Rauch steigt aus Schornsteinen einer Fabrikanlage in Gllogoc, Kosovo, auf. © Hazir Reka/Reuters

Die Nachricht klingt dramatisch, kommt aber wenig überraschend: Der Anteil an langlebigen Treibhausgasen in der Atmosphäre ist so hoch wie seit Jahrmillionen nicht mehr. Das berichtet die Weltwetterorganisation der Vereinten Nationen (WMO) nach Auswertung von Wetter- und Klimadaten aus dem Jahr 2013.

Laut eines am Dienstag in Genf vorgestellten Berichts – dem jährlich erscheinenden Greenhouse Gas Bulletin – hat die Konzentration der Gase Kohlendioxid (Co2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) ihren Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht.

Noch nie seit 1984 sei der CO2-Gehalt so stark angestiegen wie zwischen 2012 und 2013, heißt es weiter. Der Bericht basiert auf Daten von Global Atmosphere Watch (GAW), einem weltweiten Netzwerk, das Messungen der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre zusammenführt. Allerdings sind die Messstationen weltweit nicht gleichmäßig verteilt, aus einigen Regionen fehlen gute Daten. Entsprechend grob fallen Abschätzungen für die globale Situation aus, wie die WMO sie jetzt vorgenommen hat.

Die Rolle der Ozeane wird bisher unterschätzt

Erstmals flossen in dem Treibhausgas-Bericht auch Messdaten aus den Ozeanen ein. Diese nehmen nach derzeitigem Forschungsstand etwa ein Viertel der ausgestoßenen Treibhausgase auf. Während sich die Gase in der Atmosphäre über Jahrhunderte halten, können sie nach Ansicht von Forschern in den Meeren noch wesentlich länger überdauern – mit derzeit unabsehbaren Folgen für die Umwelt und das Klima. "Es ist höchste Zeit, dass die Ozeane als Treiber des Weltklimas und Dämpfer des Klimawandels zu einem zentralen Element in der Klimadiskussion werden", sagte Wendy Watson-Wright von der Ozeanografie-Kommission der Unesco.

Die Anreicherung dieser Gase in der Atmosphäre hat maßgeblich zur globalen Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung beigetragen; darüber sind sich Klimaforscher weltweit einig. Solche Treibhausgase entstehen während Verbrennungsprozessen und gelangen mit den Abgasen von Fabriken und Autos in die Luft. In der Atmosphäre reichern sie sich an und werden nur extrem langsam abgebaut. Waldbrände und die Trockenlegung von Mooren sind weitere bedeutende Treibhausgas-Quellen.

Das von der WMO für 2013 verzeichnete Rekordhoch an Treibhausgasen überrascht kaum, da die weltweiten Emissionen weiter zunehmen und im selben Jahr den bisherigen Höchststand erreicht hatten. Bemühungen vieler Staaten, etwa den Ausstoß an Kohlendioxid zu reduzieren, haben den globalen Zuwachs an Emissionen bisher nur entschleunigen können. Aufgrund der wachsenden Weltwirtschaft gelangt weiterhin jedes Jahr mehr CO2 in die Luft.

Auch Klimaforscher wie Martin Claussen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie und Professor am Meteorologischen Institut der Uni Hamburg, überrascht das Ergebnis des Berichts nicht. "Angesichts der politischen Lage und der geringen Bereitschaft, wirklich Emissionen zu reduzieren, erwarten wir nichts anderes als einen weiteren Anstieg der CO2-Konzentrationen", sagte der Meteorologe ZEIT ONLINE. Bemerkenswert sei jedoch der stärkere CO2-Anstieg in dem Zeitraum von 2012 auf 2013. Neben der Luftverschmutzung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe könne dieser auch darauf zurückzuführen sein, dass die Vegetation weniger CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt und speichert.

Im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten (als Referenz wird im WMO-Bericht das Jahr 1750 genannt) habe die CO2-Konzentration in der Atmosphäre um 142 Prozent zugenommen, der Methangehalt (CH4) um 253 und der Lachgas-Anteil (N2O) um 121 Prozent. Welche Mengen dieser Gase vor Jahrhunderten in der Atmosphäre enthalten waren, ermitteln Klimaforscher zum Beispiel aus Eisbohrkernen oder Sedimentproben. 

"Der Treibhausgas-Bericht zeigt, dass die Konzentration an CO2 in de Atmosphäre weit davon entfernt ist, abzunehmen", sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud. "Diesen Trend müssen wir umkehren, indem wir die Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen flächendeckend reduzieren." Und zwar besser heute als morgen: "Uns rennt die Zeit davon."