Supermarktkunden mit klassischen Plastiktüten. In Zukunft sollen die mit einer Steuer belegt werden. © PHILIPPE HUGUEN/AFP/Getty Images

Die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten haben einem Kompromiss mit dem Europaparlament zugestimmt, der den Verbrauch von Plastiktüten bis 2025 um 80 Prozent senken soll. Nun geht der Vorschlag nochmals ins Parlament. Am Montag befasst sich der Umweltausschuss der Volksvertretung mit dem Kompromiss. Eine Zustimmung gilt als sicher.

Der Rat, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind, stimmte heute in Brüssel geschlossen für das Vorhaben. Bereits Anfang der Woche hatten sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments darauf geeinigt, dass jeder Bürger der EU bis 2025 nur noch 45 Plastiktüten pro Jahr verbrauchen soll. Ob das die Umweltbelastung mindern kann, ist jedoch fraglich. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Alternativen zu den klassischen Plastiktüten, wie etwa zersetzbare Tüten oder jene aus Papier, stark zulasten der Umwelt produziert und entsorgt werden.

Um den Verbrauch zu senken, schlägt die EU-Kommission Gebühren oder Steuern auf die Tüten vor. Ein Modell in Irland macht diesen Ansatz bereits vor. Dort ging nach Angaben des Europaparlaments die Zahl der Einwegplastiktüten binnen weniger Monate um etwa 90 Prozent zurück.

Wie hoch diese Steuern oder Gebühren in den Staaten ausfallen, soll jede Regierung selbst festlegen. Reißfeste, dickwandige Kunststofftaschen und hauchdünne Beutel, wie etwa die an der Gemüsetheke, sind von der Regelung ausgeschlossen. Die EU befürchtet, dass Letztere nur durch noch schädlichere Verpackungen, etwa aus Schaumstoff, ersetzt werden könnten.

Papier ist nicht die Lösung

Die Alternativen zur Plastiktüte tragen jedoch ebenso Umweltrisiken in sich. Eine interaktive Grafik des Atlantic aus den Daten australischer Forscher zeigt zum Beispiel, dass etwa die Produktion einer Papiertüte wesentlich mehr Energie und Rohstoffe verbraucht und zudem mehr Müll verursacht, als die der Plastiktüte. Auch zersetzbare Tüten aus oxo-abbaubarem Plastik lösen sich in mikroskopisch kleine Partikel auf, die sich im Boden ablagern können (ZEIT ONLINE berichtete). Pflanzen oder Tiere, die sie aufnehmen, werden möglicherweise vergiftet.   

Einige kleinere Hürden stehen der Plastiktüten-Steuer noch im Weg. Am Montag soll der Umweltausschuss des Europaparlaments darüber abstimmen, ein Ja wird aber erwartet. Danach steht noch die formelle Annahme durch die Minister der EU-Staaten und das Plenum des Europaparlaments an. Dies alles dürfte bis zum Frühjahr geschehen.

© Statista

Die Infografik, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat, zeigt, wie viele Plastiktüten im Jahr 2010 im Durchschnitt pro Einwohner in verschiedenen EU-Staaten verwendet wurden. Spitzenreiter ist Bulgarien mit einem Verbrauch von 421 Tüten pro Jahr, gefolgt von Tschechien und Rumänien. Nicht für alle EU-Länder liegen Zahlen dazu vor.

Deutschland zählt mit einem Verbrauch von 71 Tüten pro Kopf (2010) zu den Staaten mit vergleichsweise geringem Tütenverbrauch. Der EU-Durchschnitt liegt bei 198 Stück. Darüber, wie viele dieser Tüten wiederverwendet, als Mülltüten umfunktioniert oder für andere Zwecke gebraucht oder recycelt werden, sagen diese Zahlen aber nichts aus.