EU-Staaten dürfen künftig Plastiktüten besteuern oder sogar verbieten. EU-Gremien wie das Parlament haben derlei Pläne in der Vergangenheit immer wieder debattiert (ZEIT ONLINE, November 2014). Der EU-Rat aus den Ministern der einzelnen Mitgliedstaaten hat das Vorhaben heute in Brüssel beschlossen, in Kraft treten wird es in wenigen Wochen. Demnach soll jeder Bürger bis 2025 nur noch 40 Tüten jährlich verbrauchen. Das betrifft vor allem Einwegtüten, die nach dem Einkauf oft im Müll landen, ohne weiter genutzt zu werden.

Die Bundesregierung prüft bereits eine mögliche Tüten-Abgabe. Ob diese etwa als Steuer erhoben werde, sei noch nicht entschieden, sagte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums. Das Umweltbundesamt (UBA) hatte vorgeschlagen, Plastiktüten etwa in Kaufhäusern und Modegeschäften nicht mehr umsonst abzugeben. Teilweise müssen Kunden schon heute im Laden geringe Centbeträge für die Tüten zahlen – künftig könnten sie aber teurer werden.

Erst kürzlich hatten Forscher aus den USA ermittelt (ZEIT ONLINE, Februar 2015), dass Millionen Tonnen Plastikmüll, darunter auch Tüten, jährlich in den Ozeanen landen. Zahlreiche Tiere sterben an der Vermüllung, weil sie die Abfälle fressen oder sich darin verfangen. Dieser Verschmutzung wirken die Pläne der EU entgegen.

Allerdings sind auch die Alternativen zu den klassischen Plastiktüten nicht unumstritten. Zersetzbare Tüten oder jene aus Papier werden zulasten der Umwelt produziert und entsorgt. Auch wenn sie sich abbauen, verschwinden sie oft nicht vollständig. Beutel aus oxo-abbaubarem Plastik etwa lösen sich zwar in mikroskopisch kleine Partikel auf, diese können sich aber im Boden anreichern (ZEIT ONLINE, August 2014). Pflanzen oder Tiere, die sie aufnehmen, werden möglicherweise langsam vergiftet.

Die Pläne, die Plastiktüte zu verbannen oder ihre Zahl künftig deutlich zu verringern, haben derzeit im internationalen Vergleich einen eher symbolischen Wert. Sie sind ein erster Schritt. Denn die Hauptverschmutzer der Ozeane sind Staaten außerhalb von Europa.