41 Tonnen Elfenbein in Großbeschlagnahmungen konfisziert worden. Unklar sei jedoch, ob dies das Ergebnis von verbesserten Kontrollen sei oder einen Anstieg in der geschmuggelten Menge zeige.  

Der WWF geht davon aus, dass die Dunkelziffer der getöteten Tiere noch wesentlich höher liegt. Schätzungen zufolge seien 2012 in Afrika 22.000 Elefanten illegal gejagt und getötet worden. Bei dieser Rate könne der Kontinent innerhalb der nächsten zehn Jahre 20 Prozent seiner Elefanten verlieren.